Trier : Ärzte ärgern sich über ein „schwachsinniges“ Gesetz

Trier : Ärzte ärgern sich über ein „schwachsinniges“ Gesetz

Beim Neujahrsempfang der Bezirksärztekammer kritisiert deren Vorsitzender heftig den Bundesgesundheitsminister.

Es sind vier Buchstaben, die Walter Gradel massiv ärgern: TSVG. Terminservice- und Versorgungsgesetz. Der Vorsitzende der Bezirksärztekammer Trier nutzt den traditionellen Neujahrsempfang der Einrichtung im Trierer Ärztehaus, um vor den rund 200 geladenen Gästen – darunter die Landräte Günther Schartz (Trier-Saarburg) und Joachim Streit (Eifelkreis Bitburg-Prüm), der AfD-Landtagsabgeordnete Michael Frisch sowie Geschäftsführer regionaler Krankenhäuser – über den ungeliebten Vorschlag des Bundesgesundheitsminister Jens Spahn (CDU) zu schimpfen. Dieser will mit dem Gesetz die Sprechstundenzeiten der Ärzten erweitern und so Patienten ermöglichen, innerhalb kurzer Zeit einen Termin bei einem niedergelassenen Arzt zu bekommen.

Mit dem Gesetz, das Gradel als „völlig schwachsinnig“ bezeichnet, unterstelle Spahn den Ärzten, dass sie zu wenig arbeiteten. Und den Patienten werde vorgegaukelt, dass die Politik etwas für eine bessere medizinische Versorgung tue.

Die Ärzte arbeiteten bereits am Limit, die Sprechstundenzeiten könnten nicht einfach verlängert werden. Gradel: „Wir haben keine Zeit, zusätzliche Leistungen zu erbringen.“ Die Ärzte dürften nicht verheizt werden. Das führe dazu, dass es immer weniger junge Ärzte gebe, die sich in einer eigenen Praxis niederlassen wollten.

Bereits jetzt gebe es einen massiven Ärztemangel. „Wir steuern in der Region auf eine Versorgungskatastrophe zu“, sagte Gradel, der seine Rede auch dazu nutzte, um gegen Populismus á la US-Präsident Donald Trump zu sprechen. Deutliche Kritik übte er auch am AfD-Vorsitzenden Alexander Gauland, der den Nationalsozialismus einen Vogelschiss in der deutschen Geschichte genannt hat.

Zum Abschuss des offiziellen Teils wurde der Trierer Kardiologe Karl-Eugen Hauptmann mit der Simon-Reichwein-Plakette ausgezeichnet. Damit ehrt die Bezirksärztekammer jedes Jahr Mediziner für ihre Verdienste und erinnert damit an den um 1501 geborenen ehemaligen Trierer Stadtarzt Simon Reichwein. Der Kardiologe Hauptmann erhielt die Auszeichnung für den Aufbau der Kardiologie und Herzchirurgie im Trierer Brüderkrankenhaus. Unter Hauptmann wurde dort 1989 die erste Herzkatheteruntersuchung in Trier durchgeführt und kurze Zeit später der erste herzchirurgische Eingriff.

Traditionell geehrt werden beim Neujahrsempfang der Ärzte auch die Mediziner, die vor 50 Jahre ihre Doktorarbeit geschrieben habebn. Die goldene Doktorurkunde erhielten in diesem Jahr: Wieland Scholz (Hermeskeil), Heinz Wegerhoff (Morscheid), Ingrid Aboulkhair-Kaiser (Mertesdorf), Wulf-Eberhard Frech (Wittlich), Franz-Peter Teusch (Trier), Fritz Oschkinat (Neumagen-Drohn), Gangolf Becker (Trier), Dirk Brachtel (Trier), Gerda Briedis (Prüm), Werner Kraus (Wittlich), Wilhelm Oberholz (Wittlich), Robert Arndt (Trier), Dieter Hermann (Geroltein) uns Erdal Behzat Dogan (Schönecken).

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