1. Region

Bahnfahren soll moderner und umweltfreundlicher werden

Verkehr : Bahnfahren ohne Ticket zu kaufen

In den Zug einsteigen, ohne sich vorher eine Fahrkarte besorgt zu haben. Das soll im nächsten Jahr auf einigen Strecken in der Region möglich sein. Außerdem sollen die Züge auf der Eifelstrecke umweltfreundlicher werden. Statt mit Diesel sollen sie mit Strom fahren. All das hat der Zweckverband SPNV Nord beschlossen.

Bahnfahren in der Region soll schneller, umweltfreundlicher und moderner werden. Das hat der Zweckverband Schienenpersonennahverkehr (SPNV) Nord entschieden. Mittelfristig sollen auf den Bahnstrecken zwischen Bullay und Traben-Trarbach, die sogenannten Moselweinbahn, und der Eifelstrecke zwischen Trier, Gerolstein und Köln statt wie derzeit Diesel- Elektrozüge fahren. Ohne eine Umstellung von Diesel- auf Elektrozüge sei weder auf der Strecke der Moselweinbahn noch auf der Eifelstrecke mittelfristig eine Verbesserung des Angebots möglich, waren sich die Zweckverbandsmitglieder bei ihrer Sitzung in Koblenz einig. So könnte es dann etwa Direktzüge von Koblenz nach Traben-Trarbach geben. Auf der Eifelstrecke sollen sich die Fahrzeiten zwischen Trier und Köln erheblich verkürzen.Dazu müssten die Strecken erst einmal unter Strom gesetzt werden. Was bei der rund zehn Kilometer langen Moselweinbahn vielleicht noch machbar und finanzierbar ist, stellt sich bei der Eifelstrecke aber als eine kaum realisierbare Herausforderung dar. 160 Kilometer lang ist die Strecke von Trier in die nordrhein-westfälische Domstadt. Wegen vieler Tunnel und Steigungen erscheint eine durchgängige Elektrifizierung wirtschaftlich kaum zu realisieren sein. Über 500 Millionen Euro müssten nach Schätzung von Experten dafür veranschlagt werden. Wie hoch die Kosten dafür wirklich sind, das kann Zweckverbandschef Thorsten Müller nicht sagen. Es gebe dafür noch keine Berechnungen, sagt er im Gespräch mit unserer Zeitung. Der SPNV Nord ist in Zugzwang. Nordrhein-Westfalen will seinen Teil der Eifelstrecke von Köln bis Kall durchgängig elektrifizieren und dort einen S-Bahn-Verkehr einrichten. „Die Eifel darf nicht abgehängt werden“, sagt Müller. Doch ohne einen Ausbau der Strecke und dem Einsatz schnellerer Züge würden die Verbindungen von Trier nach Gerolstein im wahrsten Sinne den Anschluss verlieren. Schnellere Züge, kürzere Fahrzeiten und Verbindungen im Stundentakt sind ab auf der Eifelstrecke nur möglich, wenn leistungsstärkere Elektrozüge eingesetzt werden. Beim SPNV Nord gibt es daher seit geraumer Zeit Überlegungen, statt komplette Strecken zu elektrifzieren, auf alternative Antriebsformen bei den Zügen zu setzen, diese also nicht auf externe Stromversorgung angewiesen sind. Als vielversprechend bezeichnet Zweckverbandschef Thorsten Müller den Wasserstoffantrieb und den Antrieb mit Batterien. Letztere hätten, so Müller, den Vorteil, dass sie antriebsstark seien, was gerade auf der von Trier aus gesehen steilen Eifelstrecke wichtig ist. Und beim Einsatz der batteriebetriebe Zügen müsste nicht die komplette Strecke unter Strom gesetzt werden. In Tunneln oder an Abschnitten, wo Oberleitungen nur schwer zu installieren sind, könnten die Züge dann mit Batteriekraft betrieben werden. Bereits im vergangenen Jahr entschied der Zweckverband zu prüfen, wie das Angebot auf der Eifelstrecke verbessert werden kann. In seiner jüngsten Sitzung stimmten die Mitglieder einstimmig für eine Machbarkeitsstudie. Gemeinsam mit dem Verkehrsverbund Nahverkehr Rheinland auf nordrhein-westfälischer Seite soll nach Möglichkeiten gesucht werden, die Eifelstrecke attraktiver zu machen. Ein Punkt dabei ist die Elektrifizierung. Der Ausbau der Strecke soll laut Müller bis spätestens 2033 abgeschlossen sein. Dann endet die derzeitige Vergabe für das sogenannte Kölner Dieselnetz, zu der die Eifelstrecke gehört. Bei der Moselweinbahn drängt die Zeit für den Ausbau sogar noch etwas mehr. Ab 2029 müssen auf dieser Strecke die Leistungen neu vergeben werden. Bereits gestartet ist die Ausschreibung für die grenzüberschreitenden Bahnverbindungen nach Frankreich. Neben einem verbesserten Angebot von der Pfalz und dem Saarland aus soll es ab 2024 auch von Trier aus im Zweistundentakt durchgängige Verbindungen nach Metz geben. Die Züge sollen zusätzlich zu den stündlichen Regionalbahnen auf der Obermoselstrecke fahren. Neben einem besseren Angebot auf den Bahnstrecken in der Region soll Bahnfahren und der Fahrkartenkauf einfacher werden. Mit dazu beitragen soll ein im kommenden Sommer startendes Pilotprojekt mit dem Namen Check-In/Be-Out starten. Dadurch kann für Smartphonenutzer der für viele Gelegenheitsbahnfahrer oft komplizierte Ticketkauf am Automaten entfallen. Wer das System nutzen will, muss sich vorher eine entsprechende App auf sein Handy laden. Sobald sie dann in den Zug einsteigen, erhalten die Nutzer automatisch eine elektronische Fahrkarte. Steigen sie aus dem Zug aus, berechnet die App die Fahrstrecke und den (laut Zweckverband immer günstigsten) Preis.

Dieser wird dann automatisch über ein elektronisches Zahlungssystem vom Konto des Nutzers abgebucht. Mit dem System, das in Zügen zwischen Trier und Koblenz, Bullay und Traben-­Trarbach, Trier und Wasserbillig sowie zwischen Trier und Perl getestet werden soll, müssten sich Kunden keine Gedanken mehr über Tarife machen, sagt Müller. Mit dem Test wolle man Erfahrungen sammeln und danach das System womöglich auch auf anderen Strecken einsetzen.