Aus von JVA Trier betrifft 120 Mitarbeiter

Kostenpflichtiger Inhalt: Justiz : Letzter Funken Hoffnung ist noch nicht erloschen

Die Bediensteten des Trierer Gefängnisses wussten um das drohende Aus für „ihren“ Knast. Jetzt haben sie traurige Gewissheit.

Als das neue Gebäude 1977 in Betrieb genommen wurde, da mussten Ortsfremde und auch manche Einheimische schon mit der Nase draufgestoßen werden, dass es sich bei dem quadratischen Bau um ein Gefängnis handelt. Die „optische Täuschung“ war gewollt: Man gab sich seinerzeit fortschrittlich-liberal, die neue Justizvollzugsanstalt sollte nicht aussehen wie ein Gefängnis. Statt einer Mauer rundherum gab es ein Stückchen grüne Wiese mit einem zwei Meter hohen Zäunchen, statt dickem Mauerwerk mit vergitterten Fenstern Waschbeton mit Glasbausteinen.

23 Jahre später war es mit der Beschaulichkeit vorbei. Der zu lebenslanger Haft verurteilte Mörder Muhamed Agovic türmte im Dezember 2000, wenn auch unterstützt von einer Justizbediensteten, relativ mühelos aus dem Knast. Ein Ausbruch mit Folgen.

Das Land wechselte danach nicht nur die Gefängnisleitung aus, sondern verbesserte auch die Kontrollen in der Haftanstalt, ließ Gitter, Kameras und neue Zäune mit Nato-Stacheldraht installieren. Seitdem ist auch von außen sichtbar, dass es sich bei dem Gebäude nicht um einen vermeintlich schmucklosen Bürokomplex handelt, sondern um ein Gefängnis.

Nur zwei Monate vor dem spektakulären Ausbruch hatte übrigens der damals noch neue Justizminister Herbert Mertin der Trierer JVA seinen Antrittsbesuch abgestattet. Trotz „kleinerer Probleme“ gebe es „nicht viel Anlass, in die Trierer Anstalt zu investieren“, lautete seinerzeit Mertins Fazit. Fast auf den Tag genau 20 Jahre später zieht der liberale Minister einen Schlussstrich unter das Kapitel Trierer Gefängnis. Wenn die Sanierung des Wittlicher Gefängnisaltbaus bis dahin über die Bühne gegangen ist, soll die Trierer JVA in sieben Jahren dichtgemacht werden, kündigte der Minister am Dienstag in Mainz an. Den Trierer Beschäftigten durfte das zeitgleich Mertins Staatssekretär Philipp Fernis vor Ort verkünden. Die 120 Justizvollzugsbediensteten hatten insgeheim schon länger damit gerechnet, dass das Aus für Trier wohl kaum noch abgewendet werde könne. Er habe zwar noch einen Funken Hoffnung, meinte ein Personalratsmitglied vor zwei Jahren, „doch der ist klitzeklein“.

Man werde trotz der unsinnigen Entscheidung weiterkämpfen, kündigte am Dienstag der Trierer Personalratsvorsitzende Stefan Ternes an. Man müsse sehen, ob sich auch die nächste Landesregierung den Schuh anziehen wolle, sagte Gewerkschafter Ternes mit Blick auf die Landtagswahl 2021. Ähnlich kritisch äußerte sich auch der Landeschef des Bundes der Strafvollzugsbediensteten, Winfried Conrad.

Derweil verwies der Minister darauf, dass es keine Entlassungen geben werde und alle Trierer Mitarbeiter die Möglichkeit erhielten, künftig in Wittlich zu arbeiten. Besondere Härten werde man möglichst vermeiden, versprach Mertin, auch deshalb werde die offene Vollzugsabteilung der Justizvollzugsanstalt Trier in Saarburg erhalten bleiben.

Was eines Tages mit dem Ende der 70er Jahre wenig an ein Gefängnis erinnernden Gebäude passieren wird, steht noch in den Sternen.