Helenaglocke läutet Ein Jahr nach der Amokfahrt Trier - Bewegendes Gedenken an die Opfer des Gewaltverbrechens im Dom

Trier · Trier hat am Mittwoch der Opfer eines Gewaltverbrechens gedacht, das vor einem Jahr nicht nur die Stadt geschockt hat. Im Dom erinnerten Bilder, Tonfiguren und Kerzen an die Getöteten der Amokfahrt von Trier.

 Von Saarburger Schülern zum Gedenken an die Opfer gebastelt Tonfiguren im Dom.

Von Saarburger Schülern zum Gedenken an die Opfer gebastelt Tonfiguren im Dom.

Foto: TV/Rolf Seydewitz

Mit einem bewegenden und würdevollen Ökumenischen Gottesdienst im Trierer Dom und einem Requiem in der Konstantinbasilika hat Trier am Mittwoch der Opfer und Hinterbliebenen der Amokfahrt vor einem Jahr gedacht. Bei dem Gewaltverbrechen in der Fußgängerzone waren fünf Menschen getötet worden, Dutzende wurden schwer verletzt. Ein damals lebensgefährlich verletzter Mann starb erst vor kurzem. Viele Betroffene leiden weiter unter den Folgen, sind immer noch traumatisiert.

Viereinhalb Minuten Glockenläuten um 13.46 Uhr - dem Zeitpunkt der Amokfahrt von Trier

Um 13.46 Uhr – um genau diese Zeit begann die Amokfahrt - läutete für vier Minuten die Helenaglocke des Doms. Die 370 Menschen in der Bistumskirche erhoben sich von ihren Plätzen, gedachten stehend der Opfer.  Nach dem Wunsch des Oberbürgermeisters Wolfram Leibe sollte die ganze Stadt während dieser Zeit zum Gedenken an die Betroffenen der Amokfahrt innehalten. Auch der benachbarte Weihnachtsmarkt öffnete erst nach dem Gottesdienst. Im Dom sprach der Trierer Bischof Stephan Ackermann von einer „bis heute unbegreiflichen Tat“, die die Stadt verändert habe. Die Verarbeitung des Geschehens stehe erst am Anfang, sagte Ackermann an die Adresse der versammelten Opfer, Hinterbliebenen und Einsatzkräfte. Viele Fragen seien immer noch unbeantwortet, blieben es womöglich auch.

Selbstgestaltete Tongestalten von Schülern aus Saarburg

Vor der großen Osterkerze waren Fotos der bei dem Gewaltverbrechen Getöteten aufgestellt. Beim Einzug trugen Einsatzkräfte sechs brennende Kerzen zum Altar – zum Gedenken an die Verstorbenen, darunter ein erst neun Wochen altes Mädchen und ihr Vater.  Auch drei Frauen im Alter von 73, 52 und 25 Jahren wurden von dem im Zickzack durch die Fußgängerzone rasenden Mann getötet. Vor wenigen Wochen starb noch ein 77-Jähriger, der damals schwer verletzt wurde.

Fotos: Zum Jahrestag der Amokfahrt Trier trauern Menschen in der Innenstadt
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Jahrestag der Amokfahrt: So trauern Menschen in der Trierer Innenstadt

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Foto: dpa/Harald Tittel

Besonders bewegend war der Moment, als die Saarburger Gymnasiasten Leo Pfeifer, Finia Wiens und Mattea Walter im Dom selbst gestaltete Tonfiguren abstellten, „um unser Mitgefühl und unsere Trauer auszudrücken“. Der Gedenkort soll dort auf Dauer bleiben, um an die Opfer und das schreckliche Geschehen zu erinnern. Erst vor wenigen Tagen war auch an der Porta Nigra eine Gedenkplakette angebracht worden.

Im Gottesdienst: Gemeinsame Trauer, gemeinsame Erinnerung

Der Vizepräses der Evangelischen Kirche im Rheinland, Christoph Pistorius, rief in seiner Predigt zur Erinnerung an die Opfer auf. „Wir trauern gemeinsam, wir erinnern uns gemeinsam, und wir teilen auch das Unverständnis, das Entsetzen, die Wut und die Machtlosigkeit“, sagte Pistorius. An dem Ökumenischen Gottesdienst im Dom wirkten auch Erzpriester Georgios Basioudis für die griechisch-orthodoxe Kirche und Apostel Clément Haeck von der Neuapostolischen Kirche mit.

Nach dem live im SWR-Fernsehen übertragenen Gottesdienst sagte Ministerpräsidentin Malu Dreyer vor Journalisten, die grauenvolle Tat habe sich tief in das kollektive Gedächtnis von Rheinland-Pfalz eingegraben. Viele Menschen hätten großen Anteil genommen und ihre Solidarität mit den Betroffenen gezeigt. „Dieser Zusammenhalt stimmt mich zuversichtlich“, sagte Dreyer. Die Stadt sei von der Gewalttat ins Mark getroffen worden. „Das darf niemals vergessen werden.“

Verneigen vor den Bildern der Amok-Opfer

Während des Gottesdienstes hatte die Regierungschefin gemeinsam mit Triers Oberbürgermeister Wolfram Leibe und anderen die Fürbitten gelesen. Der OB sagte, die Menschen brauchten Orte wie den Dom, in denen sie ungestört trauern könnten. Das gebe Kraft.

Nach dem Gottesdienst gingen viele Teilnehmer noch zu den vor der Osterkerze aufgestellten Bildern der Opfer und verneigten sich zum Gedenken.

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