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| 22:57 Uhr

Regionale Wirtschaft
Akuter Fachkräftemangel: Azubis in der Region brechen immer häufiger ihre Ausbildung ab

Symbolbild
Symbolbild FOTO: dpa / Ralf Hirschberger
Trier/Mainz. Alarm im regionalen Handwerk: Die Betriebe kämpfen gegen Fachkräftemangel und Ausbildungsabbrecher. Laut den Kammern bieten Unternehmen deshalb jungen Menschen besondere Anreize. Von Florian Schlecht
Florian Schlecht

Wer in seinem trauten Heim das Dach richten lässt oder eine neue Heizung braucht, benötigt in der Region Trier oftmals einen langen Atem. Bis zu zehn Wochen kann es dauern, bis Arbeiter einen freien Termin finden, um den Auftrag zu erledigen, sagt Matthias Schwalbach von der Handwerkskammer (HWK) Trier.

Der schlichte Grund dafür ist der Fachkräftemangel. Was die Lage für Unternehmer noch schwerer macht: Immer häufiger brechen Auszubildende ihre Lehre ab – und fallen den Betrieben damit auch als dauerhafte Arbeitskräfte aus.

Nach dem jüngsten Berufsbildungsbericht löste gut jeder vierte Azubi im Jahr 2016 frühzeitig seinen Vertrag auf – der höchste Wert seit Anfang der 90er Jahre. Bei Dietmar Muscheid, Landeschef des Deutschen Gewerkschaftsbundes (DGB), schrillen da die Alarmglocken. Er sagt, je nach Branche herrsche hohe Unzufriedenheit unter Auszubildenden. Muscheid führt das auf „viele Überstunden, schlechte Bezahlung und mangelhafte Betreuung zurück“. Betriebe fordert er auf, mehr Ausbildungsplätze und bessere Bedingungen zu schaffen.

Geht es nach Matthias Schwalbach, ist das in Betrieben der Region schon längst der Fall, da auch der Konkurrenzdruck durch die Grenznähe zu Luxemburg bestehe. Der HWK-Geschäftsführer spricht von Unternehmen im Raum Trier, die übertariflich zahlen, gute Leistungen mit zusätzlichen Urlaubstagen belohnen oder den Führerschein ihrer Azubis bezahlen.

Für Schwalbach sind das Beispiele, warum in der Region Trier deutlich weniger Lehrlinge abbrechen als im bundesweiten Vergleich. Nach den Zahlen von Handwerkskammer und Industrie- und Handelskammer (IHK) Trier wurden im vergangenen Jahr 965 von 8548 gemeldeten Ausbildungsverhältnissen gekündigt. Ulrich Schneider von der IHK Trier verneint ebenfalls einen merkbaren Anstieg an Ausbildungsabbrüchen im Raum Trier und warnt davor, in den steigenden Zahlen einen Trend zu sehen.

„Es kommt immer wieder vor, dass ein Auszubildender mehrere Verträge unterschreibt, bevor er sich für einen Arbeitgeber entscheidet“, sagt Schneider im 20-seitigen Wirtschaftsmagazin Macher, das dem Trierischen Volksfreund heute zusätzlich beliegt. Angesichts des Fachkräftemangels sei es für Auszubildende darüber hinaus einfacher, eine Stelle zu wechseln.

Für Schwalbach ist klar: „Wir kämpfen um jede Seele.“ Beide Kammern schätzen, dass ihren Unternehmen momentan mehr als 2000 Kräfte fehlen. Damit sich junge Menschen orientieren können, gehen die Kammern in Schulen, bieten Messen an, lassen Azubis von ihrer Arbeit bloggen. Coaches kümmern sich um Jugendliche und begleiten sie durch die Ausbildungszeit.

Den Weg geht das Land auch bei Flüchtlingen, bei denen es hohe Abbrecherquoten gebe. Schwalbach rechnet zum Beginn des kommenden Lehrlingsjahres mit einem deutlichen Zuwachs an Azubis aus Syrien und Afghanistan, von denen viele nach ihrer Flucht aus den Heimatländern nun die Ausbildungsreife erworben hätten.