1. Region

Amokfahrt in Trier: Die Opfer und die Erinnerung an die Tat

Hilfe für Hinterbliebene : Amokfahrt in Trier: Die Opfer und die Erinnerung an die Tat

Fünf Menschen wurden bei der Amokfahrt von Trier im Dezember 2019 getötet. Andere wurden teils sehr schwer verletzt und traumatisiert. Eine Stiftung und eine Gedenkstätte sollen Opfern und Hinterbliebenen helfen.

Wenn am 19. August am Landgericht Trier der Prozess gegen den mutmaßlichen Amokfahrer von Trier beginnt, werden vor allem die Hinterbliebenen und die Opfer des Gewaltverbrechens das Verfahren mit großem Interesse verfolgen.

Bei der Amokfahrt am 1. Dezember 2020 riss ein Mann bei einer halsbrecherischen Fahrt durch die Trierer Fußgängerzone mit seinem SUV fünf Menschen in den Tod. Bereits kurz nach Beginn der Amokfahrt erfasste der Fahrer eine 73-jährige Frau, die mit ihrem Mann in der Stadt unterwegs war. Die Frau starb, der Mann musste mehrere Monate intensivmedizinisch behandelt werden.

Von der Brotstraße raste der SUV weiter zum Hauptmarkt, wo die Amokfahrt weitere Opfer forderte. Der Fahrer steuerte auf eine Familie zu, die beim Einkaufsbummel war. Der 45-jährige Familienvater und seine neun Wochen alte Tochter waren sofort tot, die Mutter und das anderthalbjährige Kind überlebten mit schweren Verletzungen.

Ebenfalls auf dem Hauptmarkt überfuhr der Amokfahrer eine 52-jährige Lehrerin, die mit ihrem Rad aus Richtung Porta Nigra kam. Sie erlag im Krankenhaus ihren schweren Verletzungen.

Kurz darauf erfasste der Landrover in der Simeonstraße eine 25-jährige Studentin. Sie starb noch am Tatort.

Opfer der Amokfahrt von Trier: Fünf Tote und 18 Schwerverletzte

18 Menschen wurden bei der Tat schwer und teils lebensgefährlich verletzt. Zwei Opfer der Amokfahrt von Trier mussten sogar Ende April noch stationär behandelt werden.

Die Staatsanwaltschaft hat den  51-jährigen mutmaßlichen Amokfahrer Bernd W. wegen fünffachen Mordes und versuchten Mordes in 18 Fällen und teils gefährlicher und schwerer Körperverletzung angeklagt.

Aufarbeitung der Amokfahrt: Traumatisierte Passanten und Angehörige der Opfer

Hunderte Passanten und Angehörige waren nach der unfassbaren Tat traumatisiert.  Ersthelfer und Einsatzkräfte waren mit entsetzlichen Situationen konfrontiert. Viele Menschen mussten kurz nach der Tat und auch in den Wochen danach professionelle Hilfe in Anspruch nehmen. Ihnen standen Notfallhilfe-Hotline, Seelsorger, Ärzte und Lebensberatung zur Seite, um das schreckliche Geschehen zu begreifen und aufzuarbeiten.

 Eine wichtige Anlaufstelle in dieser Zeit war für alle Hilfe Suchenden das Büro des rheinland-pfälzischen Opferbeauftragten Detlef Placzek. Sein Team kümmert sich um die Opfer, Angehörigen und die Augenzeugen, benennt Ansprechpartner und räumt bürokratische Hürden beiseite.

So wurde direkt nach der Amokfahrt von Trier zusammen mit Polizei, Stadt, Land und Unfallkasse eine Notfall-Hotline geschaltet, an die sich Betroffene, Helfer und Augenzeugen wenden konnten. Auch 70 Schnelltherapieplätze für Traumatisierte wurden eingerichtet. Außerdem hilft der Opferbeauftragte, die gesetzlichen Ansprüche aus dem Opferentschädigungsgesetz oder gegenüber der Verkehrsopferhilfe und der Unfallkasse geltend zu machen.

Stiftung und Soforthilfe für Verletzte und Hinterbliebene der Opfer

Für die Unterstützung von Menschen, die bei der Amokfahrt verletzt oder traumatisiert wurden oder Angehörige verloren haben, soll es demnächst eine Stiftung geben. Im Juni erklärte die Stadtverwaltung, dass die Gründung unmittelbar bevorstehe.

Mehr als eine Million Euro an Spenden sind auf einem Hilfekonto der Stadt zusammengekommen. Die Stadt verzeichnete mehr als 10.000 Einzelspenden. Damit stehen nach Information der Stadt Trier Mittel für Hinterbliebene der Opfer und Verletzte zur Verfügung, ebenso aber auch für Augenzeugen, die aufgrund der traumatischen Erlebnisse nach wie vor in psychiatrischer Behandlung seien.

Die Familien der Hinterbliebenen erhielten aus dem Spendenaufkommen schon bald nach der Tat eine Soforthilfe von 10.000 Euro. Das Büro des rheinland-pfälzischen Opferbeauftragten berät die Hinterbliebenen und Familien der Opfer und hilft bei der Antragstellung.

Kurz nach der Amokfahrt drückten viele Menschen in der Innenstadt an der Porta Nigra und an den Stellen, an denen Passanten starben, mit Kerzen, Blumen und Stofftieren ihre Trauer aus. Mittlerweile sind diese geräumt. Dafür entstand an der Porta Nigra eine vorläufige Stätte der Erinnerung - ein Ort, den sich auch der Trierer OB als Stelle für eine dauerhafte Gedenkstätte vorstellen kann. Allerdings werden dazu immer noch Gespräche mit allen Hinterbliebenen der Opfer geführt, um die zahlreichen Ideen und die Bedürfnisse der Hinterbliebenen in Einklang zu bringen. 

 Für die Mutter der gestorbenen 25-jährigen Studentin ist die Frage der Gedenkstätte essentiell: „Es wäre wichtig, dass die Opfer mehr gesehen werden. Wir wollen, dass das Ganze Gesichter bekommt. Und Namen.“