Kommunalpolitik: 15 Millionen Euro für eine Übergangslösung

Kommunalpolitik : 15 Millionen Euro für eine Übergangslösung

Weil die bevorstehende Sanierung des Prümer Regino-Gymnasiums im laufenden Betrieb kaum möglich ist, soll die Schule während der vierjährigen Bauzeit ausgelagert werden. Schweren Herzens hat der Kreisausschuss nun einer teuren Lösung zugestimmt.

Wie kann man das der Öffentlichkeit vermitteln? Monika Fink (SPD) ist davon überzeugt, dass das schwierig wird. „Die Menschen da draußen sagen doch: Die haben sie nicht alle“, sagt Fink, während sie selbst drinnen sitzt. Drinnen im großen Sitzungssaal der Kreisverwaltung, wo die Mitglieder des Kreisausschusses eine Entscheidung treffen müssen, die es in sich hat.

Es geht um die bevorstehende Sanierung des Regino-Gymnasiums Prüm und um 15 Millionen Euro. Diese 15 Millionen Euro sind aber nicht die Kosten für die Sanierung. Die nämlich wird mindestens 18 Millionen Euro kosten, wahrscheinlich sogar deutlich mehr. Bei den 15 Millionen Euro, zu denen jetzt eine Entscheidung verlangt wird, geht es lediglich um eine Übergangslösung während der Bauzeit.

Um das denkmalgeschützte Gebäude neben der Basilika komplett zu sanieren und es so umzubauen, dass es sowohl den energetischen Anforderungen als auch den Brandschutzvorgaben gerecht wird, muss der Schulbetrieb nämlich ausgelagert werden.

Die Verwaltung hat dazu sechs mögliche Standorte in Prüm analysiert (der TV berichtete). Und sie hat zwischenzeitlich ermittelt, wie viel eine Übergangslösung aus Containern kosten würde. Das Ergebnis: Der am besten geeignete Standort ist der Hartplatz „In der Dell“ in Nähe des Schulzentrums, der der Stadt Prüm gehört. Dort ließe sich eine Übergangsschule aus Containern aufbauen. Dem Ausschuss liegt dazu eine Machbarkeitsstudie vor. Und laut der kostet dieses Ausweichquartier 15 Millionen Euro.

„Es ist für uns alle eine schwierige Entscheidung“, sagt der Kreisausschussvorsitzende Michael Billen (CDU). „Doch wir können die Schule nicht im Betrieb umbauen“, fügt er hinzu. „Das kriegen wir nicht hin – allein schon aus Platz- und Sicherheitsgründen.“ Der mit dem Vorhaben beauftragte Arbeitskreis Bauen habe versucht, eine möglichst sparsame Lösung zu finden“, erklärt Billen. Und so bitter das auch sei, sehe er zu diesem Vorschlag keine Alternative.

Die Verwaltung und der Arbeitskreis Bauen haben dabei zwei Varianten geprüft: Container in Stahlbauweise und Container aus Holz. Der Unterschied zwischen den beiden Varianten ist aber nicht nur das Material. Die Stahlcontainer könnten gemietet werden, die Holzcontainer müsste der Kreis kaufen.

Auf den ersten Blick scheint die Stahlvariante deshalb auch günstiger zu sein. 14,25 Millionen Euro (netto) würde eine aus Stahlcontainern errichtete Schule kosten, 14,9 Millionen Euro hingegen ein Gebäudekomplex aus Holz. Der Vorteil der Holzvariante ist aber laut Kreisverwaltung der, dass die langlebigen Container entweder für knapp 2,3 Millionen Euro zurückverkauft oder aber für andere Zwecke genutzt werden können. Wenn zum Beispiel an einer anderen Schule Umbaumaßnahmen anfallen.

Unterm Strich ist die Holzbauvariante also die günstigere Lösung. Teuer ist es aber trotzdem. Weshalb sich Monika Fink auch die Frage stellt, was denn die Kommunalaufsicht dazu sagt.

Wie Alfred Marder, Abteilungsleiter der Kreisverwaltung, erklärt, gebe es am 11. Juni ein Gespräch mit der Aufsichts- und Dienstleistungsdirektion (ADD), um dieses Konzept zu besprechen. Auch Marder sieht derzeit keine Alternative. Das Regino-Gymnasium werde nahezu bis auf den Rohbau saniert, erklärt er. Das auf zwei Bauabschnitte zu verteilen, um so die Schule nicht komplett auslagern zu müssen, sei kaum machbar. Zumal ja nicht nur Klassenräume, sondern auch gemeinsam genutzte Fachräume saniert würden. „Selbst bei zwei Bauabschnitten müssten wir bis zu 80 Prozent auslagern“, erklärt Marder. Zudem würden sich dadurch die Bauzeit verlängern und die Kosten erhöhen.

„Es ist richtig, dass das für Außenstehende schwer zu verstehen ist. Ich war auch geplättet, als ich die Zahlen gesehen habe“, sagt Ausschussmitglied Helmut Fink (Die Grünen). „Dennoch: Wenn man sich intensiv damit beschäftigt, kommt man zwangsläufig zu dem Ergebnis, dass es nicht anders geht“, so Fink, der selbst Architekt ist.

„Natürlich könnten wir für das, was die Sanierung am Ende kosten wird, auch eine komplett neue Schule bauen“, sagt Billen. Doch habe sich der Kreistag mit einem Grundsatzbeschluss bewusst dafür ausgesprochen, die Schule am derzeitigen Standort zu erhalten. Wohl wissend, dass die Sanierung des denkmalgeschützten Gebäudes nicht billig werde. Man könne ein Gebäude von derart baukultureller Bedeutung, das zudem direkt neben der Basilika stehe, nicht sich selbst überlassen.

Am Ende stimmt der Ausschuss bei einer Enthaltung (Monika Fink) einstimmig für den Vorschlag der Verwaltung. Damit können die konkrete Planung und die Ausschreibung in die Wege geleitet werden. Bis die Übergangsschule allerdings bezugsfertig sein wird, dauert es noch. Die Arbeiten müssen europaweit ausgeschrieben werden. bis ins kommende Jahr. Da ein Umzug der Schule nur in den Sommerferien möglich sei, werde die Übergangsschule frühestens im August 2021 an den Start gehen. Mit einem Ende der Baumaßnahme am Regino sei frühestens Mitte 2025 zu rechnen.

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