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Bargeld bleibt beliebt bei Kunden und Händlern

Verbraucher : Viele Kunden und Händler in der Region setzen weiter auf Bargeld

Kartenzahlung ist bei vielen Deutschen noch immer verpönt. Handelskammer: „Wir stehen noch am Anfang der Entwicklung.“

Sonntagmorgen, sechs Brötchen beim Bäcker um die Ecke kaufen. Wohl kaum einer käme auf die Idee, diese mit Karte zu zahlen, falls überhaupt die Möglichkeit dazu besteht. Die Mehrheit der Deutschen (77 Prozent) zahlt den Einkauf fast ausnahmslos in bar.

 Vor allem bei kleineren Beträgen greifen die Menschen lieber zu Scheinen und Münzen. Zumal laut einer aktuellen Studie der Bundesbank die durchschnittliche Barzahlung an der Ladenkasse schneller erledigt ist als das Zahlen mit Karte und der Eingabe der Geheimzahl.

Die Deutschen hängen am Bargeld wie keine andere Nation. „Wichtigstes Zahlungsmittel ist im Einzelhandel immer noch das Bargeld“, sagt Sebastian Klipp, Sprecher der Trierer Industrie und Handelskammer (IHK). Fast 50 Prozent des Umsatzes im deutschen Einzelhandel werden mit Bargeld gemacht. Umgerechnet auf die Region bedeutet dass, dass rund 1,5 Milliarden Euro pro Jahr bar in die Ladenkassen gehen.

In Norwegen und Schweden wurde Bargeld fast vollständig abgeschafft. Selbst kleinste Beträge werden dort bargeldlos beglichen. Sogar auf Märkten etwa in Italien kann man bei fast jedem Händler mit Karte zahlen. Auch in den Niederlanden wird fast ausschließlich so bezahlt. Was wiederum viele niederländische Touristen in der Region vor Probleme stellt, weil sie oft ohne Bargeld unterwegs sind und dann noch nicht einmal am Parkautomaten zahlen können, weil die wenigsten für Kartenzahlung ausgerüstet sind.

Das bargeldlose Zahlen sei ein wichtiges Thema für die Händler in der Region, sagt IHK-Sprecher Klipp. „Wir stehen aber erst am Anfang der Entwicklung.“ Vor allem bei jungen Kunden sei ein Trend zum bargeldlosen Bezahlen zu erkennen. Diese nutzten Bargeld nur noch zu 73 Prozent, EC-Karten bereits zu 72 Prozent.

„Die Bedeutung von bargeldlosen Zahlverfahren hat mit der Einführung unterschiedlicher Angebote nochmals zugenommen“, sagt Irene Mees von der Kreissparkasse Bitburg-Prüm. Neben den bekannten Zahlverfahren könne man nun auch mit dem Smartphone zahlen.  „So wird das Smartphone zur digitalen Geldbörse“, sagt Mees. Mittlerweile seien rund 75 Prozent aller Lesegeräte bei Händlern auf diese  Zahlungsmöglichkeit ausgerichtet. Inhaber kleinerer Geschäfte scheuen vor der Anschaffung entsprechender Lesegeräte auch aus Kostengründen zurück. Neben den monatlichen Kosten sind pro Zahlung mit EC-Karte Gebühren fällig, im Schnitt 0,3 Prozent des Kaufpreises. Laut Bundesbank sind die Transaktionskosten für Bargeld – beispielsweise für das Einzahlen bei der Bank – für die Händler billiger. Bundesverbraucherministerin Katarina Barley (SPD) sieht dennoch in den neuen, digitalen Bezahlmethoden viele Vorteile für Kunden und Händler. Trotzdem müssten Verbraucher weiterhin die Möglichkeit haben, bar zu zahlen. „Wir dürfen nicht gezwungen werden, Datenspuren zu hinterlassen, wo es nicht unbedingt nötig ist“, sagt die aus Schweich stammende Politikerin.

Irene Mees von der Kreissparkasse Bitburg-Prüm verweist auf die hohen Sicherheitsstandards beim mobilen Bezahlen. „Dazu zählt auch, dass persönliche Daten wie Name oder Adresse nicht übermittelt werden.“

Viele Experten halten übrigens gerade in Bäckereien oder Metzgereien das bargeldlose Zahlen für dringend notwendig – aus hygienischen Gründen, weil so die Verkäufer nicht mit dem mit Bakterien behafteten Geld in Berührung kommen.

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