1. Region

Autor Clemens Beckmann sinniert in der Kolumne Auslese über die Mosel

Kolumne Auslese : Wie aus dem Bilderbuch!

 Zum zweiten Mal in diesem Jahr bin ich mit dem Auto von Bernkastel-Kues in den Raum Cochem gefahren – also von der Mittelmosel an die Untermosel. Ich hätte die Strecke über die Eifel oder den Hunsrück abkürzen können.

Aber ich bin natürlich an der Mosel entlang gefahren.

Bei der ersten Tour im April spielte das Wetter nicht mit. Regen war ein ständiger Begleiter. Trotzdem war die Fahrt nicht eintönig, weil wirklich, wie es Reiseführer anschaulich beschreiben, hinter jeder Biegung neue ­Ausblicke warten. Und die Mosel hat viele Windungen.

Die zweite Fahrt, Ende Oktober, machte aber mehr Spaß. Ein Tag wie aus dem Bilderbuch. Erst Nebel, dann Sonne, am Morgen auch noch nicht so viel Ausflugsverkehr. Bei Ürzig und Erden waren noch einige Winzer mit der Traubenlese beschäftigt, an der Untermosel war die Ernte bereits beendet. Überall hing aber noch das Laub an den Stöcken. Das Farbenspiel war irre. Ein Maler könnte es nicht besser auf seiner Leinwand einfangen. Viele Radfahrer, Jogger und Spaziergänger waren neben der Straße unterwegs. Sie mussten aufpassen, dass sie beim Blick auf die Pracht der Weinberge nicht vor Verzückung aus dem Tritt kamen.

Ich habe während der etwa 150 Kilometer (Hin- und Rückfahrt) auch einiges gesehen, was mir nicht gefiel. Warum ein Imbiss in der Nähe der Straße „Happy Holiday“ heißt, erschließt sich mir nicht. „Schöne Ferien“ klingt mindestens genauso gut. Auch manche Lichterkette am Straßenrand und an Lokalen hat schon bessere Zeiten gesehen und stößt mehr ab, als das sie anzieht. Und es gibt auch architektonische Sünden. Aber das ist alles natürlich Geschmackssache.

Es bleibt der Gesamteindruck eines bekennenden Moselaners: Wir leben in einer fantastischen Region, umgeben von einer tollen Kulturlandschaft, in der grandiose Weine produziert werden. Mein Tipp: Jeder Moselaner und jede Moselanerin sollte öfter einmal die jeweils anderen Moselabschnitte besuchen. Es lohnt sich, es erdet einen auch.

So habe ich als Kind der Mittelmosel gesehen, dass es auch an der Untermosel lohnenswerte Ziele, bezaubernde Orte - nicht nur das pittoreske Beilstein - und einladende Vinotheken gibt. Hätte ich in Anlehnung an Rudolf G. Bindings Novelle und den daraus entstandenen Film eine Moselfahrt aus Liebeskummer unternommen, wäre dieses Leid schnell beendet gewesen.

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