12 500 Autos zu wenig - verhindert die Statistik den A60-Ausbau zwischen Prüm und Belgien?

Kostenpflichtiger Inhalt: Ärger um Zählstelle : 12 500 Autos zu wenig - Verhindert Statistik den A60-Ausbau zwischen Prüm und Belgien?

Der Bund will die A 60 Richtung Belgien nicht ausbauen. Denn dort seien zu wenige Autos unterwegs. Ein Winterspelter behauptet jetzt: Der Verkehr werde an der falschen Stelle erfasst.

Voraus kriecht ein Lastwagen. Doch der Autofahrer dahinter hat es eilig. Also: Bleifuß, Blinker links, und ab auf die zweite Spur. Nur, dass die Autobahn 60 hier, zwischen Belgien und Prüm, keine zweite Spur hat. Der Wagen gerät also auf die Gegenfahrbahn. Wenn jetzt jemand entgegenkommt, knallt’s.

Solche Szenarien ereignen sich, vor allem nachts, immer wieder auf der Schnellstraße an der belgischen Grenze. Oft kommt es auch zu Unfällen. Sieben Tote und etliche Verletzte hat das Nadelöhr seit 2010 gefordert. Das macht den Streckenabschnitt zu einem der gefährlichsten in der Eifel.

Kommunalpolitiker und Bürger fordern deshalb seit Langem den vierspurigen Ausbau. Doch der Bund winkt ab: Lohnt sich nicht, heißt es aus Berlin. Erst kürzlich antwortete Stefan Krause vom Verkehrsministerium auf eine Resolution des Eifelkreises (der TV berichtete):  Die 8000 Autos, die täglich an der Zählstelle Steinebrück erfasst werden, rechtfertigten keinen Ausbau. Erst ab 20 000 gezählten Wagen käme ein solcher in Betracht.

Diese Aussage bringt Hubert Tautges auf die Palme. Der frühere Ortsbürgermeister von Winterspelt setzt sich seit Jahren dafür ein, dass das Teilstück, das an seiner Gemeinde vorbeiführt, endlich vier Spuren bekommt.

Foto: manfred reuter

Warum ihn Krauses Antwort auf die Resolution so aufregt? Weil der Ministeriumssprecher mit „völlig falschen Zahlen“ argumentiere. Schließlich erfasse die Zählstelle Steinebrück, auf die Krause sich beruft, nur einen Bruchteil des Verkehrs zwischen Prüm und Belgien.

Tatsächlich unterhält der Landesbetrieb Mobilität nur drei Langzeitzählstellen auf dem Eifeler Autobahnabschnitt, wie eine Anfrage beim LBM Rheinland-Pfalz ergibt. Eine steht in Spangdahlem (7500 Autos täglich), eine in Feuerscheid (7100 Autos täglich) und eine in Steinebrück (7300 Autos tätglich), direkt an der Grenze. Zwischen den Abfahrten Prüm und Winterspelt aber wird nicht regelmäßig gemessen, wie eine Sprecherin bestätigt. Dabei sei gerade auf diesem Streckenabschnitt extrem viel los, sagt Tautges.

Die meisten Belgier, die in Deutschland einkaufen, nutzten die Ausfahrten Winterspelt und Bleialf. Auch viele Tanktouristen pendelten durch Winterspelt über Belgien nach Luxemburg. Der gesamte Verkehr aus dem Arzfelder Raum, der Gegend rund um Großkampenberg und aus der Bleialfer Ecke fahre also gar nicht bis Steinebrück. „Der Grenzpunkt erfasst daher nur den Transitverkehr“, sagt Tautges. Mehr als die Hälfte der Wagen fahre aber, von den Straßenplanern unbemerkt, an den Anschlussstellen ab.

Könnte es also sein, dass die Strecke doch mehr als 20 000 Autos täglich befahren – erst recht, wenn im November der Hochmoselübergang öffnet?

Der LBM weist diese Spekulation zurück. Belastbare Zahlen über den Verkehr auf der Strecke würden regelmäßig alle fünf Jahre erhoben, erklärt eine Sprecherin.

Im Abschnitt zwischen der Ausfahrt Winterspelt und der Ausfahrt Bleialf hat die Straßenverkehrszählung 2015 demnach 6436 Autos pro Stunde nachgewiesen. Zwischen Bleialf und Prüm waren es 2015 ebenfalls nur etwas mehr als 7500 Wagen. Die Zahlen bleiben somit hinter den Grenzwerten zurück. Der vierspurige Ausbau: wie gehabt in weiter Ferne.

Hier geht es zur Bilderstrecke: Die unvollendete Autobahn A60 zwischen Prüm und der belgischen Grenze

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