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Amokfahrt in Trier: Was bei der Tat und danach geschehen ist

Chronologie der Ereignisse : Die Amokfahrt von Trier: Viereinhalb Minuten, die eine Stadt traumatisieren

Den 1. Dezember 2020 werden die Menschen in Trier und Umgebung als Tag des Traumas in Erinnerung behalten. Ein Mann rast mit seinem Auto durch die Fußgängerzone - fünf Menschen werden getötet, ein sechstes Opfer stirbt später an den Folgen der Tat.

Es ist ein Dienstag um die Mittagszeit, ein Tag in der Vorweihnachtszeit. Menschen genießen ihre Mittagspause, besorgen Weihnachtsgeschenke oder bummeln durch die Geschäfte. Um 13.46 Uhr biegt ein Auto von der Konstantinstraße in die Fußgängerzone ein und beschleunigt, fährt kurz darauf einen Fußgänger an. Mit hoher Geschwindigkeit rast er weiter im Zickzackkurs durch die Innenstadt - in der Absicht, „möglichst viele Menschen zu töten oder zumindest zu verletzen“, heißt es später in der Anklageschrift. Einige Menschen können sich durch einen Sprung zur Seite retten. Der Fahrer setzt seine halsbrecherische Amokfahrt durch Trier fort, erfasst auf dem Hauptmarkt und in der Simeonstraße Passanten mit seinem SUV.

Insgesamt sechs Tote nach der Amokfahrt in Trier

Etwa viereinhalb Minuten dauert die Amokfahrt durch die Fußgängerzone. Fünf Menschen sterben am 1. Dezember 2020, darunter ein 45-jähriger Vater mit seinem neun Wochen alten Baby - die Mutter und der eineinhalbjährige Sohn werden verletzt. Auch drei Frauen im Alter von 25, 52 und 73 Jahren kommen ums Leben. Der Ehemann der 73-Jährigen kommt später ebenfalls zu Tode. Darüber informiert die Stadt Trier im Oktober 2021. Er war einer von 24 Menschen, die teils lebensgefährlich verletzt wurden. Demnach stand sein Tod im Zusammenhang mit den schweren Verletzungen, die er bei der Amokfahrt erlitten hatte. Hunderte Augenzeugen sind nach den Geschehnissen traumatisiert.

Sofort kümmern sich Passanten und Angestellte aus den Geschäften um die Opfer, während die Polizei nach Notrufen Amokalarm auslöst und die Verfolgung des Täters aufnimmt. Kurze Zeit später sichten Beamte in Zivil das mutmaßlich gesuchte Tatfahrzeug der Amokfahrt von Trier auf dem Parkstreifen in der Christophstraße, daneben steht rauchend der 51-jährige Fahrer Bernd W. aus Trier. Der Mann leistet heftigen Widerstand, doch nach wenigen Momenten haben die Polizeibeamten den Verdächtigen fixiert, er wird festgenommen und zur Vernehmung gebracht.

Großaufgebot sichert in Trier die Fußgängerzone ab

Ein Großaufgebot von Rettungskräften kümmert sich um die Opfer der Amokfahrt - überall in der Stadt ist Blaulicht zu sehen, ein Hubschrauber kreist über der Innenstadt. Fast 860 Angehörige von Rettungsdiensten, Polizei, Feuerwehr und Technischem Hilfswerk aus der Region und auch aus Luxemburg sind im Einsatz. Nach 25 Minuten sind alle Verletzten in Krankenhäusern, die OP-Säle räumen und sich personell und auf Basis der Notfallpläne auf zahlreiche Verletzte einstellen.

Die Fußgängerzone ist weiträumig abgesperrt und gesichert. Die Polizei bittet nach der Amokfahrt vorerst darum, den Bereich zu meiden - nicht zuletzt, weil eine zeitlang noch unklar ist, ob weiter Gefahr droht oder nicht. Die Schulen werden informiert, Schüler müssen länger in den Klassen bleiben, Kinder dürfen zunächst nicht allein nach Hause gehen. Sicherheitshalber werden weitere Polizeikräfte aus der ganzen Region und anderen Landesteilen zusammengezogen, darunter auch Spezialeinsatzkräfte, das Landeskriminalamt, Hubschrauberstaffel und Wasserschutzpolizei. Um 16.12 Uhr twittert die Trierer Polizei: "Wir haben aktuell KEINE Hinweise auf eine fortdauernde Gefahr." Dennoch bleibt die Fußgängerzone in Trier nach der Amokfahrt noch längere Zeit gesperrt.

Der Schock über das schreckliche Geschehen sitzt tief. Wenige Stunden danach: Menschen legen Blumen an der Porta Nigra und an den Stellen nieder, an denen Menschen kurz zuvor gestorben sind. Viele entzünden Kerzen und trauern gemeinsam in der Innenstadt.

