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Ärztemangel: Land reagiert mit Frühwarnsystem

Ein Frühwarnsystem für Lücken in der medizinsichen Versorgung, bessere Arbeitsbedingungen und eine Nachwuchsoffensive sollen Ärztemangel auf dem Land verhindern. Hausärzte fordern eine neue Bedarfsplanung.

Mainz. (win) Monatelang wurde in der Eifelgemeinde Bleialf händeringend ein Hausarzt gesucht, drei Jahre wartete Landarzt Erdal Dogan aus Schönecken auf einen Nachfolger (der TV berichtete). Kaum sind diese Probleme gelöst, tun sich neue auf: So ist in Prüm eine Hausarztstelle unbesetzt, und in Kyllburg bereitet die Nachfolger-Suche in einer Praxis Schwierigkeiten.

Die Versorgung mit Hausärzten bleibt in ländlichen Gebieten wie Eifel, Hunsrück oder Westerwald also kritisch, sagt Burkhard Zwerenz, Arzt aus Prüm und Landesvorsitzender des Deutschen Hausärzteverbandes. Landesweit rund 20 Praxen sind nach seinen Angaben derzeit nicht besetzt oder tun sich mit einer Nachfolgeregelung schwer. Dass von 28 so genannten Planungsregionen im Land nur drei eine Versorgung unter 100 Prozent vermelden, gibt laut Zwerenz die Realität nur teilweise wider. Wenn beispielsweise im Landkreis Bitburg-Prüm von 100 Hausärzten die Hälfte in Bitburg und Prüm sitze, bleibe die lokale Versorgung auf dem flachen Land auf der Strecke, moniert der Allgemeinsmediziner.

Er fordert deshalb kleinere Planungsregionen und die Steuerung der Ärzteverteilung zwischen Ballungsräumen und ländlichen Regionen über finanzielle Anreize bei der Vergütung. Gesundheitsministerin Malu Dreyer bestreitet nicht, dass es in einigen Regionen schwieriger wird, freie Hausarztpraxen wieder zu besetzen. Um die flächendeckende Versorgung sicherzustellen, soll künftig mit einem Frühwarnsystem bereits bei drohenden Lücken gegengesteuert werden.

In einem gestern in Mainz vorgelegten Konzept haben Ministerium, Kassenärztliche Vereinigung, Landesärztekammer und Hausärzteverband sich zudem darauf veständigt, mit besseren und familienfreundlicheren Arbeitsbedingungen, einer verstärkten Nachwuchs- und Imagekampagne und finanziellen Anreizen in unterversorgten Gebieten den Beruf des Haus- und vor allem des Landarztes attraktiver zu machen.

Probleme mit der ärztlichen Versorgung können sich nach Einschätzung von Ärztekammer-Präsident Frieder Hessenauer verschärfen, wenn sich in den nächsten fünf bis zehn Jahren jeder fünfte Hausarzt aufs Altenteil zurückzieht.