25 Jahre Beten und Arbeiten auf der Burg

Fest : 25 Jahre Beten und Arbeiten auf der Burg

Seit einem Vierteljahrhundert finden jeden Sommer in Neuerburg die Ora-et-Labora-Wochen statt, bei denen freiwillige Helfer des Bundes Neudeutschland auf der Burg mit anpacken. Dieses Jahr gibt es doppelten Grund zu feiern: Der Bund wird 100 Jahre.

Ora et Labora, bete und arbeite. Das Motto der Benediktinermönche, das nach Entbehrung und harter Arbeit klingt, ist für viele Menschen, die einmal im Jahr für eine Woche nach Neuerburg kommen, eine Auszeit. Seit 25 Jahren gibt es schon diese Arbeitswoche, bei der Jugendliche und junge Erwachsene unter fachlicher Anleitung dabei helfen, das historische Gemäuer in Neuerburg zu erhalten. Johannes Menze, Öffentlichkeitsarbeit des Arbeitskreises Ora et Labora des Bunds Neudeutschland, erklärt: „Glücklicherweise haben wir im Bund einige jüngere und ältere Handwerkermeister und Ingenieure, die ihr Wissen bei Holz- oder Elektroarbeiten oder beim Mauern an die nächste Generation weitergeben.“ Weiter sagt er: „Wir freuen uns und sehen, dass junge Leute mit anpacken wollen. Sie bilden bei der Ora-et-Labora-Woche ungefähr ein Drittel bis Dreiviertel der Teilnehmenden.“

In den vergangenen Jahren ist, durch die Hilfe der Freiwilligen die Treppe zur Westbastion erneuert worden, Fenster haben einen neuen Anstrich erhalten, Wände wurden verputzt, Böden verlegt, Spielgeräte sind auf dem Sportplatz aufgebaut worden und bei Näharbeiten für Vorhänge und Tischdecken halfen die Jugendlichen ab 16 Jahren ebenfalls mit. Bis zu 75 Anmeldungen gibt es für die Arbeitswochen. In diesem Jahr stehen insgesamt zwölf Projekte an, vom Streichen von Bänken, Entfernen von Efeubewuchs über den Neubau einer Tür bis zur Anbringung weiterer Beleuchtungsmittel, der Erneuerung der Solaranlage sowie der Schaffung eines Escape-Roomes. Dabei sollte für jedes handwerkliche Talent etwas dabei sein. Zu den wichtigsten Arbeiten der vergangenen Jahre zählen der Bau einer Grillhütte mit Lagerfeuerplatz, an dem man auch an regnerischen Tagen sitzen kann, sowie die Abdichtung der West- und Nordbastion in Kooperation mit einem Dachdecker. „So kann kein Wasser in die Nutzräume eindringen“, berichtet Johannes Menze. Weiter legt er dar: „Die Wertschöpfung mit Materialaufwand, der erbrachten Arbeitskraft und der Versorgungskosten lag in den Jahren zwischen 2011 und 2018 bei etwa 30 000 Euro jährlich.“

Neben der Arbeit kommen die Neuerburger Gäste täglich zu einem Morgengebet und einem Abendlob zusammen. Johannes Menze fasst zusammen: „Ora et Labora ist eine einzigartige Verknüpfung von Handwerk und Spiritualität. Die Neuerburg erinnert uns ans einfache Leben, was in unserer Zeit bisweilen vielfach zu kurz kommt.“

In den 25 Jahren haben sich auch einige Freundschaften entwickelt, die über die Arbeitswoche auf der Neuerburg hinausgehen. Das ist für Johannes Menze nicht verwunderlich. Er sagt: „Mit wem man einmal in luftiger Höhe Balken verschraubt hat oder gemeinsam hartnäckige Holundersträucher herausgerissen hat, mit dem kann man auch im sonstigen Leben eine Menge anfangen. Es ist ein bundesweites Projekt, einmal geographisch, aber auch generationsübergreifend.“

1994 haben Mitglieder der studentischen Gruppierung des Bundes aus Köln die Burg ins Herz geschlossen, und wollten den Betrieb regelmäßig unterstützen.  Dazu kam das spirituelle Programm, die benediktinische Haltung Ora et Labora, zu leben. Umgesetzt wurde es, indem die Burg für acht bis 19 Tage pro Jahr in den Sommerferien für diese Erneuerungsarbeiten geschlossen wurde. „Neben den Reparaturarbeiten braucht es Innovationen, um das Leben auf der Burg attraktiver und vielfältiger zu gestalten“, so Menze. Die Neuerburg ist für den Bund Neudeutschland wichtig, weil sie einen Brückenschlag zwischen den Anfängen in der Jugendbewegung und der Herausforderung der Zukunft bildet.

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