Behandlungserfolge der Herzchirurgen im Trierer Brüderkrankenhaus sind bundesweit beachtet.

Bundesweite Beachtung für Trierer Herzchirurgen : Sechs Monate nach Bypass-OP wieder fit für den Silvesterlauf

Sechs Monate nach seiner Bypass-Operation im Trierer Brüderkankenhaus hat ein Rentner aus der Eifel beim Silvesterlauf teilgenommen. Die Behandlungserfolge der Trierer Herzchirurgen sind bundesweit beachtet.

Manfred Schermann wollte unbedingt beim Halbmarathon in Luxemburg starten. Die Atemnot, die den Rentner aus der Eifel zu dieser Zeit vor zwei Jahren seit längerem plagten, sollten in nicht davon abhalten. Körperlich fühlte sich der passionierte Läufer fit. Also sollte dem Laufevent im Nachbarland nichts im Wege stehen. Doch kurz vor dem Start zeigte ein Kardiologe in Daun mit dem Daumen nach unten. Wenn Schermann an dem Halbmarathon teilnähme, könnte es sein letzter Lauf sein, habe er ihm gesagt.  „Das Risiko, dass Sie diesen Halbmarathon nicht überlebt hätten, war sehr hoch“, bestätigt auch Ivar Friedrich. Er ist Leiter der Herzchirurgie im Trierer Brüderkrankenhaus. Friedrich hat dem Rentner aus Eckfeld (Bernkastel-Wittlich) vermutlich das Leben gerettet. Schermann habe kurz vor einem schweren Herzinfarkt gestanden, sagt Friedrich.

Mehrere Herzgefäße waren bei dem Rentner, der drei Jahrzehnte lang beruflich in der ganzen Welt unterwegs war, verengt. Ruhe habe er sich dabei nicht gegönnt, erzählt der gelernte Maschinenbauer. Ungesundes Essen, wenig Schlaf hätten dazu beigetragen, dass sein Körper zum Wrack geworden wäre. Mit 60 zog er die Reißleine, stieg der zweifache Vater aus dem Job aus. Laufen wurde seine neue Passion. Bis ihn im Sommer 2017 sein Herz ausbremste.

Friedrich machte Schermann damals klar, dass es keine Alternative zu einer Operation gebe. Eines der Gefäße ließ sich weder mit Medikamenten noch mit einem Herzkatheter wieder freibekommen. Es hätte nicht mehr lange gedauert, bis dieses völlig verschlossen gewesen wäre. Er sei völlig geschockt gewesen. „Das kann doch nicht sein. Ich, einen Herzinfarkt?“ habe er sich gedacht, sagt der Rentner.

„Ich habe schon ein mulmiges Gefühl gehabt“, erinnert sich der heute 68-jährige Schermann an den Mai 2017 als der Eingriff kurz bevor stand. Trotz des Risikos der Operation habe der Chefarzt ihm die Angst genommen. „Ich hatte vollstes Vertrauen in ihn und sein Team.“

Vier Stunden dauerte die von Friedrich geleitete Operation, in der Schermann am 11. Juni vor zwei Jahren vier Bypässe gelegt wurden.

Bypass bedeutet übersetzt „Umgehung“, in diesem Fall die Umgehung  von eingeengten Blutgefäßen. Für Bypässe werden Arterien oder Venen aus dem Körper des Patienten verwendet. Es handelt sich um einen größeren Eingriff. Das Brustbein wird über die gesamte Länge gespalten, um Zugang zum Herzen  zu erhalten. Der Patient wird während der Operation mit der Herz-Lungen-Maschine verbunden, die die Sauerstoffversorgung des Körpers übernimmt. Bei Schermann wurde die Vene aus seiner rechten Wade entnommen und als Bypässe verwendet.

Das Legen von Bypässen zählt zu den Hauptaufgaben der Herz- und Thoraxchirurgie im Trierer Brüderkrankenhaus. Die 15 Ärzte in der Abteilung decken das gesamte herzchirurgische Behandlungsspektrum ab, etwa die Reparatur und der Ersatz von Herzklappen, Operationen an der Hauptschlagader oder die Implantation von Herzschrittmachern. Über 700 Patienten werden pro Jahr von ihnen behandelt.

