Ausbruch der Blauzungenkrankheit: Rheinland-pfälzisches Umweltministerium gibt Bauern Mitschuld

Landwirtschaft : Blauzungenkrankheit: Virus sorgt für Zoff

Das rheinland-pfälzische Umweltministerium gibt Bauern Mitschuld am Ausbruch der Blauzungenkrankheit. Landwirte und Tierärzte fordern eine Impfpflicht. Das Land sieht dafür keine Notwendigkeit.

Das Land gibt Viehhaltern eine Mitschuld daran, dass die Blauzungenkrankheit ausgebrochen ist. Seit Jahren habe das Umweltministerium den tierhaltenden Betrieben empfohlen, Rinder, Schafe und Ziegen zu impfen, nachdem die für die Tiere gefährliche Viruserkrankung in Nachbarländern wie Schweiz und Frankreich festgestellt worden sei, sagte eine Sprecherin des Ministeriums auf Anfrage unserer Zeitung. „Leider haben nur sehr wenige Tierhalter von einer vorsorglichen Impfung Gebrauch gemacht.“ Die Anzahl der geimpften Rinder sei gering. Von den 345 000 Rindern im Land seien in den vergangenen zwölf Monaten 1116 Tiere in 40 Beständen geimpft worden.

Am vergangenen Freitag wurde bei einem Kalb in einem Rinderbestand im Kreis Trier-Saarburg das Blauzungenvirus nachgewiesen. Das Tier wurde getötet (der TV berichtete). Daraufhin wurde Rheinland-Pfalz komplett zum Sperrgebiet erklärt. Das bedeutet, dass der Handel und Transport von Rindern, Schafen und Ziegen, die von dem Virus befallen werden können, für zwei Jahre eingeschränkt ist. Laut Umweltministerium ist es jedoch möglich, dass nicht geimpfte Tiere bis Ende Februar aus dem Sperrgebiet etwa zu Schlachthöfen transportiert werden dürfen, wenn sie mindestens sieben Tage vor dem Transport negativ auf das Blauzungenvirus getestet worden sind. Gestern wurden zwei weitere Verdachtsfälle bestätigt. Nach Auskunft von Achim Ginkel, Sprecher des Landesuntersuchungsamtes in Koblenz, stehen die möglicherweise an dem Virus erkrankten Tiere in Zweibrücken und im Saar-Pfalz-Kreis im Saarland.

Das Umweltministerium empfiehlt allen Viehhaltern, ihre Rinder, Schafen oder Ziegen jetzt noch impfen zu lassen. Das Problem allerdings: Es gibt derzeit nicht ausreichend Impfstoff, wie die Präsidentin der Landestierärztekammer, Monika Hildebrand, bestätigt. Weil die Impfung eben nicht verpflichtend sei, habe es kaum Nachfrage nach dem Impfstoff gegeben. Daher sei er von den Herstellern auch nicht in größeren Mengen produziert worden.

Hildebrand fordert eine Impfpflicht. Wenn 80 Prozent der Tiere gegen das Virus geimpft seien, bestehe auch ein Schutz für die nicht geimpften Tiere, sagt die KammerPräsidentin. Doch das Land sieht derzeit für eine Impfpflicht keine Notwendigkeit. Die Verantwortung, dass die Tiere vor der Blauzungenkrankheit geschützt werden, liege bei den Viehhaltern, sagt die Ministeriumssprecherin. Laut ihrer Auskunft kostet der Impfstoff für Rinder rund zwei und der für Schafe 1,20 Euro. Allein das Impfen aller Rinder in Rheinland-Pfalz kostet nach Aussage von Michael Horper, Präsident des Bauern- und Winzerverbandes Rheinland-Nassau in Koblenz, jährlich 7,5 Millionen Euro.

Diese Kosten müsse das Land übernehmen, fordert Horper, der sich genau wie die Tierärzte für eine Impfpflicht ausspricht. Seit  Jahren hätten die Landwirte auf die Bedeutung der Impfung gegen die Blauzungenkrankheit hingewiesen. „Es wäre notwendig gewesen, eine flächendeckende Impfung umzusetzen“, so Horper. Auch das für die Tiergesundheit in Deutschland zuständige Friedrich-Loeffler-Institut habe bereits 2016 die Pflichtimpfung empfohlen. „Diese Empfehlung wurde seitens des Landes ignoriert.“ Auch müsse es dafür sorgen, dass ausreichend Impfstoff zur Verfügung stünde.

Horper rechnet durch die Einschränkungen für die Viehhalter mit einem enormen Schaden. Die Landwirte könnten weniger Tiere verkaufen und müssten daher mit deutlichen finanziellen Einbußen rechnen. Und das, so Horper, vor dem Hintergrund, dass die wirtschaftliche Lage vieler Betriebe aufgrund niedriger Preise für Milch und Fleisch ohnehin schon angespannt sei.

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