22-Jähriger Komponist eröffnet Ton-Studio in Seinsfeld

Kultur : Viel mehr als Piepsen und Fiepsen

In Seinsfeld hat der erst 22-jährige Komponist und Produzent Dennis Weser sein erstes Tonstudio eröffnet. Die Besonderheit: Er ist spezialisiert auf elektronische Musik.

Ein sicherer Griff zum Mischpult, ein schnelles Tippen auf die Drummaschine und schon wummert ein schwerer, langsamer Bass aus Dennis Wesers Lautsprechern. „Der Raum ist schallisoliert. Wenn nicht gerade die Tür offen steht, kommt nichts aus diesem Raum raus“, sagt der 22-jährige Musikproduzent. Mitten in der Eifel hat er sein Tonstudio eingerichtet. Aufgenommen, produziert und abgemischt wird hier vor allem elektronische Musik. Nicht gerade typisch für die Region. „Aber damit habe ich ja auch im gewissen Maß ein Alleinstellungsmerkmal“, sagt er.

Losgegangen sei es vor mehr als 18 Jahren, merkt Vater Thomas Weser an. Der Junge habe mit etwa vier Jahren sehr viel Interesse am heimischen Klavier gezeigt. „Meine Eltern sahen, dass ich daran Spaß habe, und mit etwa fünf oder sechs Jahren ging ich – wir wohnten damals noch im belgischen Eupen – zur Musikschule“, sagt Dennis Weser. Gleich nach dem Abitur trat er ein Studium für „Elektronische Komposition“ in Namur an.

„Natürlich befassten wir uns da auch mit akustischer Musik, allerdings lag der Schwerpunkt eben auf elektronischer“, sagt Weser. Man dürfe eben nicht vergessen, dass alles, was heutzutage im Radio läuft, im Grunde als elektronische Musik bezeichnet werden kann. „Selbst Orchesterstücke – sie werden zwar mit herkömmlichen Instrumenten gespielt, dann aber elektronisch erfasst und weiter in der Produktion bearbeitet“, sagt Weser. Neben seinem Tonstudio arbeitet er gerade an einem Masterabschluss für „Audioproduktion und Engineering.“

„Spätestens mit dem Abschluss bin ich, in Anführungsstrichen, ein richtiger Produzent“, sagt er und lacht. Wobei es ihm an Erfahrungen nicht mangelt. Der Startschuss sei irgendwann in der frühen Jugend gefallen, erinnert er sich. „Ich hörte über meine Mutter schon immer viel Elektronik. Ich erinnere mich zum Beispiel gut an Kassetten, auf denen Insomnia von Faithless drauf war - ein toller Song, den ich heute noch gerne höre“, sagt er. Mit zwölf habe er angefangen, sich mit den technischen Hintergründen zu befassen und die ersten Schritte an Reglern und Software zu machen.

„Mein erstes Stück war ein Mash-up“, sagt er. Damit bezeichnet man ein Stück, in dem mehrere Lieder geschickt über- und ineinander gemischt werden, dass sie etwas ganz Neues ergeben. „Das eine Lied war von Avicii, der noch heute einer meiner großen Helden ist, an das andere Lied erinnere ich mich nicht mehr genau. Ich lud das neue Lied auf jeden Fall bei Youtube hoch und wurde plötzlich in der Schule darauf angesprochen. Freunde sagten mir, dass ich doch mal eigene Stücke machen soll und ich tat es einfach.“ Dann habe alles schnell eine Eigendynamik entwickelt.

„Mit 16 kaufte ich mir mein erstes gutes Mikro, das ich übrigens heute noch nutze, dann kam ein Klassenkamerad, der rappte, auf mich zu, und wir nahmen mit einem weiteren Freund einen Song auf – das war im Grunde der richtige Startschuss.“ Vater Thomas habe damals selber Freude an den Umtrieben seines Sohnes entdeckt und dabei geholfen, nach und nach die Ausstattung für ein kleines Studio zu kaufen. „Meine Eltern zogen dann vor zwei Jahren hierhin in die Eifel. Und nach dem Ende meines Bachelor-Studiums kam ich vor ein paar Monaten nach Seinsfeld“, sagt Dennis Weser, der unter dem Künstlernamen „Bready“ seit Jahren regelmäßig eigene Stücke veröffentlicht.

„Der Sprung in die Eifel war schon etwas schwierig. In Namur habe ich halt viele Gleichgesinnte um mich, hier in der Eifel ist es schon sehr anders“, sagt er. Glücklicherweise habe er aber guten Kontakt zum Beda-Institut finden können und werde dort demnächst als Dozent anfangen. „Ich werde dort das Fach ‚Elektronische Musik’ einführen. Das ist hier schon eine ziemliche Besonderheit. Zwar wird in der Eifel viel in Musikvereinen musiziert, elektronische Musik hat es aber in punkto Akzeptanz noch immer sehr schwer – dabei ist das die Musik, mit der die letzten Generationen groß geworden sind.“

Dass es für ihn nun erst mal die Eifel geworden ist und nicht etwa Köln oder Berlin, liege aber auf der Hand: „Dort gibt es viele Leute wie mich, die dasselbe machen möchten – hier wiederum eben überhaupt nicht. Und so bin ich halt eines der wenigen Angebote auf professioneller Ebene.“ Er hoffe, dass elektronische Musik nun immer mehr Akzeptanz erfahren werde. „Die Bandbreite ist ja sehr groß. Sie reicht von einfachen Popliedern bis hin zur modernen Klassik oder eher kompliziertem Dubstep, den ich sehr schätze.“ Musikschulen und -lehrer unterschätzten die Komplexität. „Ich bin mir sicher: Hätte Mozart einen Synthesizer und einen Laptop gehabt, er hätte Dubstep produziert.“

Weitere Informationen im Internet unter www.dbr-studio.com

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