Absturz F 16 in der Eifel, Suche nach der Unglücksursache dauert Monate

Unglücksursache noch unklar : Der Tag nach dem Absturz des Kampfjets

Die Suche nach der Unglücksursache könnte Monate dauern. Kritiker fordern ein Ende von militärischen Übungsflügen und unabhängige Boden- und Wasseruntersuchungen.

Der Wald entlang der Kreissstraße 34 Richtung Zemmer-Rodt ist militärisches Sperrgebiet. Die Bundeswehr sichert das Gelände, auf dem am Dienstagmittag eine amerikanische F-16 abgestürzt ist mit rund 50 Soldaten. Damit soll sichergestellt werden, dass die US-Spezialisten, die seit Dienstagabend die Absturzstelle und die dort, in dem unwegsamen Waldgelände, verstreuten Wrackteile untersuchen, ungestört arbeiten könnten, sagte ein Bundeswehrsprecher. Es sei üblich, dass nach einem Absturz eines Militärflugzeugs, egal zu welcher Nation es gehöre, in Deutschland die Bundeswehr das betroffene Gebiet sichere. Und das solange, bis alle Wrackteile samt des zerschellten Flugzeuges geborgen seien. Das könnte im Fall des Kampfjets, der am Dienstag zusammen mit anderen von der nahe gelegenen US-Airbase Spangdahlem gestartet war, noch mehrere Tage dauern, so der Bundeswehrsprecher. Er betonte, dass die Hoheit für das Sperrgebiet bei der Bundeswehr liege. Die Sicherheitsbereich diene auch dem Schutz der Bevölkerung.  „Es können scharfkantige Wrackteile im Wald liegen oder möglicherweise noch von den Bäumen herunterfallen.“ Derzeit bestehe keine Gefahr für die Bevölkerung, sagte der Sprecher der Feuerwehr Trier-Land, Christian Otto gestern Nachmittag. Die Teile sollen mehrere hundert Meter im Wald verstreut liegen. Das Flugzeug hat bei dem Absturz mehrere Bäume gestreift und eine lange Schneise geschlagen. Laut einer Sprecherin der US-Airbase Spangdahlem wird es wohl Monate dauern, bis die genaue Absturzursache feststehe. Die Untersuchung des Flugzeugwracks liege in den Händen des US-Militärs, sagte der Bundeswehrsprecher. Sollte Bedarf nach Unterstützung deutscher Behörden bestehen, würde diese selbstverständlich gewährt.

Die Spezialisten des US-Militärs seien in Schutzkleidung rund um die Absturzstelle unterwegs, so der Bundeswehrsprecher. Das könnte daraufhin deuten, dass bei dem Absturz neben Kerosin auch das hochgiftige Hydrazin ausgetreten sein könnte.

„Der hochgiftige Treibstoff, der beim Absturz in die Umwelt gelangen kann, wird über kurz oder lang die eh schon hohe Belastung der Bevölkerung mit krebs­erre­gen­den Emis­sionen weiter erhöhen“, warnt Markus Pflüger von der Arbeitsgemeinschaft Frieden in Trier. Er weist daraufhin, das möglicherweise die Einsatzkräfte der Feuerwehr, die kurz nach dem Absturz an der Unglücksstelle waren und das brennende Wrack gelöscht haben, keine entsprechende Schutzkleidung getragen haben könnten und sich damit möglicherweise einer Gefahr durch das austretende Kerosin oder Hydrazin ausgesetzt haben könnten.

Fakt ist: Das Absturzgebiet liegt in einem Trinkwasserschutzgebiet. Der Winterbach fließt durch den Wald. Es gibt Trinkwasserbrunnen dort. Man hoffe nicht, dass diese verseucht worden seien, sagte der Bundeswehrsprecher. Es habe bislang keine Veranlassung gegeben, die umliegende Bevölkerung vor dem Verzehr von Trinkwasser zu warnen. Allerdings lagen bis gestern Nachmittag noch keine Ergebnisse der Boden- und Gewässerproben vor, die sowohl von einem Gefahrstoffmesstrupp der Bundeswehr, der Gewässeraufsicht und dem US-Militär rund um die Absturzstelle genommen wurden. Wann die Laboruntersuchungen abgeschlossen seien, konnte gestern keiner der Verantwortlichen an der Absturzstelle sagen. Luftmessungen durch den Gefahrstoffzug Trier-Saarburg am Dienstagabend hätten keine erhöhten Werte ergeben, so Feuerwehrsprecher Otto.

Die Bundeswehr hat das Waldstück zu militärischem Sperrgebiet erklärt und ist mit der Bergung beschäftigt. Außerdem wurden Gewässerproben entnommen, um festzustellen, ob das Trinkwasser belastet ist. Foto: Florian Blaes
Ein US-Kampflugzeug vom Typ F-16 Falcon ist am Dienstag während eines Trainingsfluges nahe Trier abgestürzt. Foto: dpa/Boris Roessler

„Wir fordern unabhängige Messungen und Untersuchung des Flugzeug­absturzes – auch um mögliche Vergiftungen und Kontaminationen aufzuklären“, verlangt Pflüger. Er fordert auch ein Ende „dieser unverantwortlichen und gefährlichen Militärübungsflüge“. Damit ist er nicht allein. Auch Patrick Fey, Vorstandsmitglied der Bürgerinitiative gegen Fluglärm, Bodenlärm und Umweltverschmutzung mit Sitz in Kaiserslautern, warnt vor den Gefahren solcher Flüge über bewohnten Gebieten. Auch der am Dienstag abgestürzte Kampfjet sei nur wenige Sekunden von einem Wohngebiet entfernt gewesen. Es sei nur eine Frage der Zeit, bis eine solche Maschine über bewohntem Gebiet niedergehe, sagte Fey unserer Zeitung. Die Bürgerinitiative will mittels eigener Radargeräte beobachtet haben, wie sich die F-16 am Dienstag kurz vor dem Absturz von den übrigen mit ihr über dem Saarland, der Pfalz und dem Hunsrück fliegend Kampfjets absetzte und in Richtung Eifel abdrehte. Die anderen Maschinen sollen weiter vom Saarland aus Richtung Westpfalz geflogen sein. Gleichzeitig will die Bürgerinitiative  ein Signal des kurze Zeit später abgestürzten Kampfjets empfangen haben, das auf Schwierigkeiten mit der Maschine hingewiesen haben soll.

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