1. Region

Aktuelle Infektionslage: Wie sieht die Situation der Region Trier aus?

Kostenpflichtiger Inhalt: Statistik : Aktuelle Zahlen: So ist die Infektionslage in der Region Trier

Derzeit ist die Zahl der Corona-Fälle in der Region noch vergleichsweise niedrig. Experten gehen aber davon aus, dass der Höhepunkt noch bevorsteht.

36 508 steht oben in blauer Schrift auf der Internetseite. Darunter in Orange: „+4954“. Daneben die Zahlen 198 und „+49“. Die beiden letzten Zahlen geben an, wie viele Menschen in Deutschland bis Mittwochabend an der durch das Coronavirus verursachten Lungenkrankheit Covid-19 gestorben sind. Es sind Zahlen, die das für die Gesundheitsüberwachung in Deutschland zuständige Robert Koch-Institut (RKI) täglich um Mitternacht aktualisiert und auf dem Covid-19-Dashbord präsentiert – aufgeschlüsselt nach Bundesländern und Landkreisen.

Es ist vor allem eine Zahl, auf die derzeit die meisten schauen. Die Zahl in Orange. Sie zeigt den Anstieg der Neuinfektionen innerhalb eines Tages. Wenn sie abflacht und nicht mehr weiter deutlich steigt, dann könnte das ein Zeichen dafür sein, dass die strengen Ausgangsbeschränkungen und Kontaktsperren Wirkungen zeigen.

Dass sich also nicht mehr so viele Menschen mit dem Coronavirus infizieren. In jeder Pressekonferenz wird RKI-Präsident Lothar Wieler gefragt, wann er es für gerechtfertigt hält, die Maßnahmen zu lockern. Seine Antwort immer die gleiche: Er wisse es nicht. Und: „Wir stehen erst am Anfang der Epidemie.“ Bundesgesundheitsminister Jens Spahn (CDU) sprach gestern von der „Ruhe vor dem Sturm“.

Ob der Sturm kommt, wie stark er wird – darauf will sich derzeit keiner festlegen. „Keiner weiß was, in vier oder acht Wochen sein wird“, sagt auch der Trierer Facharzt für Mikrobiologie, Ernst Kühnen. Er geht davon aus, dass auch in der Region die Zahl der Neuinfektionen weiter steigen wird. Womöglich aber moderater als andernorts. Ein Blick auf das RKI-Dashbord zeigt, dass die Zahl der Corona-Fälle in der Region im deutschlandweiten Vergleich niedrig ist. Auf 100 000 Einwohner gerechnet liegt Trier mit knapp 20 Fällen deutlich unter dem Bundesschnitt von 44. In Hamburg sind es 69, in Mecklenburg 15.

Es werde auch in der Region noch weitere Neuinfektionen geben, sagt Kühnen. Wie diese Steigerung ausfällt, wie viele schwer Erkrankte es geben wird, ob es womöglich doch noch Tote hier geben wird, dass kann er nicht sagen. Er vermutet aber, dass die Sterberate in der Region vergleichsweise niedrig sein könnte. Wenn sich alle weiterhin an die Ausgangsbeschränkungen und das weitgehende Kontaktverbot halten.

Wenn man die Reduzierung der sozialen Kontakte nicht aufrechterhalte, dann könne eine zweite Epidemie ausbrechen, heißt es in einer Modellrechnung an der verschiedene Wissenschaftler, unter anderem der Trierer Volkswirt Jan Pablo Burgard, mitgearbeitet haben (der TV berichtete). Interessant an dieser Modellrechnung: Ohne Eindämmungsmaßnahmen, wenn man die Infektionswelle also einfach laufen lassen würde, oder bei zu laschen Beschränkungen, wären nur 15 Prozent der Bevölkerung gegen das Coronavirus immun, eine Mehrheit würde sich bei einer zweiten Infektionswelle erneut infizieren und der Kollaps des öffentlichen Gesundheitswesens drohe.

Man dürfe nun nicht locker lassen, was die Maßnahmen angehe, sagt auch Rolf Mahlberg. Er ist Leiter der Infektiologie im Trierer Mutterhaus. Dass die Ausgangsbeschränkungen nach Ostern gelockert werden, hält der Internist für illusorisch. Zumal nicht klar sei, wie hoch die Dunkelziffer bei den Infizierten sei. Wie viele also das Virus in sich tragen, ohne Symptome zu zeigen und ohne zu erkranken.

Er glaubt, dass auf jeden Infizierten zehn kommen, die gar nicht wüssten, dass sie infiziert sind, aber trotzdem andere anstecken könnten. Das würde bedeuten, dass die tatsächliche Zahl derjenigen, die sich mit dem Virus angesteckt haben, in der Region deutlich höher ist, als die täglich von den Gesundheitsämtern gemeldeten Fälle. Wenn die Maßnahmen zu früh gelockert oder gar aufgehoben würden, dann könnte das, so Mahlberg, auch in der Region zu rasch steigenden Fallzahlen führen.

Zwar kann er sich die derzeit vergleichsweise weniger dramatische Situation in den vier Landkreisen und der Stadt mit der ländlichen Struktur erklären. Doch mit Blick auf Luxemburg, wo die Zahlen der Corona-Fälle täglich deutlich steigen, habe er erwartet, dass es auch in der Region wegen der zahlreichen Grenzgänger mehr Infizierte gibt. Mahlberg vermutet, dass die Pendler kaum Kontakt mit Einheimischen im Nachbarland hätten, so dass sich nur wenige dort angesteckt haben.

Mahlberg geht davon aus, dass der Höhepuntk der Corona-Welle in der Region Mitte Mai kommen wird. Daher herrscht derzeit in den hiesigen Kliniken noch angespannte Ruhe. Die Zahl derjenigen, die sich auf das Virus testen lassen, scheint derzeit zurückzugehen. Gestern gaben die Trierer Kliniken Mutterhaus und Brüderkrankenhaus bekannt, dass die am Montag an den Start gegangene Test-Station im Trierer Mutterhaus vorerst in „Stand-By-Modus“ versetzt werde und es damit in Trier zunächst nur in Ehrang noch eine sogenannte Fieberambulanz geben werde.