Erst kürzlich wurden die Behandlungsergebnisse der Trierer Herzchirurgie in einem Vergleich aller 80 herzchirurgischen Kliniken als überdurchschnittlich bewertet. Untersucht wurde die Sterblichkeit der behandelten Patienten. Im Trierer Brüderkrankenhaus würde alle Herzpatienten 30 Tage nach ihrem Eingriff kontaktiert und befragt, sagt Friedrich, der stolz ist auf die Ergebnisse der Studie. Vor allem bei Bypass-Operationen erlangen die Trierer Herzchirurgen einen bundesweiten Spitzenplatz. Während deutschlandweit einen Monat nach einer Bypass-Operation im Mittel 3,3 Prozent der Patienten verstarben,  liegt die Sterblichkeit in Trier bei 0,31 Prozent. Bei Operationen, bei denen gleichzeitig Herzklappe erneuert und  Bypässe gelegt werden,  gab es laut der Studie im vergangenen Jahr im Trierer Brüderkrankenhaus keinen Todesfall. Friedrich, der die Herzchirurgie seit 2010 leitet, führt den Erfolg auf immer besser werdende Behandlungsmethoden, stärkeres Qualitätsmanagement und ein ständiges Überprüfen aller Eingriffe. Bei jedem Patienten, sagt Friedrich, müsse das Risiko des Tuns und das Risiko des Nichttuns abgewägt werden. Ziel müsse es sein, dass es ihm nach der Operation besser gehe als vorher, er im Idealfall länger lebe.

Das höchste Risiko für Herzerkrankungen beginne in der Regel mit Mitte 50 und gehe bis weit über das 80. Lebensjahr hinaus.

Der Eifeler Schermann war mit Mitte 60 also ganz klar in der Risikogruppe. Auch wenn er sich bis dahin gesund gefühlt hat und den Gedanken an einen Herzinfarkt immer verdrängt hatte.

Seine Bypass-Operation hat Schermann gut überstanden. Zwei Stunden danach sei er schon aus dem Bett aufgestanden. Zwölf Tage danach sei er in die Reha gekommen. Sein Ziel sei es immer gewesen, möglichst schneller wieder auf die Beine zu kommen, sagt der 68-Jährige. Und auf die Beine kommt, meint er wörtlich. Er wollte so schnell wie möglich wieder mit dem Laufen beginnen. Während der dreiwöchigen Reha begann er mit leichtem Training. Vier Monate nach dem Eingriff begann Schermann mit dem Aufbautraining. Sein Ziel war,  die Teilnahme am Trierer Silvesterlauf 2017.  Es sollte sein fünfter Lauf durch die Trierer City zum Jahresende werden. Und der Rentner schaffte es tatsächlich. Acht Kilometer in 44,01 Minuten. Und das sechs Monate nachdem ihm vier Bypässe gelegt worden sind und ihm wohl das Leben gerettet haben. „Ich bin überzeugt, dass ich ohne den Eingriff nicht überlebt hätte“, sagt der 68-Jährige. Dadurch sei ihm ein neues Leben geschenkt worden.

Ivar Friedrich, Leiter der Herzchirurgie im Trierer Brüderkrankenhaus, erläutert dem Patienten Manfred Schermann wie der Eingriff bei ihm verlaufen ist. Dem Rentner wurden vier Bypässe gelegt. Foto: Bernd Wientjes

Schermann sei ein Beispiel dafür, was die Herzchirurgie leisten kann. Wenn durch die Bypässe wieder ein reibungsloser Blutfluss im Herzen hergestellt werden könne, beginne für die meisten Patienten eine neue Phase, sagt Friedrich. „Viele können dann zum ersten Mal seit Jahren wieder richtig aktiv werden“ Vielleicht muss nicht jeder so aktiv werden wie Schermann.  Der läuft  noch immer, plant die Teilnahme an weiteren Halbmarathon-Läufen. Und das jetzt ohne Atemnot.

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