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Billen gewinnt CDU-Duell klar gegen Weinandy

Anerkennung für den Wahlsieger: CDU-Spitzenkandidatin Julia Klöckner gratuliert Michael Billen. Foto: Klaus Kimmling
Anerkennung für den Wahlsieger: CDU-Spitzenkandidatin Julia Klöckner gratuliert Michael Billen. Foto: Klaus Kimmling
Bitburg. 566 von 881 Stimmen: Mit 64 Prozent hat sich Michael Billen beim Kreisparteitag der CDU Bitburg-Prüm klar durchgesetzt gegen Herausforderin Mathilde Weinandy aus Prüm.

(sey) Einen derartigen Ansturm auf einen Parteitag hat die Bitburg-Prümer CDU noch nie erlebt. Rund 900 Delegierte, mehr als die Hälfte der CDU-Mitglieder im Eifelkreis, waren am Montagabend in die Bitburger Stadthalle gekommen, um beim politischen Duell des Jahres dabei zu sein und den Ausgang mitzubestimmen. Das Besondere: Jedes CDU-Mitglied war wahlberechtigt.

Eine weitere Besonderheit: Die CDU-Spitzenkandidatin und designierte Parteichefin Julia Klöckner war selbst nach Bitburg gereist, um Billen-Herausforderin Mathilde Weinandy zu unterstützen. "Wir brauchen eine geschlossene CDU, um glaubwürdig zu sein", sagte die 37-Jährige. Die Aussichten der CDU bei der Landtagswahl im März nächsten Jahres seien gut. Aber eben nur ohne den seit der Polizeidaten-Affäre umstrittenen Michael Billen. "Wir müssen den Elfmeter nur noch verwandeln und dürfen dabei nicht von eigenen Leuten, die im Torraum stehen, behindert werden", sagte Klöckner und fügte hinzu: "Wollen wir etwa zulassen, dass die SPD Billen benutzt, um gegen uns Stimmung zu machen?!"

Dafür erntete Klöckner Buh-Rufe und Pfiffe von den Billen-Anhängern und Applaus von der Gegenseite. Dass die Befürworter der 59 Jahre alten Prümer Stadtbürgermeisterin an diesem Abend in der Minderheit waren, schwante schon vor der Abstimmung auch Klöckner. "Sie sehen doch, wie die Stimmung hier im Saal ist", sagte sie im Gespräch mit unserer Zeitung. Eine Prognose, die sich gegen 23 Uhr bestätigte: Der Kaschenbacher Landtagsabgeordnete tritt nach 1996, 2001 und 2006 im nächsten März erneut als CDU-Direktkandidat im Eifelkreis Bitburg-Prüm an. 566 CDU-Mitglieder, rund 64 Prozent, stimmten für Michael Billen. Mathilde Weinandy kam auf 315 der 881 gültigen Stimmen. "Jetzt wird erst einmal richtig gefeiert", sagte ein sichtlich glücklicher Gewinner. Julia Klöckner sagte, sie werde die Entscheidung der Basis respektieren.

Lesen Sie hier in unserem Parteitags-Stenogramm alles über den spannenden Wahlabend in Bitburg

So geht's weiter

Bitburg. (sey) Seit Montagabend steht fest, wer als Direktkandidat der Bitburg-Prümer CDU bei der Landtagswahl im kommenden Jahr an den Start geht. Doch bis zum Wahlsonntag, dem 27. März 2011, sind es noch knapp neun Monate. Und erst dann steht fest, welchen Direktkandidaten der Einzug in den Mainzer Landtag geglückt ist.

Für die Wahl ist das Land in vier Bezirke mit 51 Wahlkreisen unterteilt. Heißt: 51 Direktkandidaten ziehen in den Landtag ein. Wer in seinem Wahlkreis die meisten Erststimmen erzielt, bekommt das Mandat. Zieht ein Bewerber beim Direktmandat den Kürzeren, kann ihm immer noch über den Umweg Listenplatzierung der Sprung in den Landtag (insgesamt 101 Abgeordnete) gelingen. Deshalb sind auch fast alle Direktkandidaten darauf aus, auf den jeweiligen Parteilisten gut platziert zu werden.

