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Airlines verjagen Trophäenjäger

Der CDU-Politiker und Jäger Michael Billen hält den Trophäen-Boykott der Fluggesellschaften für Populismus.
Der CDU-Politiker und Jäger Michael Billen hält den Trophäen-Boykott der Fluggesellschaften für Populismus. FOTO: picture alliance / dpa / Harald Tittel
Trier. Künftig könnte es für Waidmänner schwieriger werden, im Ausland erlegte und präparierte Wildtiere zu transportieren.

Wer als passionierter Jäger gerne mal in Afrika, Alaska oder Asien etwas erleben und erlegen will, der muss nach Angeboten nicht lange suchen. Im Internet bieten Hunderte Veranstalter „die schönsten Jagdreisen in ferne, unbekannte Länder oder auf dem heimischen Kontinent an“, wie es in einer Eigenwerbung heißt. Da spielt es auch keine Rolle, ob sich der Waidmann für die „Jagd auf gefährliches Großwild“ interessiert oder eher „die Pirsch auf das kleine Dik-Dik“ bevorzugt – die Jagdreise-Veranstalter bieten für jeden Geschmack und Geldbeutel etwas.

Wer etwa in Namibia einen Schakal erlegen möchte, muss dafür nur schlappe 20 Euro berappen; während für eine Giraffe 1900 Euro fällig werden. Hinzu kommen natürlich noch Reise- und Übernachtungskosten sowie diverse Extras.

Um zu unterstreichen, dass die Tiere den Reisenden auch wirklich vor die Flinte kommen, sind auf vielen Jagdreiseseiten zufrieden dreinblickende Jäger mit dem von ihnen erlegten Wild zu sehen. Wem ein Foto des Jagderfolgs nicht ausreicht, lässt sich anschließend die Jagdtrophäe nach Hause schicken.

Das aber könnte in Zukunft schwieriger werden. Denn immer mehr Fluggesellschaften weigern sich, Jagdtrophäen zu transportieren. Erst diese Woche schloss sich das luxemburgische Luftfrachtunternehmen Cargolux dem Boykott an. Zur Begründung verwies Geschäftsführer Richard Forson auf die „ethischen Verpflichtungen und Richtlinien des Unternehmens“. Cargolux engagiere sich für den Aufbau eines nachhaltigen Geschäftsmodells, so Forson, und dazu gehöre der Schutz der Umwelt und ihrer natürlichen Ressourcen. Zudem habe sich sein Unternehmen dem Tierschutz verpflichtet, der nicht nur beim Transport lebender Tiere und für den Schutz gefährdeter Arten gelte.

Vor Cargolux hatten schon ein Dutzend anderer Fluggesellschaften öffentlich erklärt, keine Jagdtrophäen mehr zu transportieren. Lufthansa hatte schon vor einem Jahr bekanntgegeben, aus Afrika keine Jagdtrophäen mehr zu befördern. „Wir reagieren damit auf explizite öffentliche Meinungsäußerungen vieler unserer Kunden“, sagte seinerzeit ein Lufthansa-Sprecher zur Begründung.

Doch längst nicht alle Kunden der Kranich-Airline fanden die Entscheidung gut. Besonders unter den Jägern gab es etliche, die ihrem Unmut danach freien Lauf ließen und erklärten, künftig lieber mit anderen Fluggesellschaften zu fliegen. „Hätte man sich mit der nachhaltigen Jagd in Afrika sorgfältig beschäftigt, hätte man gesehen, dass sie ohne Wenn und Aber der lokalen Bevölkerung, den wirtschaftlich schwachen Staaten und auch dem Schutz des lokalen Wildes dient“, schreibt etwa ein Kritiker auf einer Diskussionsseite im Internet.

Ähnlich argumentiert auch der rheinland-pfälzische Landesjagdverband. „Wenn bei der Auslandsjagd nachhaltige Ziele verfolgt werden, ist nichts dagegen zu sagen“, argumentiert Verbandssprecher Günther D. Klein. Er verweist darauf, dass die Großwildjagd strengen Regeln unterliege, bei denen der Schutz der Tiere und das biologische Gleichgewicht eine wichtige Rolle spielten. Außerdem sei die Jagd gerade in afrikanischen Ländern eine Einnahmequelle, die auch Arbeitsplätze schaffe. Den von immer mehr Luftfahrtgesellschaften verkündeten Trophäen-Boykott nimmt der Landesjagdverband gelassen. „Dann müssen sich die Jäger halt eine Airline suchen, die ihre Trophäen transportiert“, sagt Sprecher Günther Klein.

„Ich bringe meine Trophäen heim. Wenn nicht mit Cargolux, dann mit Air Namibia oder einer anderen Gesellschaft“, meint der Eifeler CDU-Landtagsabgeordnete Michael Billen, der selbst passionierter Jäger ist und auch schon mehrmals in Afrika auf die Jagd gegangen ist. Billen verweist darauf, dass etwa Namibia den Jagdtourismus gezielt fördere. „Man darf dort auch keine gefährdete Art schießen, nur freigegebene Tiere wie Oryx- oder Kudu-Antilopen oder hin und wieder mal einen Problemlöwen.“ Für Billen, der auch jagdpolitischer Sprecher seiner Fraktion ist, sind die Erklärungen der Fluggesellschaften deshalb „reiner Populismus“.

Auch die Bundesregierung steht der Einfuhr von Jagdtrophäen nicht ablehnend gegenüber. In einem vor einem Jahr veröffentlichten Hintergrundpapier zum Thema heißt es: Die Regierung setze nicht auf ein pauschales Importverbot, weil dieses fachlich nicht gerechtfertigt sei, aber auch um Schutzprojekte nicht zu gefährden, die auf Einnahmen aus Jagdtrophäen angewiesen seien.

Derweil bieten im Internet Firmen ihre Dienste an, die sich auf den weltweiten Trophäentransport samt aller Genehmigungen spezialisiert haben. Das Motto eines dieser Unternehmen dürfte zahlungskräftige Kundschaft in Boykottzeiten beruhigen: „Sie schießen, wir holen’s ab!“