Klimawandel: 1,8 Millionen Bäume tot: Im Land sterben immer mehr Wälder

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Der Klimawandel setzt Fichten, Lärchen, Eichen und Buchen zu. Die Holzwirtschaft muss drastisch sinkende Preise verkraften. Förster bauen am Wald der Zukunft.

Gefräßige Schädlinge, Hitze und Stürme bedrohen den rheinland-pfälzischen Wald mit immer dramatischeren Folgen. 1,8 Millionen von insgesamt rund 100 Millionen Fichten mussten in den vergangenen beiden Jahren nur wegen der Borkenkäferplage gefällt werden. 84 Prozent aller Bäume sind krank, 26 von 44 Forstämtern haben ein Ausmaß von sterbenden Flächen gemeldet, die größer sind als 9000 Fußballfelder, teilt das Umweltministerium in Mainz mit.

Geht es nach dem Klimaforscher Ulrich Matthes, sieht der Wald in 100 Jahren ganz anders aus, als wir ihn heute kennen. Bäume wie Fichten und Lärchen, die an kühle, feuchte Verhältnisse gewohnt seien, dürften den Klimawandel nicht überstehen. Wo es an Regen fehle, seien auch Eichen und Buchen bedroht. „Im schlimmsten Szenario des Klimawandels – und wir bewegen uns leider schon darüber – werden auf einem kleinen Anteil von Waldflächen in Rheinland-Pfalz nur noch Sträucher und Büsche stehen. Andere Wälder werden Mittelmeer-Regionen gleichen. Überall wird es aber Lücken geben, die an den Menschen nicht spurlos vorübergehen“, sagt der Leiter des Kompetenzzentrums für Klimawandelfolgen.

Der Wald könne seine Klimaschutzfunktion als CO2-Speicher dann nicht mehr erfüllen, durch Bodenerosionen drohten Hangabrutsche in Steillagen, die ganze Siedlungen in Mitleidenschaft ziehen könnten, warnt Matthes.

Auch in der Region Trier melden Förster in Rheinland-Pfalz massive Schäden im Landschaftsbild. Sie bauen daher bereits am Wald der Zukunft, der nah an der Natur sein soll. Nur auf kleinen ausgewählten Flächen pflanzen Landesförster selber neue Bäume. Dabei setzen sie auf Arten wie Eiche, Buche, Weißtanne und auf internationale Sorten. „Der Ansatz ist richtig, weil wir erst in einem Jahrhundert wissen, welche Baumarten dem Klimawandel trotzen“, sagt Matthes. Bis dahin braucht es aber Nachschub für die Holzwirtschaft, an der 50 000 Arbeitsplätze im Land hängen. Kämpfen Betriebe derzeit mit Fichtenpreisen, die wegen Borkenkäfer-Schäden zwischen 2017 bis 2019 von 90 auf unter 40 Euro gefallen sind, könnte Holz bei anhaltender Dürre künftig knapp werden, sagt Landesforst-Leiter Jens Jacob.

Umweltministerin Ulrike Höfken (Grüne) sagt: „Wir sind erschrocken und bestürzt über die Folgen des Klimawandels.“ Die Eifelerin fordert von der Bundesregierung, ein weitreichenderes Klimapaket vorzulegen, um den Wald zu schützen.

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