5000 Haftbefehle in Rheinland-Pfalz nicht vollstreckt, auch Mörder auf freiem Fuß

Kostenpflichtiger Inhalt: Kriminalität : Über 100 Schwerverbrecher im Land auf freiem Fuß

In Rheinland-Pfalz sind über 5000 Straftäter auf freiem Fuß, weil Haftbefehle gegen sie nicht vollstreckt worden sind. Unter den Gesuchten sind auch über 100 Schwerverbrecher.

Laut Landeskriminalamt (LKA) gibt es derzeit in Rheinland-Pfalz über 5000 nicht vollstreckte Haftbefehle. Darunter auch 103 nicht vollstreckte Haftbefehle gegen Kapitalverbrecher, also Mörder, Räuber oder Geiselnehmer. „Bei Verbrechen dieser Art greift die Polizei stets zu besonders intensiven Fahndungsmaßnahmen“, sagt eine Sprecherin des Landeskriminalamtes (LKA).

190 der offenen Haftbefehle beziehen sich nach Behördenangaben auf Drogendelikte. Darunter sind zahlreiche sogenannte Vollstreckungshaftbefehle wegen nicht bezahlter Geldstrafen oder Bußgelder. Würden die fälligen Beträge gezahlt, könnte die Verhaftung abgewendet werden. Allerdings: „Die Fahndung nach untergetauchten Personen ist eine ständige Herausforderung für die Polizei“, sagt die Sprecherin. Polizeikräfte im ganzen Land würden mit der Suche nach den Gesuchten beauftragt.

Doch dafür fehlt es nach Ansicht von Bernd Becker, Landes-Vize der Gewerkschaft der Polizei, an Personal. Mit mehr Polizisten sei eine „noch konsequentere Wahrnehmung dieser Aufgabe“ möglich. Er warnt allerdings davor, die hohe Zahl der nicht vollstreckten Haftbefehle zu dramatisieren.

Thomas Albrecht, Oberstaatsanwalt in Trier und Landesvorsitzender des Deutschen Richterbundes spricht von einem „Vollstreckungsdefizit von richterlichen Entscheidungen“. „Es ist frustrierend für die Richter und Staatsanwälte, wenn sie erfahren, dass ihre Arbeit nicht konsequent umgesetzt wird“, sagt Albrecht.

Mehr von Volksfreund