100 Jahre Gott zur Ehre

In diesen Tagen, genau am 30. Mai, ist es 100 Jahre her, dass man die Kapelle an der Mühle in Alsdorf einweihte. Es war am Vortag des Fronleichnasmtags des Jahres 1907, als Pastor Matthias Reis - damals Seelsorger der Pfarrei Alsdorf - diesen Neubau der Kapelle feierlich einsegnete. Ein Jahr vorher hatte man in Alsdorf die neue Pfarrkirche fertig gestellt.

Alsdorf. (red) Der Müller und Mühlenbesitzer Michael Hauer ließ etwa gleichzeitig auf einer Wiese am Mühlenteich (Ecke Mühlenstraße/Brückenstraße) eine Kapelle im gleichen romanischen Baustil wie die Pfarrkirche errichten, die vor 100 Jahren eingeweiht wurde. Im Innern erhebt sich über dem Altar eine Christusstatue vom heiligsten Herzen Jesu. Die Herz-Jesu-Verehrung erlebte zur damaligen Zeit einen Höhepunkt. Die Feier des Herz-Jesu-Festes wurde 1856 für die ganze Kirche vorgeschrieben. Pastor Matthias Reis, Seelsorger in der Pfarrei Alsdorf von 1900 bis 1916, schreibt in seinem "Lagerbuch", in dem er alle wichtigen Ereignisse in der Pfarrei Alsdorf festhielt, über die Erbauung der Kapelle, "welche besonders als Station und Altar für die Fronleichnamsprozession dienen soll". Die Kapelle sei "geräumig und hoch, macht durch die schöne Gliederung und durch die Farbe der Mauersteine einen sehr gefälligen Eindruck". Und Reis fährt fort: "Die nicht geringen Kosten hat der Erbauer allein auf sich genommen!" Was war für Michael Hauer der Grund, eine so große und ganz sicher teure Kapelle zu errichten? Ein erster Grund mag gewesen sein - wie Pastor Reis schreibt -, hier einen festen Punkt für einen der vier Altäre für die jährliche Fronleichnamsprozession zu schaffen, es sollte nicht mehr länger ein Provisorium sein. Aber noch ein weiterer Grund mag zum Bau geführt haben. Kapellen und Bildstöcke wurden immer wieder durch die Jahrhunderte hindurch errichtet, Gott oder bestimmten Heiligen zur Ehre. Von zehn Kindern überlebten nur vier

Dies galt ganz sicher für den Erbauer dieser Kapelle Michael Hauer. Dieser Mann hatte in den vorangangenen Jahren viel Leid in seiner Familie erfahren. Ein Blick in seine Lebensgeschichte mag dies verdeutlichen: Hauer wurde 1847 in Kaschenbach geboren (gestorben 1925) und hatte 1876 in die Mühle geheiratet, eine Tochter des Johann Zillien, namens Luzia. Die Zilliens waren eine alte Müller-Familie; die Mühle wird bereits im 13. Jahrhundert erwähnt. In den 80er-Jahren grassierte in der Bevölkerung eine schlimme Krankheit, die Diphtherie. Fast massenweise wurden Menschen durch diese Krankheit weggerafft. Die Ehefrau Luzia - 1852 geboren - hatte vier Kinder zur Welt gebracht; sie und alle vier Kinder (acht, sechs, vier und drei Jahre alt) starben 1884 an dieser Seuche. Der Witwer heiratete noch im gleichen Jahr eine Frau aus Eisenach, Magdalena Mohr. In den folgenden Jahren gebar diese Frau drei Kinder, darunter den späteren Mühlenbesitzer Johann Hauer, geboren 1885. Mit dem letzten Kind starb 1889 die junge Frau Magdalena. Der Ehemann Hauer ging 1891 eine dritte Ehe mit einer Frau aus Holsthum ein, Katharina Neises. Und aus dieser Verbindung wurden nochmals drei Kinder geboren. Von seinen seinerzeit zehn geborenen Kindern blieben noch vier übrig, und seine beiden ersten Ehefrauen waren früh verstorben. Das Schicksal hatte diesem Mann Schweres abverlangt. Trotz allem war er dankbar für das, was ihm blieb, und baute diese Kapelle Gott zu Ehren und für seine Mitchristen. Auch heute noch findet die Fronleichnamsprozession hier ihren Haltepunkt und Altar, von dem der Segen mit dem Allerheiligsten über Menschen und Wohnungen gespendet wird. Pastor Reis schreibt in seiner Chronik: "Möge das schöne Werk zu Ehren Gottes der Familie (und) vielen Segen bringen!"