Ärzte-Protest: Patienten müssen länger warten

Ärzte-Protest: Patienten müssen länger warten

Patienten müssen demnächst möglicherweise noch länger auf Termine bei Fachärzten warten: Aus Protest gegen zu geringe Honorare kündigen Hautärzte und niedergelassene Chirurgen an, weniger Patienten zu behandeln. Außerdem drohen niedergelassene Ärzte damit, nur noch gegen Vorkasse zu untersuchen.

Trier. (wie) Durch die zu Jahresanfang in Kraft getretene Honorarreform erhalten die Ärzte in Deutschland zwar drei Milliarden Euro mehr. Die neue Verteilung der Gelder sorgt aber dafür, dass einige Arztgruppen schlechter dastehen als zuvor. Während niedergelassene Ärzte in den neuen Bundesländern durchweg mehr Honorar erhalten, sind bei einigen Fachärzten in Rheinland-Pfalz die Einnahmen um bis zu 20 Prozent zurückgegangen - und das, obwohl für die rund 6500 niedergelassenen Ärzte im Land 100 Millionen Euro mehr Honorar zur Verfügung steht.

Die Hautärzte, die bereits in der vergangenen Woche aus Protest gegen zu niedrigere Honorare Kurzarbeit machten, kündigten nun an, ab April ihre Sprechzeiten auf die im Tarifvertrag vereinbarten 20 Stunden zu begrenzen. "Das führt unweigerlich zu deutlich längeren Wartezeiten", sagt Ralph von Kiedrowski, Vorsitzender des rheinland-pfälzischen Hautärzteverbandes. Die niedergelassenen Chirurgen wollen ab März nur noch operieren, wenn sichergestellt sei, dass die Krankenkassen auch die Kosten dafür übernehmen. Das könne dazu führen, dass Operationen verschoben würden, sagt Andreas Bartels, Vorsitzender des Landesverbandes Ambulantes Operieren. Die Honorare für ambulantes Operieren seien im Land seit Januar um 20 Prozent gefallen. "Raum-, Geräte- und Personalkosten sind höher als die von den Kassen gewährte Vergütung", kritisiert Bartels.

Die Reaktionen auf die Proteste fallen unterschiedlich aus: Bundesgesundheitsministerin Ulla Schmidt ist empört. Sollten Ärzte Patienten nur noch gegen Vorkasse behandeln, werde ihnen die Zulassung entzogen. Der Vorsitzende der Kassenärztlichen Vereinigung (KV) Rheinland-Pfalz, Günter Gerhard, zeigt Verständnis für den Protest. "Die Nerven liegen eben blank", sagt Gerhard. "Selbst wenn Ärzte Patienten nur mit Vorkasse oder Kostenerstattung behandelten, bekämen die Patienten eine Rechnung, die sie bei ihren Krankenkassen einreichen können." Kein Patient bleibe aber unbehandelt, sichert der KV-Chef zu.

Weniger Verständnis zeigt der Ersatzkassenverband Rheinland-Pfalz. Er fordert die KV auf, gegen protestierende Ärzte vorzugehen. "Es muss Schluss damit sein, den Honorarstreit auf dem Rücken der Patienten auszutragen", sagt Verbandschef Armin Lang.