Bistum Trier kritisiert Umfrage der Initiative Kirchengemeinde vor Ort

Kirche : „Nicht seriös“: Bistum Trier kritisiert Umfrage zur Strukturreform

Streit um unbequeme Zahlen: Generalvikar Ulrich Graf von Plettenberg bezeichnet die Studie zur Strukturreform des Bistums als „tendenziös“ und „nicht wirklich aussagekräftig“.

(Mos/sey) Nach etwas Bedenkzeit reagierte das Bistum Trier am Dienstag mit Kritik auf eine repräsentative Umfrage, die die Initiative Kirchengemeinde vor Ort am 4. Oktober veröffentlicht hatte. Ziel der Studie war es, zu erfahren, wie die knapp 1,4 Millionen Katholiken im Bistum die Strukturreform bewerten. Künftig soll es nur noch 35 XXL-Pfarreien statt 887 Kirchengemeinden geben. Zentrale Ergebnisse: Eine deutliche Mehrheit der Katholiken lehnt die Großpfarreien ab. Zudem sagt jeder Dritte der laut Studie 160 000 ehrenamtlich Aktiven, sich künftig nicht mehr in der Kirche engagieren zu wollen. Wegen aktueller Entwicklungen oder der Reform überlege zudem jeder dritte Katholik im Bistum auszutreten.

„Wir sehen darin einen weiteren Hinweis, dass es wegen der Veränderungen unter den Gläubigen viele Unsicherheiten, Befürchtungen und Enttäuschungen gibt“, teilt Generalvikar Ulrich Graf von Plettenberg mit, ehe er das tendenziöse Vorgehen der Initiative und die Art der Befragung, „die unseres Erachtens nicht wirklich aussagekräftig ist“ kritisiert. Gleich aus den Antworten auf die erste Frage gehe hervor, dass sich lediglich 42 Prozent der Befragten überhaupt mit den Aktivitäten des Bistums beschäftigten. Das bedeute, „dass die meisten gar keine begründete Meinung zu den Fragen haben können“, bemängelt von Plettenberg. Dazu komme, dass die Fragen und Thesen die Vorhaben des Bistums „kaum verständlich oder nur sehr verkürzt formulieren“.

Die Studie kommt zu dem Schluss, dass „bei aktuell mehr als 160 000 engagierten Katholiken im Bistum Trier bis zu 60 000 ihr Engagement in der Gemeinde einstellen könnten“. Zahlen, die der Generalvikar als „nicht seriös“ bezeichnet. Zum einen, weil das Bistum selbst nur von 80 000 bis 90 000 Ehrenamtlichen ausgeht. Zum anderen, weil die Studie von zwei Dutzend Personen, die angaben, sich nicht mehr engagieren zu wollen, auf 60 000 Christen hochrechne.

Eine Befragung 1600 pfarrlicher Gremien, die das Bistum selbst durchgeführt hatte, habe gezeigt, dass nur ein Drittel der Befragten den Veränderungen negativ gegenüberstehe. Dass dies deutlich von den zwei Dritteln aus der Umfrage abweiche, sieht von Plettenberg darin begründet, dass die befragten Ehrenamtlichen eher die Notwendigkeit der Neuausrichtung des kirchlichen Handelns sehen „als ein zufällig befragter Querschnitt der katholischen Bevölkerung von 500 Personen“.

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