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Ackermann: Hilflose, Arme und Kranke nicht übersehen

Ackermann: Hilflose, Arme und Kranke nicht übersehen

In seiner Karfreitagspredigt im Trierer Dom hat der designierte Oberhirte von Trier, Weihbischof Stephan Ackermann, dazu aufgerufen, Arme und Kranke Menschen nicht aus den Augen zu verlieren.

Weihbischof Ackermann erinnerte in seiner Predigt an das Schicksal des von Jesus geheilten blinden Bettlers Bartimäus, über den im Markusevangelium berichtet wird. Jesus habe Bartimäus nicht nur das Augenlicht geschenkt, sondern ihn damit zugleich aus der Isolation befreit und in die menschliche Gemeinschaft zurück geführt. Und dann habe Bartimäus, wie es in einem zeitgenössischen Gedicht heiße, erleben und sehen müssen, dass Jesus durch die Hand anderer Menschen getötet werde. „Musste ich meine Blindheit verlieren, um das zu sehn?“, zitierte der Weihbischof eine Frage aus dem Gedicht, um sie mit einem deutlichen „Ja“ zu beantworten. „Leider gehören auch die dunklen, die grausamen, die unmenschlichen Dinge zur Wirklichkeit dieser Welt. Sehen zu können, heißt: die ganze Wirklichkeit dieser Welt in den Blick zu nehmen, nicht nur die ausgewählten, die ansprechenden, die sauberen, die Vorzeige-Seiten! Sehen heißt, bereit sein, alles zu sehen“, sagte der Weihbischof.

Auch heute würden die Menschen die Versuchung kennen, wegzuschauen, sich blind zu stellen und so zu tun, als sähen sie nicht, wie Menschen um sie herum an einer Krankheit leiden, wie Menschen um sie herum verzweifelt sind, wie Menschen um sie herum keinen Ausweg aus ihrer Krise finden, wie Menschen um sie herum einander wehtun und wie sie auch selbst anderen Menschen wehtun. „Wir können sehen, und doch müssen auch wir von Jesus geheilt werden, damit wir klarer sehen, damit wir den Mut haben nicht wegzuschauen, sondern hinzuschauen und so die Welt und die Menschen in uns hineinzulassen, an unser Herz zu lassen“, sagte Weihbischof Ackermann. Wichtig sei es aber, nicht nur „klarer und nüchterner, sondern auch tiefer“ zu sehen. „Wir wollen mit unserem Blick nicht im Schandmal des Kreuzes hängen bleiben. Nein, wir möchten Augen haben für die verborgene Herrlichkeit des Kreuzes, damit wir sehen, was der Herr in seiner übergroßen Liebe an uns getan hat.“