Auf Klassenfahrt mit dem Flugzeug? Muss das sein?

Kostenpflichtiger Inhalt: Bildung : „Deutschland hat auch schöne Ecken“

Mit dem Flugzeug auf Klassenfahrt? Schüler sind zwar gegen ein Verbot, wollen aber, dass mehr über Umweltschutz nachgedacht wird. Und auch Kosten spielen eine Rolle.

Seine Fahrt mit dem Physik-Kurs sei nach Hamburg gegangen, berichtet Lucas Fomsgaard. „Mit dem Zug“, wie er ergänzt. Er spricht von einem „physikalischen Bildungsausflug“, sie hätten einen Teilchenbeschleuniger besichtigt und seien im Airbus-Werk gewesen. Fomsgaard ist Vorstandsmitglied in der Landesschülervertretung. Auch dort hat man sich bereits Gedanken darüber gemacht, ob in Zeiten von Klima- und Umweltschutz Klassenfahrten per Flugzeug unternommen werden müssten. Unter Umweltschutzgründen sei es begrüßenswert, wenn Schulen auf Flugreisen verzichten würden, sagt Fomsgaard. Aber generell verbieten wolle man diese nicht. Die Schulen sollten selbst entscheiden, was bei Klassenfahrten erlaubt sein soll und was nicht. Und dass Fahrten nur noch in Deutschland unternommen werden sollen, davon hält er auch nichts. Es müsse bei den Fahrten ja nicht nur um deutsche Geschichte gehen. Sie dienten ja zur Stärkung der Klassen- und Kursgemeinschaft.

Das sieht auch Thorsten Ralle so. Die Schulfahrten sollten „einen gewissen Bezug“ zur Schule haben und keine reinen Urlaubstouren sein, sagt der Landeselternsprecher. Schulen sollten sich fragen, ob eine Skifreizeit oder ein Segelkurs wirklich sein müsse. Es gehe nicht darum, Fahrten ins Ausland zu verbieten, sagt Ralle. Dass ein Latein-Kurs nach Rom fahre mache durchaus Sinn. Solche Fahrten müssten auch weiterhin möglich sein, sagt Klaus-Peter Hammer, Landesvorsitzender der Lehrergewerkschaft GEW. Ein Französisch-Leistungskurs müsse die Möglichkeit haben, nach Frankreich zu fahren. Und gerade in einer Grenzregion wie der hiesigen seien Fahrten ins benachbarte Ausland etwa nach Brüssel oder auch nach Metz durchaus begrüßenswert. Die meisten Schulen blieben mit ihren Fahrten in Deutschland. „Jugendherbergen sind immer noch sehr beliebt“, sagt Hammer. Und eine TV-Leserin meint auf unserer Facebook-Seite: „Deutschland hat sehr schöne Ecken.....warum also nicht?“

Zwar müsse vor dem Hintergrund des Klimaschutzes hinterfragt werden, ob es in jedem Fall eine Flugreise sein müsse, aber: „Wir begrüßen die grenzüberschreitenden Kontakte unserer Schulen ins europäische und außereuropäische Ausland. Solche Partnerschaften sollen auch weiterhin gepflegt und entsprechende Schulfahrten durchgeführt werden können“, sagt Henning Henn, Sprecher des rheinland-pfälzischen  Bildungsministeriums. Das Thema Flugreisen bei Klassenfahrten sei auch beim Runden Tisch „Schule. Nachhaltig. Gestalten.“, zu dem Ministerium und Landesschülervertretung eingeladen hatten, kontrovers diskutiert worden. „In Rheinland-Pfalz wollen wir nicht nur reden, sondern handeln, damit unsere Schulen nachhaltiger werden“, so der Ministeriumssprecher.

In einigen Schulen der Region wird diese Nachhaltigkeit bereits gelebt.

Wie etwa am Balthasar-Neumann-Technikum in Trier, wo laut eines Lehrers ein Nachhaltigkeitskonzept erarbeitet werde. Und: Für die zwölften Klassen gebe es eine Kursfahrt. „Kein Flug. Und das zu vernünftigen, für die zahlenden Eltern tragbaren Kosten“, wie der Lehrer gestern auf der Volksfreund-Facebook-Seite geschrieben hat.  Es sei nicht nur eine Frage des Klimaschutzes, „sondern auch eine des Geldbeutels für Eltern“, meint ein anderer Leser bei Facebook.

In der Tat seien die Kosten oft ein Problem bei Klassenfahrten, sagt auch Ralle. Schulen sollten sich eine Obergrenze geben, damit Eltern nicht überlastet werden. Eine für alle Schulen geltende Vorgabe, was Schulfahrten kosten dürfen, gibt es in Rheinland-Pfalz nicht.

Das kann dann durchaus dazu führen, dass für Kursfahrten über 500 Euro fällig werden oder auch mehrtägige Klassenfahrten in der Mittelstufe bis zu 300 Euro kosten können.

Und eine Fahrt innerhalb von Deutschland, etwa nach Berlin, müsse nicht einmal billiger sein  als eine Fahrt ins Ausland, meint GEW-Landeschef Hammer.

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