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Auch in der Kneipe gilt: Bitte Abstand halten!

Kostenpflichtiger Inhalt: Gastronomie : Auch in der Kneipe gilt: Bitte Abstand halten!

Die Wiedereröffnung der regionalen Gastronomie wird unterschiedlich bewertet. Noch sind weitere Lockerungen nicht in Sicht.

Ab Mittwoch hat die gastronomielose Zeit ein Ende: In Rheinland-Pfalz dürfen Restaurants, Kneipen, Biergärten, Cafés oder Eisdielen endlich wieder öffnen. Während einige Gastronomen schon seit Tagen am Werkeln sind, um die ab dann geltenden Vorschriften zu erfüllen und keinen Ärger mit Ordnungsbehörden zu bekommen, winken vor allem viele Inhaber kleinerer Gaststätten ab, weil die Auflagen zu hoch sind. Aber auch potenzielle Gäste sind durch die am Wochenende veröffentlichten Hygiene- und Schutzmaßnahmen abgeschreckt. Danach müssen Gastronomiebesucher künftig im Innen- und Außenbereich einen Mundschutz tragen, den sie nur am Tisch ablegen dürfen – „für die Dauer des Sitzens“, wie es in der vom Wirtschaftsministerium, dem Gaststättenverband Dehoga und den Industrie- und Handelskammern im Land erstellten Handreichung Gastgewerbe wörtlich heißt.

Für Volksfreund-Leser Chris Engler würde das schon als Abschreckungsgrund reichen: „Ihr könnt euch ja alle mit Maulkorb dahinsetzen, ich nicht. Das ist nicht meine neue Normalität“, kommentierte Engler auf unserer Internetseite. Andere Gäste stören sich an Auflagen wie der künftig verpflichtenden Voranmeldung mit Name, Anschrift und Telefonnummer aller Besucher (kann auch vor Ort gemacht werden). Damit sollen später mögliche Infektionswege nachvollzogen werden können. „Jetzt werden wir in unserer Freiheit richtig eingeschränkt“, kritisiert TV-Leser Raimund Petry.

Der rheinland-pfälzische Datenschutzbeauftragte Dieter Kugelmann hat zwar prinzipiell keine Bedenken, schränkt aber ein, dass die Wirte die Daten nicht nutzen dürften, um später etwa einen Newsletter an die Gäste zu senden.

Laut Industrie- und Handelskammer ist die Mehrzahl der Betriebe froh, wieder für ihre Gäste da sein zu können. „Das Hotel- und Gastgewerbe weiß mit den Auflagen und Hygienemaßnahmen umzugehen“, sagt Geschäftsführer Albrecht Ehses. Allerdings könne es sein, dass sich kleinere Betriebe wegen der Abstandsregelungen und der Anforderungen im ersten Schritt nicht wirtschaftlich betreiben ließen, so Ehses.  Die IHK rechne daher damit, dass einzelne Betriebe nicht schon am Mittwoch öffnen, sondern erst, wenn weitere Lockerungen der Maßnahmen beschlossen würden.

Wann das soweit sein könnte, ist noch offen. „Am 13. Mai geht es los mit dem ersten Schritt, und dann müssen wir alle sehen, inwieweit sich das einpendelt und wie sich das Infektionsgeschehen entwickelt“, sagte am Montag eine Sprecherin des rheinland-pfälzischen Wirtschaftsministers Volker Wissing (FDP) auf Anfrage unserer Zeitung.

„Hauptsache, es geht los und wir haben wieder etwas zu tun“, sagt der Inhaber des Graacher Panorama-Hotels, Albert Kemmer. Hotels, Ferienwohnungen oder Campingplätze dürfen in Rheinland-Pfalz ab Montag wieder öffnen – natürlich ebenfalls unter strengen Auflagen. Kemmer glaubt, dass die erste Zeit wohl kein Geschäft zu machen sei. „Aber das spielt sich schon alles wieder ein.“

Auch der Trierer Gastronom Alexander Brittnacher ist froh über den „zarten Silberstreif am fernen Horizont“, wie der 41-Jährige sich ausdrückt. Der zwei Monate zurückliegende Shutdown hat ihn hart getroffen: Brittnachers Bar- und Catering-Service verlor sämtliche Aufträge bis Ende des Jahres, seine frisch eröffnete Gaststätte Sim an der Porta Nigra musste er nach nur zehn Tagen dichtmachen, und der Saisonstart des City-Beach auf der Galeria-Karstadt-Dachterrasse fiel komplett ins Wasser.

Am Mittwoch macht Brittnacher erst einmal das Alte Brauhaus in Trier  wieder auf. „Wichtig ist, dass wir unsere fest angestellten Mitarbeiter endlich aus der Kurzarbeit herausholen können“, sagt er. „Aber wir müssen auch schauen, ob und wie wir mit dem Missverhältnis aus drastisch reduzierten Einnahmemöglichkeiten bei gleichbleibenden Betriebskosten umgehen können.“

Drohende massive Umsatzeinbußen bei einer Wiedereröffnung sind ein Grund, warum der Wittlicher Wirt Eric Metzen sein Türmchen erst einmal noch zulässt. Die vorgegebenen Öffnungszeiten sowie die Abstandsregelung verhageln Metzen nach eigenen Angaben absehbar das ohnehin schwierige Geschäft. „Unter diesen Umständen geht das nicht“, begründet der Gastronom die über den Mittwoch hinaus andauernde Schließung.

Einige regionale Gastronomen weisen auf ihren Internetseiten bereits darauf hin, dass sie ihre Preise etwas erhöhen müssen, um der Tatsache Rechnung zu tragen, dass sie einige Tische wegen der Abstandsregelung nicht besetzen können, aber dennoch eine Kostenbelastung wie zu Vor-Corona-Zeiten haben.

Und wer eine Reservierung ohne Absage platzen lässt, wird etwa von einem Restaurant in der Eifel mit 25 Euro pro Nase zur Kasse gebeten. „Das ist neu und notwendig“, heißt es auf der Internetseite.