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23-jähriger Eifeler fährt mit dem Rad von Prüm nach Australien

23-jähriger Eifeler fährt mit dem Rad von Prüm nach Australien

Filbo Frensch aus Prüm will zwei Jahre lang mit dem Fahrrad die Welt erkunden. Im April ist er gestartet, 10.400 Kilometer liegen bereits hinter ihm. Sein Ziel ist Australien. Über seine Reise führt er im Internet ein Tagebuch.

Filbo Frensch fährt mit seinem Fahrrad zurzeit durch den Iran. Dort versuchen wir ihn über das Internet auf dem Handy zu erreichen. Doch die Verbindung ist zunächst nicht gut. Zwei Versuche schlagen fehl, dann klappt es. Ein fröhliches "Hallo" schallt uns entgegen.

Im April ist der 23-Jährige zu seiner zweijährigen Reise mit dem Rad aufgebrochen. Der Elektriker und Sozialassistent hat sein ganzes Geld gespart, um sich diesen Traum zu erfüllen. Für den großen Trip hat er sich vom Fahrradhändler ein Rad nach seinen Wünschen zusammenbauen lassen. "Es hat eine etwas andere Gangschaltung und eine besonders robuste Kette, die wenig gewechselt werden muss", sagt Filbo Frensch.

Keine Bremsbeläge mehr

Scheint bisher auch ganz gut zu klappen. Nur einmal gab es einen Engpass. Als in Albanien seine Bremsbeläge verschlissen waren, fand er zunächst keinen Ersatz. "Dann hat mir der Campingplatzbesitzer über seinen Freund welche aus Mazedonien anliefern lassen", erzählt er.

Der Hauptgrund für seine Reise sei, Land und Leute kennenzulernen, berichtet seine Mutter, Dorita Molter-Frensch. Mutter, Vater und Bruder verfolgen mit Interesse den Verlauf der Reise. Dorita Molter-Frensch markiert auf großen Landkarten die einzelnen Abschnitte der Tour mit gelben Zettelchen, auf die sie immer das jeweilige Datum schreibt. Und besucht haben sie ihn zwischendurch auch schon, als er gerade durch die Türkei gefahren ist.

Mit einem Budget von zehn bis 15 Euro am Tag will der junge Reisende auskommen. Im Gepäck dabei sind deswegen auch Isomatte, Schlafsack und ein Zelt. Am Ende einer Etappe fragt er Einheimische, wo er sein Zelt aufschlagen darf - und wird oft spontan eingeladen. Die Herzlichkeit, mit der die Menschen ihm begegnen, hat den jungen Mann überrascht. "Ich habe nicht damit gerechnet, dass die Menschen so gastfreundlich sind."

Große Gastfreundschaft

Während seiner Fahrt durch die Türkei schreibt er in seinem Blog: "Die Einladungen überschlagen sich jetzt schon fast. So etwas habe ich noch nicht erlebt. Einfach unglaublich und in Deutschland undenkbar." Auf keinen Fall möchte er als Schmarotzer angesehen werden. In Ländern wie der Türkei und dem Iran gelte es jedoch als unhöflich, eine solche Einladung abzulehnen, sagt er. Für die Menschen dort sei es eine Ehre, wenn ein Gast diese annehme.

Seine Reise verläuft lange ohne dramatische Ereignisse. Eine brenzlige Situation hat er dennoch erlebt, als er im Oktober, wenige Wochen nach dem Putschversuch in der Türkei, mit seinem schwer beladenen Fahrrad 50 Kilometer von der Stadt Trabzon entfernt in einen Schusswechsel zwischen Polizei und Anhängern der PKK gerät. In seinem Blog schreibt er:
"Innerhalb kurzer Zeit stauten sich hier zahlreiche Fahrzeuge. Alle Insassen stiegen aus. Mir fiel die sehr bedrückte Stimmung unter diesen Leuten auf. Ich konnte mir aber keinen Reim darauf machen, denn keiner, den ich fragte, konnte Englisch. Nach einiger Zeit erfuhr ich trotzdem, was los war. Es war anscheinend eine Schießerei mit Terroristen im Gange. Als ob das nicht genug wäre, erfuhr ich, dass wir bald hier weg müssten, da wir nicht sicher waren."

Er fährt zurück Richtung Trabzon und hält bei einem Hotel an. Der Hotelier lädt ihn ein, kostenlos zu übernachten. "Nachdem ich geduscht hatte, klingelte das Zimmertelefon und ich wurde zum Essen eingeladen. Auf der Terrasse aß ich dann zusammen mit dem sehr netten Hotelpersonal. Sie meinten, ich dürfte sogar zwei Nächte bleiben. Am Ende des Tages war für mich alles wieder gut." Viele nette Menschen lernt er auf seiner Reise kennen. Im Iran, wo er sich gerade aufhält, sprechen ihn die Menschen sogar auf der Straße an und laden ihn ein, obwohl es dort sogar verboten ist, Fremde zu beherbergen. Auch die Einreise gestaltet sich anfangs schwierig. Fast einen Monat dauert es, bis er sein Visum bekommt.

In Gedanken immer dabei

Zu Hause ist die Familie in Gedanken immer dabei. "Manchmal bin ich fast neidisch und denke, dass ich da auch unbedingt mal hin will, wo er gerade ist. Aber ich möchte nicht so reisen wie er", sagt seine Mutter.
Faszinierend findet sie, wie nett die Menschen ihrem Sohn begegnen. "Egal, ob reiche oder arme Leute - er wird dauernd angesprochen und eingeladen. Ich muss immer daran denken, wie schwer wir uns tun, jemanden Fremden einzuladen."

In den Herbstferien haben sie sich mit ihrem Sohn in der Türkei getroffen. Wenn es die Zeit erlaubt, wollen sie ihn auf jeden Fall auf seiner Reise ein weiteres Mal besuchen. In etwa drei Tagen erreicht Filbo Frensch die Küste. Dann will er mit dem Schiff zu den Vereinigten Arabischen Emiraten übersetzen.

Wer mehr über die Reise von Filbo Frensch erfahren möchte, kann seinen Reiseblog im Internet lesen. Dort schreibt er auf der Webseite von Itizgo regelmäßig über seine Erlebnisse ( http://itizgo.eu/filbo-frensch ). Seine Route hat er so geplant, dass er dem Winter immer "wegfährt". Trainiert hat er nicht: "Die Kondition kommt beim Fahren", sagt er.