1000 Liter Öl laufen aus

Technisches Versagen oder Bedienfehler? Noch ist unklar, warum im Bitburger Gewerbegebiet auf Merlick 1000 Liter Heizöl aus einem Tankwagen gelaufen sind. Fest steht: 80 Einsatzkräfte haben größeren Schaden von der Umwelt abgewendet - und die Kriminalpolizei ermittelt.

Bitburg. Wie so oft beginnt das Unheil auch im Bitburger Gewerbegebiet mit einem unscheinbaren Routinevorgang: Der Fahrer eines Tankwagens macht am Dienstagvormittag mit seinem zweizügigen Gespann Halt in der Dieselstraße. Sowohl in seiner Zugmaschine als auch in seinem Anhänger befindet sich Heizöl. Um unterschiedliche Füllstände auszugleichen, will er Öl von einem Tank in den anderen pumpen.
Wolfgang Zenner von der Polizeiinspektion Bitburg kennt die Prozedur und erklärt: "Damit soll die Auslastung im gesamten Gespann gleichmäßig verteilt werden, weil es sonst beim Fahren instabil wird."
Doch diesmal geht bei der Routine wohl etwas schief: Aus bisher ungeklärter Ursache funktioniert eine Überfüllsicherung wohl nicht. Weil das Pumpen nicht rechtzeitig beendet wird, laufen etwa 1000 Liter Heizöl aus. Zwar versucht der Fahrer noch, die Ausbreitung des Kraftstoffs behelfsmäßig einzudämmen, doch vergebens: Erst die alarmierte Bitburger Feuerwehr kann letztlich rund 400 Liter noch vor Ort auffangen.
Nicht nur in der Dieselstraße haben rund 80 Einsatzkräfte alle Hände voll zu tun, um eine Verschmutzung des Grundwassers sowie nahe gelegener Bäche und Flüsse zu vermeiden oder wenigstens zu minimieren. Alles, was die Feuerwehr nicht auffangen kann, gelangt über die Kanalisation und von dort in die Bäche und Flüsse. Um weiteren Schaden abzuwenden, werden an mehreren Stellen Ölsperren gesetzt - Ketten aus Schwimmkörpern, die das Öl zurückhalten, das aufgrund seiner physikalischen Eigenschaften im Wasser an der Oberfläche bleibt. Zum Schutz des Masholderbaches werden vier solcher Sperren in der Nähe des Jugendhotels sowie weitere zum Schutz der Nims bei Alsdorf eingesetzt.
"Wir setzen immer mehrere dieser Sperren hintereinander, um auch bei hoher Fließgeschwindigkeit zuverlässig alles zu binden, was im öffentlichen Gewässer unterwegs ist", erklärt der Wehrleiter der Stadt Bitburg, Manfred Burbach.
Während eine Verschmutzung der Nims weitgehend verhindert werden kann, muss im Masholderbach befindliches Öl durch ein Bindemittel beseitigt werden. Nachdem es das Öl aufgesaugt hat, wird es mit Hilfe von Sieben oder speziellen Rechen wieder eingesammelt.
Trinkwasser nicht gefährdet


Durch das rasche Eingreifen sei größerer Schaden für die Umwelt verhindert worden, ist sich Burbach sicher. Auch die Trinkwasserversorgung sei zu keinem Zeitpunkt gefährdet gewesen.
Die Polizei ist ebenfalls vor Ort. "Es geht darum festzustellen, ob irgendein strafrechtlich relevantes Verhalten vorliegt", sagt Ferdinand Schwind, Pressesprecher der Kriminalinspektion Wittlich. Es könnte sich um eine Umweltstraftat, zum Beispiel eine Gewässerverschmutzung, handeln. "Die Kollegen überprüfen noch, ob es eine technische Ursache oder menschliches Versagen war", sagt Schwind. Die Ergebnisse der Untersuchung stehen bis Redaktionsschluss noch nicht fest. Auch sind die Arbeiten der Feuerwehr am Abend noch nicht abgeschlossen: Diese werden laut Wehrleiter Burbach wohl noch bis Mittwochabend andauern.
Im Einsatz sind neben der Bitburger Feuerwehr auch Kräfte aus Masholder, Stahl und Matzen, aus Irrel, Alsdorf, Wolsfeld und Messerich.
Die Berufsfeuerwehr Trier ist mit einem Abfallcontainer vor Ort, außerdem das Technische Hilfswerk, die Stadtwerke und das Ordnungsamt der Stadt Bitburg, das Deutsche Rote Kreuz sowie als Vertreter der unteren Wasserbehörde Mitarbeiter der Kreisverwaltung.Extra

Den letzten großen Ölunfall erlebte Bitburg kurz vor Weihnachten 2009: Da liefen bis zu 2500 Liter Heizöl aus einem Tank in der Industriestraße aus. Ein Teil gelangte über den Bittenbach in die Nims. 140 Einsatzkräfte verhinderten damals Schlimmeres. fgg

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