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Antikenfestspiele kosten halbe Million Euro

Relativ wenige Zuschauer sind in diesem Jahr zu den Vorstellungen der Antikenfestspiele, wie hier zur Oper „Nerone“, nach Trier gekommen. TV-Foto: Friedemann Vetter
Relativ wenige Zuschauer sind in diesem Jahr zu den Vorstellungen der Antikenfestspiele, wie hier zur Oper „Nerone“, nach Trier gekommen. TV-Foto: Friedemann Vetter
Trier. Die Antikenfestspiele 2010 enden mit einem Defizit von mindestens 220000 Euro. Das wurde bei der Vorstellung der Bilanz im Kulturausschuss am Dienstagabend bekannt. Von unserem Redakteur Michael Schmitz

Trier. Die Bilanz der Antikenfestspiele in Zahlen vorweg: 2790 Besucher haben reguläre Karten gekauft, 3222 besuchten das Festival mit ermäßigten Tickets (als Studenten beispielsweise) über Sponsorenkarten oder über Freikarten und 829 Besucher kamen über das Theaterabo ins Amphitheater. Ursprünglich geplant waren Einnahmen von 453000 Euro bei einer Auslastung der Veranstaltungen von 75
Prozent. Da die nur bei 55 Prozent lag fehlen 220000 Euro. „Mindestens“, sagte Kultur- und Wirtschaftsdezernent Thomas Egger vor dem Kulturausschuss, der Betrag werde sich eher noch erhöhen. Noch sind nicht alle Buchungen gemacht.

Egger präsentierte den Stadtratsmitgliedern die Bilanz, ohne ausdrücklich Partei für oder gegen eine Fortsetzung des Festivals zu ergreifen. Er erinnerte aber ausdrücklich daran, man dürfe nicht vergessen, was man vor einem Jahr gemeinsam beschlossen habe. Gemeint war das Konzept der Antikenfestspiele, mit einem künstlerisch hochwertigen Programm zu arbeiten und allzu Populäres zu meiden.

Klare Partei ergriff erwartungsgemäß Theaterintendant Gerhard Weber: „Ich plädiere dafür, die Festspiele so wie sie in diesem Jahr stattgefunden haben, weiterzuführen“, sagte Weber, „diese Antikenfestspiele brauchen eine langfristige Chance.“ Kompromisslösungen lehnte er ab: „Es geht darum, dass wir diesen Weg ohne Wenn und Aber gehen. Nicht kleiner, nicht anders.“

Bernd Neisen von der Agentur Markenmut, die für das Marketing verantwortlich war, stellte dar, wie und wo für die Antikenfestspiele geworben wurde. Der Marketing-Etat lag bei 128000 Euro. Kritische Nachfragen dazu gab es vor allem von Peter Spang, SPD, dem die überregionale Vermarktung zu kurz kam. Ob und wo das Marketing funktioniert hat, wird sich allerdings nicht feststellen lassen. Denn laut Intendant Weber gibt es keine Statistiken über Herkunft und Altersstruktur der Besucher. Lediglich eine Zahl gibt Aufschluss darüber, dass offenbar wenige Gäste von weit her angelockt wurden: Während die Touristinfo 2008 eine Zahl von 211 Buchungen der Pauschalangebote für die Festspiele verzeichnete, waren es 2010 nur 23.

MEINUNG

Schön, aber zu teuer

Von Michael Schmitz

Da hilft alles Lob für die guten Inszenierungen nichts: die Antikenfestspiele 2010 sind wirtschaftlich ein Reinfall. Ein Reinfall, den sich die Stadt nicht leisten kann. Eine Viertelmillion Euro war als „Defizit-Ausgleich“ einkalkuliert, jetzt muss eine weitere Viertelmillion nachgelegt werden. Trotzdem eine neue Chance? Weiter so mit kleineren Änderungen? Wer dem im Stadtrat zustimmt, der muss den Bürgern schon sehr genau erklären können, warum er hier Geld ausgibt, das er bei den anstehenden Haushaltsberatungen an anderen Stellen schmerzhaft wegkürzt. Festspiele schmücken eine Stadt. Aber schmücken sollte sich nur, wer sich das auch leisten kann.

m.schmitz@volksfreund.de

Extra: Die Auslastung Das einmalige Konzert zog super, der große Name überhaupt nicht, und die vergleichsweise unbekannte Oper war immer noch besser besucht als das rennomierte, aus Frankfurt eingekaufte Schauspiel. So lässt sich die Auslastung im Detail zusammenfassen. In Zahlen: das Symphoniekonzert hatte eine Auslastung von 90 Prozent. Das Schauspiel Ödipus/Antigone lag lediglich bei 44 Prozent, die Oper Nerone bei 52 Prozent. Die Lesung mit Corinna Harfouch kam nur auf eine Auslastung von 33 Prozent.