Ärger um das Turbo-Abitur lässt Mainz kalt

Lehrpläne straffen oder Hausaufgaben streichen: Das Turbo-Abitur sorgt wegen Klagen über Schulstress bundesweit für Ärger. In Rheinland-Pfalz startet das schnelle Abi im Sommer: aber nur an Ganztags-Gymnasien.

Mainz. (win) Längere Schultage, dichterer Unterrichtsstoff – das führt nach Erfahrung von Joachim Klesen zu verstärktem Schulstress. Es gebe mehr Druck, sagt der Elternsprecher für die saarländischen Gymnasien und selbst betroffene Familienvater. Er ist für das nur noch achtjährige Gymnasium (G8), das im Saarland bereits 2001 startete. Aber die Rahmenbedingungen müssten stimmen. Doch dies scheint in vielen Ländern, die inzwischen folgten, nicht der Fall.

Nun wird vor allem von CDU-Bildungspolitikern hektisch über Korrekturen nachgedacht, während sich die rheinland-pfälzische Kultusministerin Doris Ahnen (SPD) in ihrem vorsichtigen Einstieg bestätigt sieht. Das G8 soll den rascheren Weg zu Studium oder in den Beruf ebnen. Nach zwölf statt bislang 13 Schuljahren winkt die Hochschulreife. Vor allem im Mittelstufen-Bereich wird die Wochenstundenzahl auf bis zu 35 hochgefahren, um ein Jahr einzusparen.

Doch die in den meisten Ländern offenbar überstürzte Schulreform steht nun in der Kritik. „Da wurde ein Schnellschuss von oben verordnet ohne zum Ende zu denken, und jetzt wird zurückgerudert“, kritisiert Bundeselternrats-Vorsitzender Dieter Dornbusch. Kinder klagen über zu viel Unterricht und Hausaufgaben und zu wenig Freizeit. Auch die Nachhilfe hat zugenommen. Nun kürzt Hessen am Unterricht, das Saarland will Lehrpläne straffen und Baden-Württemberg überlegt, Stunden in naturwissenschaftlichen Fächern zu streichen. Eine Arbeitsgruppe der Kultusministerkonferenz wertet derzeit die G8-Erfahrungen der Länder aus.

„Dieser Aktionismus zeigt, dass wir in Rheinland-Pfalz einen absolut vernünftigen Weg gehen“, sagt Ahnen dem TV. Die Schwierigkeiten waren aus ihrer Sicht absehbar. Sie ist überzeugt, dass eine Schulzeitverkürzung nur mit pädagogischem Konzept im Rahmen der Ganztagsschule funktioniert. Nach den Sommerferien sollen erst einmal landesweit neun ausgewählte Gymnasien mit dem G8 beginnen, darunter das Friedrich-Spee-Gymnasium in Trier. Unterricht, Pausen, Lernzeiten und Arbeitsgemeinschaften werden über den Tag verteilt, sagt Schulleiter Herman Bous. Der Wechsel von Lernen und Entspannen sei das A und O.

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