Apotheken schlagen Alarm: Immer mehr Medikamente werden knapp

Kostenpflichtiger Inhalt: Gesundheit : Apotheker schlagen Alarm: Viele Medikamente werden knapp

Seit Monaten gibt es Lieferengpässe bei Hunderten Wirkstoffen. Schmerzmittel, Impfstoffe und Blutdrucksenker sind kaum verfügbar. Auch Kliniken haben Probleme.

·Die Erkältungszeit steht bevor. Doch es könnte sein, dass Patienten nicht alle Medikamente, die der Arzt ihnen verschreibt, sofort bekommt. Der Grund: Es gibt immer noch einen Lieferengpass bei einigen Arzneimitteln. Etwa bei verschreibungspflichtigen Schmerzmitteln mit dem Wirkstoff Ibuprofen, wie der Sprecher des rheinland-pfälzischen Apothekerverbands, Frank Eickmann, unserer Zeitung sagte. Bei frei verkäuflichen Medikamenten mit dem Wirkstoff könne es sein, dass bestimmte Stärken nicht direkt verfügbar seien. Auch bei Novaminsulfon-Tropfen, ebenfalls ein Schmerzmittel, gebe es Lieferprobleme, sagt Eickmann.

Entwarnung gibt er für die gängigsten in den Apotheken verkauften Antibiotika. Auch beim Grippeimpfstoff gebe es derzeit keine Engpässe. Anders hingegen sehe es bei einem Mehrfachimpfstoff für Kinder gegen Masern-Mumps-Röteln aus. Dieser sei seit einem Jahr nicht lieferbar. Große Probleme gebe es auch bei Blutdrucksenkern, Magensäureblockern oder bestimmten Antidepressiva.

Auch die Kliniken bekommen die Lieferengpässe zu spüren. So gibt es seit Monaten Probleme, ausreichend Nachschub für das Narkosemittel Propofol zu ordern. Genau wie bei speziellen in Krankenhäusern verwendeten Antibiotika und Arzneimitteln gegen Krebs. Man werde zwar weiterhin mit allen Medikamenten beliefert, aber oft gäben die Hersteller nur geringe Mengen ab, heißt es etwa aus dem Trierer Brüderkrankenhaus. Bisher hätte noch kein Patient aufgrund eines Medikamentenengpasses nicht behandelt werden können, teilte eine Kliniksprecherin mit.

Seit Monaten machen Ärzten und Apotheken die Lieferengpässe bei Arzneimitteln zu schaffen. Laut Apothekenverband waren von Anfang Juni bis Ende August deutschlandweit 2216 verschreibungspflichtige Arzneimittel durchgehend nicht lieferbar. Auf der Seite des Bundesinstituts für Arzneimittel und Medizinprodukte waren gestern insgesamt 287 Wirkstoffe gelistet, die derzeit schwer oder gar nicht lieferbar sind.

Für die Apotheken bedeutet das, dass sie gemeinsam mit den behandelnden Ärzten Alternativen zu verordneten Medikamenten suchen müssen. Und das ist oft mit einem erheblichen Zeitaufwand verbunden. In Apotheken müssten Mitarbeiter inzwischen rund zehn Prozent ihrer Arbeitszeit dafür aufwenden, Lieferengpässe zu bekämpfen, sagte Andreas Kiefer, Präsident der Landesapothekerkammer. Er kritisiert, dass viele Präparate von den Herstellern nicht mehr vorrätig gelagert, sondern erst auf Bestellung produziert würden. „Eine Produktion ‚just-in-time’ spart den Herstellern Kosten, macht es aber für die Apotheker immer schwieriger, Ersatzmedikamente für Patienten zu finden.“

Gemeinsam mit dem Präsidenten der Landesärztekammer, Günther Mattheis, fordert Kiefer, dass versorgungsrelevante Medikamente wieder in Europa produziert werden.