Trier erhält nach der Amokfahrt große Anteilnahme

Oberbürgermeister Wolfram Leibe, der nach der Amokfahrt als einer der ersten vor Ort war, und die rheinland-pfälzische Ministerpräsidentin Malu Dreyer sind entsetzt und tief erschüttert. Bundespräsident Frank-Walter Steinmeier und Bundeskanzlerin Angela Merkel und viele weitere Politiker und Bürgerinnen und Bürger kondolieren. Die Anteilnahme ist groß, aus ganz Deutschland und vielen Nachbarländern erreichen die Stadt Trier in den Tagen nach dem schrecklichen Ereignis Worte des Trostes.

Viele Menschen versammeln sich am Abend des Amoklaufs im Dom zum ökumenischen Gebet, das Trost spenden soll nach der unfassbaren Tat. Die Glocken läuten zum Zeichen der Trauer - auch am nächsten Tag um genau 13.46 Uhr.

Täter steht nach der Amokfahrt vor Gericht

Zu seinem Motiv hat sich der Täter aus Trier im späteren Prozess nicht geäußert. Das Gericht musste auch über seine Schuldfähigkeit entscheiden. Ein Gutachten sprach schon vor Prozessbeginn von einer Psychose, die bei dem damals noch mutmaßlichen Täter vorliegt.

Unmittelbar nach der Amokfahrt in Trier wurde der Mann festgenommen. Polizisten schildern als Zeugen vor Gericht, dass er wirre Aussagen gemacht hat. Unter anderem sprach Bernd W. von einem Notar, der ihm eine halbe Million Euro vorenthalte. Das Geld stehe ihm zu, da in seiner Kindheit Pharamexperimenten an ihm durchgeführt wurden. Die Ermittler berichten, dass der Angeklagte bei seinen Äußerungen, zumindest vage Erinnerungen an die Tat zugegeben hat.

Nach der Festnahme hieß es zunächst, der Festgenommene sei arbeitslos gewesen und habe in seinem Auto gelebt. Die Aussage einer Zeugin vor Gericht widerspricht diesen ersten Erkenntnissen. Demnach habe Bernd W. zuletzt bei ihr gewohnt und habe erst kurz vor der Tat seinen Job gekündigt. Sie berichtet von einem zunehmenden Verfolgungswahn, der ihr bei Bernd W. aufgefallen ist. Kurz vor der Amokfahrt habe er außerdem verdächtige Andeutungen gemacht. Im Verlauf des Prozesse wird außerdem bekannt, dass der Täter schon einmal als Zeuge in einem Totschagverfahren aussagte. Ein Freud von ihm wurde bei einer Streitigkeit versehentlich erschossen.

Der Prozess endete mit der Verurteilung zu einer lebenslangen Freiheitsstrafe. Wegen Wahnvorstellungen und einer paranoiden Schizophrenie wurde die Unterbringung in einer psychiatrischen Einrichtung angeordnet. Das Gericht stellte die besondere Schwere der Schuld fest. Selbst wenn Bernd W. die Psychiatrie verlassen kann, wird er seine Haftstrafe im Gefängnis absitzen müssen, ohne die Möglichkeit der vorzeitigen Entlassung

Gedenken an die Opfer: Vorläufiger Ort der Erinnerung an der Porta Nigra

Unabhängig vom Ausgang des Gerichtsverfahrens gibt es in der Stadt Trier ein großes Bedürfnis, den Ereignissen des 1. Dezember 2020 zu gedenken. Eine vorläufige Gedenkstätte an der Porta Nigra wird weiter bestehen. Die Debatte über einen Ort, der dauerhaft zur Verfügung steht, ist noch nicht beendet. Das Gedenken an der Porta Nigra bleibt weiterhin ein Provisorium.

Eine Gedenktafel erinnert an der Porta Nigra an die Opfer. Ihre Namen sind darauf aber nicht zu finden, da nicht alle Angehörigen dem zustimmen. Der Steinmetz erklärte Volksfreund.de, dass es außer einer Inschrift keine weiteren gestalterischen Elemente auf der Gedenktafel geben wird. Sie soll in ihrem Aussehen zeitlos sein.

Trier Trauert am Jahrestag um die Opfer der Amokfahrt

Für den ersten Jahrestag wurde in Trier ein öffentliches Gedenken veranstaltet. Um 13.46 Uhr läuteten die Kirchenglocken – exakt ein Jahr nachdem der Amokfahrer sein Auto in die Fußgängerzone steuerte. Es folgte ein ökumenischer Gottesdienst in der Hohen Domkirche mit Vertretern von katholischer, evangelischer, neuapostolischer und griechisch-orthodoxer Kirche. Es gab eine Live-Übertragung im Fernsehen. Am gleichen Ort fand ein klassisches Konzert statt.