Bei der rheinland-pfälzischen CDU (errang bei der letzten Landtagswahl 18 Direktmandate; 20 Parlamentarier wurden über die Liste gewählt) wird zunächst in jedem der vier Bezirke eine Bezirksliste aufgestellt. Im hiesigen Wahlbezirk konkurriert am 2. September der Bitburg-Prümer CDU-Bewerber mit den CDU-Kandidaten aus Trier und den Kreisen Bad Kreuznach, Bernkastel-Wittlich, Birkenfeld, Cochem-Zell, Vulkaneifel, Rhein-Hunsrück-Kreis und Trier-Saarburg um eine gute Platzierung.

Aus den vier Bezirkslisten wird bei den Christdemokraten schließlich am 4. Dezember die Landesliste zusammengestellt. Das funktioniert in der Regel wie bei einem Reißverschlussverfahren. Heißt: Wer auf der Bezirksliste schon schlecht platziert ist, hat auf der Landesliste keine Chance.

Chronologie

Mit Kritik aus den eigenen Reihen hat der Christdemokrat Michael Billen aus Kaschenbach (Eifelkreis Bitburg-Prüm) zu kämpfen, seit er mit 17 Jahren in die CDU eingetreten ist. Dennoch kletterte er die politische Karriereleiter zunächst stetig nach oben. Eine Chronologie. 1993 Michael Billen wird Vorsitzender der Kreis-CDU. 1996: Billen zieht als Abgeordneter in den Mainzer Landtag ein. Februar 2005: Billen entthront Peter Rauen als CDU-Bezirksvorsitzenden. 2007: Die Kritik an Michael Billen wächst, nachdem er die schon unterschriftsreife Fusion der Sparkassen Trier und Bitburg-Prüm hat platzen lassen. 2008: Die im Anschluss an die gescheiterte Fusion von Billen initiierte Fusion der beiden Eifel-Sparkassen Bitburg-Prüm und Daun scheitert. Juni 2009: Bei den Kommunalwahlen erntet die CDU ausgerechnet in ihren einstigen Bastionen Bitburg-Prüm und Vulkaneifel Rekordeinbußen, für die Michael Billen mitverantwortlich gemacht wird. Herbst 2009: Mit der sogenannten Polizeidaten-Affäre wird die Kritik an Billen immer lauter. Der 54-Jährige räumt im November ein, zur Aufklärung der Nürburgring-Affäre Polizeidaten bei seiner Tochter, einer Polizistin, abgegriffen zu haben. 26..November 2009: Billen legt den Vorsitz im Nürburgring-Untersuchungsausschuss nieder. Als CDU-Bezirksvorsitzender tritt er nicht mehr an. Von den meisten Parteigremien wird der Eifeler zum Rücktritt als Landtagsabgeordneter aufgefordert, die Landes-CDU distanziert sich von ihm. Billen weigert sich aber beharrlich, sein Abgeordnetenmandat zurückzugeben. März 2010: Billen kündigt an, bei der Landtagswahl im kommenden Jahr erneut antreten zu wollen. Das ist selbst für Teile der Bitburg-Prümer Christdemokraten zu viel des Guten. Die Prümer CDU nominiert die Stadtbürgermeisterin und ehemalige Landtagsabgeordnete Mathilde Weinandy als Gegenkandidatin. Unterstützt wird die 59-Jährige auch von großen Teilen der Landes-CDU. 28. Juni 2010: Die Bitburg-Prümer CDU trifft sich in der Bitburger Stadthalle und nominiert nach heftigen Debatten Michael Billen als Landtagsdirektkandidaten. (sey)