Angehende Mediziner können bald in Trier studieren

Medizin : Angehende Mediziner können bald in Trier studieren

Land und Mainzer Uni kooperieren mit zwei Kliniken. Die Studenten sollen dort Praxis sammeln und in der Region bleiben.

Künftig können Medizinstudenten einen Teil ihres Studiums in Trier absolvieren. Die rheinland-pfälzische Ministerpräsidentin Malu Dreyer (SPD) sprach am Freitag in Trier mit Vertretern der Universitätsmedizin Mainz, der beiden Kliniken Mutterhaus und Brüderkrankenhaus, der Landesärztekammer und dem Oberbürgermeister Wolfram Leibe (SPD) über das Konzept eines Medizincampus. „Mit einem zusätzlichen Angebot der klinischen Ausbildung in Trier wollen wir die Ausbildungskapazitäten im Medizinstudium effektiv auszunutzen und einen wichtigen Beitrag zur Sicherstellung der ärztlichen Versorgung in den Regionen leisten“, sagte Dreyer nach dem Gespräch.

Konkret geht es darum, dass ab dem Wintersemester 2020/21 zunächst 30 Medizinstudenten der Uni Mainz das zehnte Semester freiwillig in Trier verbringen. Und zwar in einer der beiden Kliniken, in denen sie dann das Praktische Jahr ihrer Ausbildung absolvieren sollen. Diese Kooperation bringt nach den Worten Dreyers eine Entlastung für die Universitätsmedizin in Mainz. Und den beiden Trierer Krankenhäusern werde dadurch Nachwuchs gesichert. Gleichzeitig könne Trier sein Profil als Hochschulstandort und als Standort der Gesundheitswirtschaft schärfen, sagte Dreyer, die in Trier lebt. „Unser gemeinsames Ziel ist die Sicherstellung einer hochwertigen medizinischen Ausbildung und einer guten ärztlichen Versorgung abseits der großen Ballungszentren.“ Leibe sprach von einem „richtungsweisenden Beschluss“.

Ein Ziel des Medizincampus Trier ist es nämlich auch damit auf den drohenden Ärztemangel zu reagieren. Er habe die Hoffnung, dass Studierende nach ihrem Studium in der Region bleiben, sagt der Präsident der Landesärztekammer, Günther Matheis, Arzt am Brüderkrankenhaus. Laut einer am Freitag von der Ärztekammer vorgelegten Studie ist die flächendeckende ärztliche Versorgung in Gefahr. Statistisch gesehen sei jeder zweite der rund 18 500 berufstätigen Ärzte in Rheinland-Pfalz 50 Jahre und älter und fast jeder vierte über 60. Damit rückten immer mehr Mediziner immer näher an die Phase ihres Ruhestandes heran, aber immer weniger junge Ärzte rückten nach, sagt Matheis. Er ist einer derjenigen, die das Projekt gemeinsam mit der Stadt Trier seit sechs Jahren vorangebracht hat. Bereits als Vorsitzender der Bezirksärztekammer Trier hat der dafür geworben. Trier sei der ideale Standort dafür. „Zusammengenommen bilden beide Trierer Krankenhäuser einen Standort der Maximalversorgung und bieten somit ein hohes Niveau der Patientenversorgung“, so Matheis am Freitag. Mit dem zusätzlichen Standort für ein Medizinstudium könnten mehr Studierende im praktischen Teil ausgebildet werden. „Oberstes Ziel“ müsse eine qualitativ hochwertige Ausbildung in Trier sein, ergänzte der Medizinische Vorstand der Mainzer Uni-Medizin, Norbert Pfeiffer. Im Trierer Brüderkrankenhaus sieht man im Medizincampus eine Möglichkeit zur Fachkräftesicherung und „um so unser breites medizinisches Leistungsspektrum aufrechterhalten zu können“, sagte Klinik-Geschäftsführer Christian Weiskopf.

Das Land unterstützt das Konzept  mit 500 000 Euro. Bis zum kompletten Ausbau des Medizincampus würde die finanzielle Unterstützung auf acht Millionen Euro anwachsen, sagte Wissenschaftssekretär Denis Alt. Nun müsse geklärt werden, welches Lehrpersonal in Trier eingesetzt und welche Räume genutzt werden. Eine große Bedeutung bei dem Studium ­außerhalb von Mainz hätten auch digitale Angebote und die Videoübertragung ausgewählter Vorlesungen.

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