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Beten statt Verbot

Beten statt Verbot

„Wir lassen uns das Beten nicht verbieten“ steht auf dem Transparent, vor dem sich rund 100 Ehranger Bürger auf Initiative der Pfarrgemeinde St. Peter vor dem Heidetor versammelt haben. Und tatsächlich machten sich an Aschermittwoch mehr als 40 von ihnen auf den Weg die gesperrten Treppen hinauf zur frisch renovierten Heidekapelle.

Primel, Stiefmütterchen und Schneeglöckchen blühen vor den Stelen aus Sandstein mit den kupfernen Kreuzigungsbildern. Mehr als 40 Gläubige gehen den Heide-Kreuzweg – verbotenerweise, denn der ist seit April 2008 gesperrt. Alle 14 Stationen des Kreuzweges gehen sie betend ab, angeführt von Laien. „Eine Besonderheit“, wie Pastor Markus Nicolay betont. Genauso wie das tägliche Kreuzwegbeten von Aschermittwoch bis Karfreitag.

Die Stadt sieht sich außerstande, den Kreuzweg für diese Prozessionen in der Fastenzeit zu öffnen (der TV berichtete). Nach Angaben von Baudezernentin Simone Kaes-Torchiani lägen Fachgutachten vor, die eine dringliche Gefahr durch morsche Bäume am Wegrand bescheinigen. Doch aufgrund der Eigentümerverhältnisse könne die Stadt nicht unverzüglich handeln. Zudem sind einige Treppenstufen zerbrochen und nicht mehr begehbar. Gegen die Sperrung protestieren rund 100 Ehranger in einer Demonstration am Heidetor, zu der die Pfarrei St. Peter aufgerufen hat.

Inzwischen habe sich eine Privatinitiative gegründet, die die Eigentümer ausfindig machen will, berichtet der Pastor. Denn der Kreuzweg ist zugleich die einzige fußläufige Verbindung zum Wohngebiet auf der Heide. Etliche Bewohner seien darauf angewiesen, sagt Anliegerin Liane Arimond. besonders morgens, abends und am Wochenende, wenn keine Busverbindung besteht. „Wenn bei Hochwasser die Oberstraße gesperrt ist, laufen alle diesen Weg.“ Um die Treppe instand zu setzen, hat der Ortsbeirat in seinen Stadtteilbudgets 2008 und 2009 insgesamt 25000 Euro bereit gestellt. Am heutigen Abend möchte eine Delegation aus Ehrang ihre Forderungen im Stadtrat vorbringen.

„Ich bin hier, weil ich mit meinen Kindern gerne hinauf in den Wald gehe“, sagt Simone Harff (32) aus der Fröhlicherstraße. Im Sommer würden viele Wanderer diesen Weg nutzen. Er ist Teil des Karl-Kaufmann-Weges durch die Eifel nach Trier und seit kurzem auch Jakobus-Pilgerweg der Matthias-Pilger. „Mit all diesen Gruppen bekunden wir unsere Solidarität“, verkündet Nicolay.

„Ich bin unbedingt dafür, dass der Weg instand gesetzt wird, um den Kreuzweg zu beten“, sagt Klara Lamberty aus der Oberstraße. Die 79-Jährige sei ihn früher oft gegangen – auch alleine. Eine Jahrhunderte alte Tradition werde unterbrochen, kritisiert Nicolay. „Ich befürchte, dass diese Tradition abbrechen könnte.“