100 Jahre: Blumen Münz in Prüm feiert Jubiläum

Betriebsjubiläum : Stolze 100 Jahre farbenfrohe Ware

Jubiläum in der Prümer Hillstraße: Blumen Münz feiert Geburtstag. Die Zukunft: offen, denn die Nachfolge ist unklar.

Wer in die Prümer Hillstraße einbiegt und tapfer hinaufmarschiert in Richtung Konvikt und Karolingerhalle (oder, nicht so tapfer, mit dem Auto fährt), gelangt fast am oberen Ende zum Blumengeschäft von Roland Münz. Dass sich dahinter eine große Gärtnerei samt Gewächshaus, insgesamt 1000 Quadratmeter, befindet, man ahnt es kaum. Und vielleicht auch nicht, dass der Betrieb bereits seit 100 Jahren an dieser Stelle besteht.

100 Jahre – das ist ein stolzes Jubiläum für ein Geschäft, das bis heute von den Nachfahren der Gründer, Gärtnermeister Heinrich und dessen Frau Berta Schmitt, geführt wird: Neben Roland Münz arbeitet auch seine Schwester mit dem schönen Namen Hildegund im Unternehmen, wenn auch demächst nur noch in Teilzeit. Hinzu kommen die Gärtner und Floristen Sylvia Bastuck, Belinda Schneider-Buchholz und Gerd Staus.

„Ich weiß noch nicht, ob es weitergeht“, sagt der 67-jährige Roland Münz. „Aber ich habe gesagt: Es wird auf jeden Fall gefeiert.“ Also tun sie das demnächst: Am Mittwoch, 24 April, 17 Uhr, sind Freunde, ehemalige Mitarbeiter, Nachbarn, die Gewerbe-Vereinskollegen eingeladen zu Gesprächen, Getränken und kleinen Leckereien. Hinzu kommen Aktionen und besondere Angebote für die Kunden in der Jubiläumswoche.

Da die Zukunft im Ungewissen liegt, schnell ein Blick zurück: Gründer Heinrich Schmitt starb früh, 1932, mit nur 43 Jahren. Berta und die Töchter Linny und Erika machten weiter. Im Jahr darauf kam Franz Münz aus dem Westerwald in die Abteistadt: als junger Gehilfe der Bäckerei Endres – gelegen nur ein paar Meter unterhalb des Blumengeschäfts. 1936 wurde er jüngster Meister des Bäckerhandwerks im Regierungsbezirk Trier.

Nach dem Zweiten Weltkrieg – Prüm wurde evakuiert, die Gärtnerei, wie so viele andere Bauten, zerstört – kehrten alle wieder zurück. Auch Franz Münz, der Bäcker. Er verliebte sich in Linny, sattelte nach der Heirat um und baute mit seiner Frau das Blumen- und Gartengeschäft wieder auf.

1952 wird das älteste ihrer drei Kinder – der heutige Chef Roland – geboren, es folgen die Töchter Hildegund und Ute. Roland macht 1974 seine Meisterprüfung, 1978 wird Hildegund Floristik-Meisterin. In diesem Jahr übernimmt Roland Münz auch offiziell den Betrieb vom Vater. Heute steht das Unternehmen auf drei Säulen: Gärtnerei, Blumenverkauf, Grabpflege. Und für viele Kunden bieten sie auch einen Winterdienst der Gärtner-Art an: In der kalten Jahreszeit können sie ihre großen Pflanzen – von der Yucca bis zum Zitronenbäumchen – bei Münzens im Gewächshaus parken, wo sie schön warm stehen.

Roland Münz, der sich in all den Jahren immer auch um die Verschönerung der Stadt verdient machte (das Beet am Kreisverkehr in der unteren Bahnhofstraße gestaltet er gemeinsam mit den Schützlingen der Niederprümer Kindertagesstätte), ist nach wie vor im Vorstand des Gewerbevereins Prüm, wenn er sich dort auch von einigen Aufgaben hat entbinden lassen. Sein Engagement für die Prümer Gewerbetreibenden begann schon vor rund 20 Jahren, anfangs noch im Verkehrsverein, aber auch im Stadtmarketing, das inzwischen mit dem Gewerbeverein zusammengegangen ist.

Langjährigkeit – das gilt auch für die Mitarbeiter. Gerd Staus sagt, er sei schon 27 Jahre dabei, Sylvia Bastuck bereits mehr als 30 Jahre. Hinzu kamen inzwischen auch Astrid Geditz und Belinda Schneider-Buchholz.

Nein, er könne nichts Negatives sagen, antwortet Gerd Staus auf die Frage nach der Atmosphäre im Haus. Klar, Stress „gibt’s auch“, sagt seine Kollegin. Aber „in so einem kleinen Betrieb muss man ja gut miteinander arbeiten“, ergänzt Staus. Und dass er und Sylvia Bastuck schon so lange dabei seien, „das ist ja auch ein Zeichen“.

Genau, ein gutes nämlich. Umso schwerer wiegt da die Frage, wie es weitergeht mit dem Geschäft: Nachfolger sind keine da. Wann hört Roland Münz auf? „Es ist nicht terminiert“, sagt er. Vorerst mache er weiter. Aber falls sich jemand finde, der das Haus weiterbetreiben wolle: sehr gern. Es wäre auch zu schade um ein klassisches Prümer Unternehmen.

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