Ausstellung 100 Jahre Synagoge Wittlich eröffnet

Ausstellung 100 Jahre Synagoge Wittlich eröffnet

Über 150 Menschen erlebten gestern Abend die feierliche Auftaktveranstaltung zum Jubiläumsjahr 100 Jahre Synagoge Wittlich. Der Festakt in der heutigen Kultur- und Tagungsstätte war zugleich die Eröffnung einer Ausstellung, die sich der Geschichte des Gebäudes widmet, das nur von 1910 bis zu seiner Schändung 1938 als Gotteshaus diente.

Die multimediale Schau wurde vom Emil-Frank-Institut konzipiert. Dessen Direktor Reinhold Bohlen sagte, die Besucher sollten zum bewussten Begehen und Wahrnehmen der ehemaligen Synagoge eingeladen werden.Er erinnerte an die jüdische Gemeinde Wittlichs, aus der nur drei Mitglieder die Zeit des Nationalsozialismus überlebten. In Wittlich fanden die Juden dann keine Heimat mehr.
Vor diesem Hintergrund sei das Jubiläum 100 Jahre Synagoge nicht zum frohen Feiern bestimmt sondern zum Nachdenken.
Bürgermeister Joachim Rodenkirch mahnte zu Toleranz und Menschlichkeit über religiöse Grenzen hinweg. Die heutige Kultur- und Tagungsstätte sei auch Erinnerungsstätte, die gegen das Verdrängen und Vergessen der Geschichte wirke. Eine Synagoge, auch wenn sie nicht mehr als solche diene, gebe immer Anlass, sich der Menschen zu erinnern und schlage Brücken, sagte Benz Botmann, Vorsitzender der Jüdischen Kultusgemeinde Trier. Er zitierte den 1999 verstorbenen Vorsitzenden des Zentralrats der Juden in Deutschland, Ignatz Bubis. Er hatte anlässlich eines Besuchs in Wittlich gesagt: "Das Geheimnis der Erlösung hießt Erinnerung."

Auch Peter Waldmann, Vorsitzender des Landesverbandes der jüdischen Gemeinden von Rheinland-Pfalz, schloss sein Grußwort mit einem Zitat eines Deutschen, der Jude war: Heinrich Heine. "Ich hatte einst ein schönes Vaterland (...) Es war ein Traum. Das küsste mich auf deutsch, und sprach auf deutsch -Man glaubt es kaum wie gut es klang - das Wort: Ich liebe dich! - Es war ein Traum." Das Zitat belegte Waldmanns Ausführungen zu den tragisch zu nennenden Versuche deutschen Judentums, sich den Deutschen angleichen zu müssen, was Waldmann als ihre Suche nach Liebe beschrieb.

Die Festgäste applaudierten bewegt - auch der Musik: Moritz Reutlinger (Violoncello) und Martin Bambauer (Klavier) setzten auf die Sprache, die den Menschen unmittelbar berühren kann. Ihre musikalische Auswahl ließ sanfte Wehmut, Sehnsucht und Trauer ebenso anklingen wie hoffnungsvolle Heiterkeit und tänzerische Eleganz. Der Abend schloss als Gelegenheit zur Begegnung: Begegnung mit der Geschichte des Gebäudes aber vor allem der Menschen, die gekommen waren, dasselbe zu würdigen.

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