| 17:03 Uhr

Wein
1000 Euro für eine Flasche Doctor

Zuschlag für einen Bieter: 43-mal muss Auktionator Wolfgang Beiss zum Hammer greifen.
Zuschlag für einen Bieter: 43-mal muss Auktionator Wolfgang Beiss zum Hammer greifen. FOTO: Friedhelm Knopp
Trier. Bei der Riesling Auktion 2018 des Bernkasteler Ring e.V. haben am Samstag in Trier mehr als 10 800 Flaschen Spitzenwein den Besitzer gewechselt.

„Das läuft sehr gut heute“, sagt Ring-Vorsitzender Martin Kerpen kurz nach Auktionsbeginn in der mit rund 180 Gästen besetzten Trierer IHK-Kongresshalle. Schon mehrfach hat der Schweizer Fachauktionator Wolfgang Beiss den Hammer fallen lassen. Die Gebote kommen von  von den vier Kommissionären, die im Auftrage der hinten sitzenden Kunden arbeiten.  Als erste waren 240 Flaschen  2016er Bremmer Calmont Fachkaul vom Weingut Franzen zum Einzelpreis von 20 Euro angeboten – rausgegangen ist das Große Gewächs Bernkasteler Ring für je 45 Euro. Und schon an sechster Stelle folgt der Spitzenreiter des Tages: 178 Flaschen Bernkasteler Doctor vom Weingut Marcus Molitor. Mit 200 Euro pro 0,75 Liter stand die 2016er Riesling Auslese im Katalog. Der trockene Wein ist zusätzlich mit 100 Parker-Punkten bewertet ­– ein besonderes Plus.  Dann zum Ersten, zum Zweiten, zum Dritten: Bei 1000 Euro fällt der Hammer unter dem Applaus der Gäste.

Das Kellnerteam eilt mit der nächsten Probe durch die Sitzreihen, während die Kommissionäre wieder mit dem Bieten beginnen. Auktionator Beiss umreißt dabei kurz die Charakteristika jeden Weins und seiner Lage. Etwa zu einer Zeltinger Sonnenuhr Auslese von Albert Gessinger: „100-jährige Reben auf der heißesten Parzelle rund um die Sonnenuhr“.

Ring-Geschäftsführerin Katja Fehres: „Unser Kundenkreis ist international, kommt aus USA, Japan, Italien, Russland, Benelux und natürlich auch aus Deutschland.“ Und wer legt solche Summen für Weine an? „Liebhaber, Feinschmecker, Sammler und  Fachhändler“ sagt Fehres. Die meisten Kunden seien persönlich nach Trier gereist. Nur elf Käufer würden diesmal aus der Ferne über die Kommissionäre mitbieten. Die meisten hier seien Stammkunden, aber insbesondere von den Winzern würden auch immer neue Interessenten angeworben. Und sie fügt hinzu: „Alle kommen  bestens vorbereitet hierher und gehen ganz gezielt in die Auktion.  Die wollen sich nicht nur ein paar schöne Tage in Trier machen.“

Große Weine erleben wollen Robert Franzen aus Zeltingen  und Roland Jakoby aus  Erden. „Das ist hier eine sehr gute Präsentation mit einem breiten Angebotsspektrum, weil auch Saar- und Ruwerweine dabei sind“, sagt Franzen. Für die beiden Wein- und Weinbaukenner hat schon der Name der anbietenden Kellereien  Aussagekraft, denn „manche haben garantiert  jedes Jahr einen guten Keller, bei anderen schwankt die Qualität je nach Jahrgang“.

Zielstrebig arbeiten sich Auktionator und Kommissionäre durch die Liste mit den 43 Weinen. Regelmäßig brandet Beifall auf, wenn wieder die 100-Euro-Marke erreicht oder überschritten ist. Wer hier mitbietet, will Geld anfassen für absolute Spitzenqualität.

Nach zweieinhalb Stunden haben alle 43 Weine im Ausgebot den Besitzer gewechselt. Im Gespräch mit dem TV zieht Ring-Vorsitzender Kerpen eine kurze Bilanz: „Das war gemessen an den Preisen und der Qualität eine sehr gute Auktion. So haben es auch unsere Kunden gesehen. Dafür spricht auch, dass heute erstmals ein trockener Wein mit 100 Parker-Punkten im Ausgebot stand.“ Selbst  nach Meinung der erfahrenen  Kommissionäre sei diese Versteigerung  „die beste der vergangenen Jahre“ gewesen.

Die obligatorische Probe von jedem zur Versteigerung aufgerufenen Wein.
Die obligatorische Probe von jedem zur Versteigerung aufgerufenen Wein.