Bankraub: Schoss Polizei auf den Falschen?

Bankraub: Schoss Polizei auf den Falschen?

Statt den Täter haben Polizisten am Mittwochmorgen nach einem Banküberfall in Großlittgen (Kreis Bernkastel-Wittlich) vermutlich einen Unschuldigen angeschossen. Ein 37-jähriger Belgier ignorierte eine Polizeikontrolle, daraufhin fielen mehrere Schüsse auf das Fahrzeug. Der Mann wurde verletzt.

Foto: Sonja Sünnen, Siko

Großfahndung nach einem Banküberfall am Mittwochmorgen auf die Sparkasse in Großlittgen: Die Straßen rund um den 1000-Einwohner-Ort in der Eifel werden bereits zehn Minuten später von Polizisten kontrolliert. Auch zwei Beamte der Polizeiinspektion Schweich sind mit einem Zivil-Wagen im Einsatz, als sie auf der Kreisstraße40 einen schwarzen Citroën-Kastenwagen mit belgischem Kennzeichen in Richtung Dodenburg fahren sehen. Sie wollen das Fahrzeug kontrollieren, doch der Fahrer hält nicht an. Einer der Beamten schießt mehrmals auf den Kastenwagen. Der 37-jährige Belgier am Steuer wird an der Schulter getroffen. Er fährt weiter nach Dodenburg – das Dorf liegt gut 20 Kilometer von Großlittgen entfernt. Dort klingelt er an einem Haus, sucht Hilfe. Es ist zufällig das Haus des Bürgermeisters. Der ruft sofort die Polizei. Ein Rettungshubschrauber bringt später den Belgier nach Trier in ein Krankenhaus, wo er noch am Nachmittag operiert und ihm die Kugel aus dem Schulterblatt entfernt wird.

Bei dem Verletzten handelt es sich allerdings wohl nicht um den Bankräuber, der am Morgen, bewaffnet mit einer Spielzeugpistole, rund 300 Euro Münzgeld erbeutet hat. Es spreche viel dagegen, sagt der Leitende Oberstaatsanwalt Horst Roos. Der Bankräuber habe nach Auskunft der beiden Sparkassenmitarbeiter perfektes Hochdeutsch gesprochen, der Angeschossene spreche hingegen nur gebrochen Deutsch. Auch wurde keine Beute in dem Wagen des Belgiers gefunden. „Es besteht derzeit kein Verdacht gegen den Mann“, sagt Roos. Vermutlich hat die Polizei also den Falschen getroffen. Endgültige Klarheit soll eine DNA-Analyse bringen. Eine Speichelprobe des Verletzten wird mit Spuren der am Tatort zurückgelassenen Spielzeugpistole verglichen. Bis Ende der Woche soll ein Ergebnis vorliegen, sagt Roos.
Der Belgier konnte bislang noch nicht vernommen werden. Er befinde sich aber nicht in Lebensgefahr, sein Gesundheitszustand sei stabil, heißt es. Die beiden Polizeibeamten haben sich bislang nicht zu dem Vorfall geäußert, sie machen von ihrem Schweigerecht Gebrauch. Roos vermutet, dass der Belgier nicht gewusst hat, dass er kontrolliert werden sollte, da er die beiden Zivilbeamten nicht als Polizisten erkannt habe.
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