110 Arbeitsplätze weg

Zunächst war es nur ein böses Gerücht, aber dann wurde die Spekulation für 110 Mitarbeiter Wahrheit: Ende des Jahres fährt die traditionsreiche Glashütte in Schleiden-Oberhausen (Kreis Euskirchen) ihre lezte Schicht. Das Werk wird geschlossen und nach Germersheim verlagert.

Schleiden. Schleidens Bürgermeister Ralf Hergarten fiel am Wochenende fast aus allen Wolken, als er davon erfuhr.Firmensprecher Patric Edel in Nienburg, dem europäischen Hauptsitz der irischen Firma "Ardagh", bestätigte, dass das Werk bis Ende des Jahres geschlossen werden soll. Das sei von der Betriebsführung so beschlossen. Seit "Ardagh" das Oberhausener Werk im März 2007 von der Firma Rexam, die es von der Nienburger Glas kaufte, übernommen habe, seien sehr gründliche Marktanalysen durchgeführt worden, um das Unternehmen künftig konkurrenzfähig zu halten. In Oberhausen stellt die Firma Sekt und Weinflaschen her. Probleme, das hatte Ralf Hergarten gehört, habe es dort bezüglich der Farbe des Glases gegeben. Gründe für das Aus in Oberhausen

Wie Firmensprecher Patrick Edel dann auch erklärte, habe die Firmenleitung es für sinnvoll gehalten, die Standorte bezüglich der Farbspezifikation zu unterteilen. In Schleiden gebe es nur eine Schmelzwanne. Um rentabel zu arbeiten, so der Firmensprecher, müssten es mehrere sein. Aus Platzgründen könne aber keine zweite Wanne installiert werden. Hinzu komme die schlechte Autobahnanbindung in Schleiden-Oberhausen. Das Management habe sich deshalb entschlossen, am Standort Germersheim zwischen Speyer und Karlsruhe ein neues Wannenwerk zu bauen und den Standort Oberhausen zu schließen. Laut Edel sollen so viele Leute wie möglich animiert werden, von Oberhausen ins 300 Kilometer entfernte Germersheim zu wechseln. Wobei er auf Nachfrage aber zugab, dass Germersheim nicht gerade "um die Ecke" liege. Nachricht war keine wirkliche Überraschung

Eine Erklärung der "Ardagh" aus Dublin wurde am Freitag ins Internet gestellt, die Belegschaft in Oberhausen sei am Freitag informiert worden, so Edel. Gespräche mit dem Betriebsrat bezüglich eines Sozialplanes liefen bereits.Den Betriebsratsvorsitzenden Heinz Keutgen traf die Nachricht nicht gerade aus "heiterem Himmel. Es sei bekannt gewesen, dass die Laufzeit der Schmelzwanne sich dem Ende neige. Eine neue koste "viereckiges Geld." Heinz Keutgen: "Wir werden versuchen, jetzt einen vernünftigen Sozialplan auf den Weg zu bringen."Der Betriebsrat geht davon aus, dass das Management wenig Interesse hat, die "Glashütte" an einen Nachfolgebetrieb zu verkaufen, der ihr Konkurrenz machen könnte. Der Betriebsrat fürchtet, dass hier eine Industrieruine stehen bleibt.Ledige Betriebsangehörige könnten vielleicht noch mit nach Germersheim gehen. Das Gros aber habe Familie, viele auch ein Eigenheim. Schlosser und Elektriker hätten vielleicht noch eine Chance, eine Arbeitsstelle in der Region zu finden. Die Facharbeiter und Leute, die seit 20 Jahren im Betrieb als Industrieglasfertiger ausgebildet worden seien, ohne einen Gesellenbrief vorlegen zu können, hätten kaum eine Chance. Der nächste Glashersteller sei die Firma Weck in Bonn, die aber keine Leute suche. Das Unternehmen Bei der Ardagh handelt es sich um ein irisches Unternehmen mit Hauptsitz in Dublin. Nienburg ist die Zentrale für Europa. Ardagh Glass, ehemals Rexam Glas, produziert hochwertige Flaschen und Gläser für alle Bereiche der Getränke- und Nahrungsmittelindustrie. Ardagh Glass unterhält 21 Werke in Deutschland, Polen, den Niederlanden, Italien, Schweden und Dänemark. Die Ardagh Glass betreibt in Deutschland neun Standorte: Germersheim, SchleidenOberhausen, Bad Münder, Drebkau bei Cottbus, Lünen im Ruhrgebiet, Neuenhagen bei Berlin und Wahlstedt bei Hamburg. 2002 wurde die Firma Nienburger Glas von der Brauerei Beck & Co. übernommen. 2003 kam das Unternehmen Luner Glas hinzu. Zwischenzeitlich landete das Unternehmen bei dem Hersteller Rexam, der den Bereich Glasverpackungen im März 2007 für 660 Millionen Euro an die irische Ardagh Glass Gruppe verkaufte. In Deutschland werden 1400 Mitarbeiter beschäftigt, weltweit sind es 7000. (bk)