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Bahn filmt Reisende im Zug

TV-Archiv-Foto: Monika Kewes
TV-Archiv-Foto: Monika Kewes
Mainz. Reisende unter Beobachtung: Die Deutsche Bahn führt Ende des Jahres im Regionalzug Koblenz-Trier-Perl eine Video-Überwachung ein. Eine solche gibt es bislang im Land nur auf der Strecke Köln-Koblenz-Mainz der Trans Regio AG.

(fcg) Fotos von Häusern im Internet, Kameras in Einkaufscentern und in Zügen: Immer mehr Menschen werden an immer mehr Orten beobachtet. Kürzlich sorgte der Internet-Konzern Google mit seinem geplanten Dienst "Street View"("Straßensicht"), bei dem Straßen und Häuser fotografiert und die Bilder ins Internet gestellt werden, für Aufsehen. Datenschützer zeigen sich alarmiert und warnen vor Eingriffen in die Privatsphäre. Nun bestätigt die Bahn auf TV-Anfrage, dass künftig auch in ihren Regionalzügen gefilmt werden soll.

"Wir starten mit dem Fahrplanwechsel im Dezember eine Video-Überwachung im Zug von Koblenz über Trier nach Perl", sagt Bahn-Sprecher Bernd Honerkamp. Von Wellen bis Perl verkehrten allerdings noch bis August 2010 Busse. Laut Honerkamp folgt die Bahn den in der Ausschreibung für das Befahren der Strecke gestellten Bedingungen. "Das ist aber auch im Interesse der Bahn", sagt Honerkamp. So könnten durch die Video-Überwachung Sachbeschädigungen vermieden werden. Für die neuen Fahrzeuge im Westpfalz-Netz seien ebenfalls bereits Kamera-Vorrüstungen vorgesehen. Entgegen anderslautenden Gerüchten würden die Zugbegleiter nicht abgeschafft, stellt Honerkamp klar.

Der Datenschutzbeauftragte des Landes, Edgar Wagner, betrachtet die um sich greifende Überwachung skeptisch. Er verlangt, dass die Menschen zumindest mit Schildern auf die Kameras hingewiesen werden müssten. Das sei häufig nicht der Fall. Wagner sieht generell deutliche Unterschiede im Datenschutz im Vergleich zu Ländern wie England, wo viele öffentliche Straßen und Plätze überwacht würden. Er verlangt aber, das seit 1977 existierende Bundesdatenschutz-Gesetz "dringend zu überarbeiten". Die persönlichen Rechte Betroffener müssten stärker gesichert werden. Das gelte insbesondere für das Internet. "Neue Technologien bringen große Vorteile, bergen aber auch unendliche Risiken", begründet Wagner. Die größte Gefahr droht den Bürgern nach Ansicht des Datenschutzbeauftragten "durch ihre eigene Nachlässigkeit". Daten würden "sorglos preisgegeben", etwa bei Kundenkarten in Kaufhäusern.





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