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1500 Gläubige protestieren gegen Trierer Bistumsreform
„... dann, liebes Bistum, gute Nacht!“

FOTO: Friedemann Vetter
Trier. Im Streit um eine wahrscheinliche Auflösung der 887 Pfarreien im Bistum Trier sind die Fronten zwischen Reformbefürwortern- und -kritikern verhärtet. Von Rolf Seydewitz

Eigentlich sollte Triers Bischof Stephan Ackermann an diesem späten Samstagvormittag etwas anderes vorhaben. So war es jedenfalls im Vorfeld der Demonstration aus Kreisen des Generalvikariats kolpotiert worden. Doch um kurz vor Zwölf, mit Beginn der Protestaktion, kommt der 55-Jährige dann doch vom nahegelegenen Bischofssitz Richtung Domfreihof spaziert. Dort gesellt sich Ackermann zu dem bereits anwesenden Grüppchen seiner Weihbischöfe, Domkapitulare und Direktoren und verfolgt vom Rande aus mit mal interessiertem, mal skeptischem und mal amüsierten Blick das Geschehen auf der Bühne.

Dort singt ein Meckeler Chor stimmgewaltig „Komm Schöpfer Geist“, während kurz zuvor noch zwei Dutzend Klapperkinder, aus Richtung Hautmarkt kommend, mit ihren lauten, hölzernen Ratschen auf die Protestveranstaltung aufmerksam gemacht hatten. Was ist denn da los?, mag wohl mancher Tourist angesichts der ungewöhnlichen Aufmarsches rund um ein paar Marktbuden vor dem Trierer Dom gedacht haben.

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1500 demonstrieren gegen Bistumsreform FOTO:

Dort gibt es zwar immer mal wieder größere kirchliche Veranstaltungen, etwa die regemäßig stattfindenden Heilig-Rock-Tage. Aber dass es ein Zusammentreffen von katholischen Gläubigen ist, um gegen die Reformpläne des Bischofs zu protestieren, ist dann doch etwas Außergewöhnliches in der Geschichte von Deutschlands ältestem Bistum.

Ob Bischof Stephan Ackermann auch daran denkt, als er die Inschriften der zahllosen, in die Höhe gehaltenen Protestschilder, Plakate und Banner auf dem Domfreihof sieht? „Geht es nur um Geld und Macht. Dann, liebes Bistum, gute Nacht“, steht auf einem Schild zu lesen, „Wir wollen Eigenständigkeit“, auf einem anderen. Auf einem weiteren Plakat werden Ackermann und seine rechte Hand, Generalvikar Ulrich Graf von Plettenberg, direkt angesprochen: „Stephan &. Ulrich: Wieso 10 000 Engagierte entmündigen?“, bringt die Inschrift eine der größten Befürchtungen der Kritiker auf den Punkt. Wenn es nach dem 1. Januar 2020 nur noch 35 XXL-Pfarreien gibt, so die Prognose, werden sich viele Ehrenamtliche nicht mehr engagieren.

Um das zu verhindern, wollen die an diesem Tag vor dem Trierer Dom erschienenen 1500 Gäubigen aus allen Teilen des Bistums, dass die kleinen Kirchengemeinden auch unter dem Dach der von den Reform-Verantwortlichen etwas verniedlichend Pfarreien der Zukunft genannten Großpfarreien bestehen bleiben können. „Wir wollen unsere Kirche behalten“, sagt Anni Schmitz. Die Seniorin aus dem Eifelort Schönecken. steht mitten im Pulk der Protestierer und macht nicht den Eindruck, als habe sie in ihrem Leben schon an vielen Demonstrationen teilgenommen. „Mit welcher Geschwindigkeit und wie das vond en Bistumsverantwortlichen durchgezogen wurden“, kritisiert die Wolsfelderin Birgit Schmitt. Ihre Prognose: Das Ehrenamt werde aufgelöst. Mit besonders drastischen Worten bringt Josef Stöber aus Messerich bei Bitburg seinen Unmut auf den Punkt: „Was die da planen, ist größenwahnsinnig“, meint der gläubige Katholik.

Die Adressaten halten an diesem Tag eifrig dagegen. Besser gesagt: Sie versuchen es. Die mit Namensschildern ausgestattete Direktorenriege des Bistums verteilt unter den Vorbeikommenden ein doppelseitig bedrucktes DIN-A4-Blatt, auf dem die zentralen Behauptungen der Kritiker mit Gegenargumenten gekontert werden. „Fakten-Check“, ist das Blatt überschrieben.

„Fakt ist“, sagt eine Demonstrantin, die ihren Namen nicht nennen will, „dass meine Pfarrei bald nicht mehr existiert.“ Derweil stellt der saarländische Landrat Udo Recktenwald vorne auf dem Podium die Frage, warum das Bistum eigentlich mit dem Sparen nicht oben anfange. Triers Bischof Stephan Ackermann, der die Frage beantworten könnte, steht währenddessen mit verschränkten Armen nicht weit von dem CDU-Politiker entfernt und schmunzelt.

Eine gute halbe Stunde später wird Ackermann einem knappen Dutzend Journalisten erklären, dass das Bistum an seiner Reform und dem Zeitplan festhalten werde. Für diesen Fall haben die Kritiker der Initiative Kirchengemeinde vor Ort bereits angekündigt, dass sie vor Gericht ziehen werden. Hört sich so an, als wäre das Tauziehen um die Zukunft der 887 Pfarreien im Bistum Trier noch nicht beendet.