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Ärzte fordern mehr Kontrollen - Vorsorge-Untersuchungen bald Pflicht?

Ärzte fordern mehr Kontrollen - Vorsorge-Untersuchungen bald Pflicht?

Die Ärzte schlagen Alarm: Um Misshandlungen von Kindern zu verhindern, soll die Zahl der Vorsorge-Untersuchungen erhöht werden. Das fordert der Trierer Ärztefunktionär Carl-Heinz Müller.

Trier. (wie) Die Horrormeldungen reißen nicht ab: In einer Lüneburger Wohnung ist am Montagnachmittag ein toter Säugling gefunden worden, vermutlich von seiner Mutter erdrosselt. Ein schwer misshandeltes 22 Monate altes Mädchen aus dem nordrhein-westfälischen Rhede schwebt weiter in Lebensgefahr. Verdächtigt wird der 22-jährige Lebensgefährte der Mutter.

Das sind nur zwei Beispiele aus den vergangenen Tagen. Die Ärzte schlagen Alarm: Mit zusätzlichen Vorsorge-Untersuchungen für Kinder wollen sie Kinder besser vor Misshandlungen schützen.

Der Trierer Allgemeinarzt Carl-Heinz Müller, Vorstandsmitglied der Kassenärztlichen Bundesvereinigung (KBV), fordert eine weitere Untersuchung zwischen dem zweiten und vierten Lebensjahr und zwei zusätzliche für Grundschulkinder. „Uns geht es um eine Verbesserung des Kinderschutzes“, sagt KBV-Sprecher Roland Stahl. Bei den zusätzlichen Untersuchungen der Kleinkinder sollen Ernährung, Verhalten und Sprache im Mittelpunkt stehen. Die Grundschüler-Untersuchungen sollen herausfinden, wie das Kind mit den schulischen Belastungen zu Recht kommt.

Müller will den Vorschlag demnächst den Krankenkassen vorlegen. Derzeit sind die Abstände zwischen den Vorsorge-Untersuchungen groß. Zwischen dem zweiten und vierten und den siebten und achten Lebensjahr sind keine vorgesehen. Viel Zeit, in der etwaige Misshandlungsspuren abheilen können.

Rund 15 Prozent der Kleinkinder in Deutschland werden nicht zu Vorsorge-Untersuchungen gebracht. Mit zusätzlichen Untersuchungen könnten Krankheiten und Auffälligkeiten verhindert werden, sagen die Kinderärzte. Sie fordern im Gegensatz zur KBV eine Vorsorgepflicht wie im Saarland. Dort sollen alle 40.000 Kinder unter sechs Jahren regelmäßig zum Arzt geschickt werden. Rheinland-Pfalz will künftig alle Eltern verbindlich zu den Vorsorge-Untersuchungen einladen. Folgen sie dem nicht, werden sie vom Gesundheitsamt geladen oder das Jugendamt schaltet sich ein.

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