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Weltbienentag am Sonntag
Plötzlich wollen alle Politiker die Bienen schützen

FOTO: dpa / Stephanie Pilick
Trier. Das Insekt ist für die Landwirtschaft enorm wichtig. Am Sonntag ist erstmals Weltbienentag. Von Katharina De Mos

Die Sorge um die heimische Insektenwelt – insbesondere um die Bienen – treibt längst nicht mehr nur Imker und Naturschützer um, sondern auch viele Bürger und Politiker aller Couleur. Von den 561 Wildbienenarten in Deutschland stehen mehr als die Hälfte auf der roten Liste. „Die Vielfalt dieser besonders wichtigen Bestäuber-Gruppe ist also bedroht“, fasst das Bundesamt für Naturschutz zusammen. Ursachen seien unter anderem intensive Grünland- und Ackernutzung.

Anders sieht es bei der Honigbiene aus, die der Mensch züchtet. Die Zahl der Völker steigt. „Es gibt einen extremen Zuwachs bei den Imkern“, erklärt Norbert Backes, Vorsitzender des Imkerverbands Trier-Saarburg. Er führt dies auch darauf zurück, dass viele inzwischen für die Bienenproblematik sensibilisiert seien. Ähnliches berichtet Ralf Schröder vom Bitburger Kreisverband, der sich über viele neue Mitglieder freut. Beide warnen aber dringend davor, sich einfach Bienen zu kaufen und loszuimkern. „Man kann ganz viel falsch machen“, sagt Schröder. Insbesondere, wenn man nicht weiß, wie die Varroamilbe zu bekämpfen ist. Ein Schädling, dem jeden Winter ein Zehntel der Honigbienen zum Opfer fällt – oder mehr.

Wie wichtig Bienen für das Ökosystem und die Landwirtschaft sind, soll auch der Weltbienentag am Sonntag, 20. Mai, unterstreichen. Die Vereinten Nationen haben diesen nun zum ersten Mal ausgerufen. Bundeslandwirtschaftsministerin Julia Klöckner verweist auch auf den volkswirtschaftlichen Nutzen der Tiere: 80 Prozent der Nutz- und Wildpflanzen seien auf Bienen als Bestäuber angewiesen. In Euro umgerechnet gehe es in Deutschland um zwei Milliarden jährlich. „Was den Bienen schadet, schadet uns allen“, sagt die CDU-Politikerin, deren Zustimmung dazu beigetragen hat, dass die EU Pflanzenschutzmittel verbietet, die Neonikotinoide enthalten. Stoffe, die Bienen schaden. Da dieses Verbot manche Bauern hart treffe, forsche man nun nach alternativen Mitteln, sagt Klöckner, die auch Privatleute dazu aufruft, auf Balkonen und in Gärten bienenfreundliche Pflanzen anzubauen.

Ohnehin hat sich die große Koalition den Schutz von Bienen und anderen Insekten auf die Fahnen geschrieben.  Weniger Chemie, mehr Hecken und Wildpflanzen und kleinere Felder sollen Insekten wieder mehr Raum zum Leben geben. „Wir erleben ein dramatisches Insektensterben, das die Natur aus dem Gleichgewicht bringt“, sagte Bundesumweltministerin Svenja Schulze (SPD), als sie Anfang Mai ihr „Aktionsprogramm Insektenschutz“ präsentierte. Dieses soll auch strengere Regeln für den Einsatz von Pestiziden und Dünger mit sich bringen.

Für Kommunen will die Regierung neue Anreize schaffen, an die Bedürfnisse von Insekten zu denken. Trier tut dies längst. Seit 2017 sorgen die „Rathausbienen“ – vier Völker mit über 100 000 Tieren – dafür, dass Gemüse und Obst, die die Stadt zum Mitnehmen anbaut, auch bestäubt werden. Laut Umweltberater Johannes Hill gibt es in Trier zudem  „Dombienen“, die im Bischofsgarten umherschwirren, und „Hotelbienen“, die rund um zwei große  Hotels Pollen sammeln.

„Die Biene ist für die Landwirtschaft eines der wichtigsten Nutztiere“, sagt Michael Horper, Präsident des Bauern- und Winzerverbands Rheinland-Nassau. Wie problematisch es für die Tiere geworden sei, habe man nicht erkennen können.