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30 000 Euro für ein Kind

Regionalentwicklung : 30 000 Euro für ein Kind

Die Kindertagesstätte in Daleiden wird derzeit ausgebaut. An den Kosten für die Arbeiten müssen sich die Kommunen im Umkreis beteiligen. Das stellt die kleinen Orte vor enorme finanzielle Herausforderungen. Die Gemeinde Affler plant deswegen sogar, ihren Gemeindewald zu verkaufen.

Wer das Inserat liest, weiß, dass die Not groß sein muss. Die Gemeinde Affler plant, ihren Wald zu verkaufen. Viel hat der kleine Ort in der Südeifel nicht anzubieten. Auf etwas mehr als zwei Fußballfeldern innerhalb der Dorfgrenzen wurzeln Buchen, Fichten und Douglasien. Sie sollen an den Höchstbietenden veräußert werden. Es ist ein ungewöhnliches Mittel für eine Gemeinde, an Geld zu kommen. Das weiß auch Ortsbürgermeister Herbert Steins. Doch den Alfflerern bleibe keine andere Möglichkeit, sagt er. Bis Ende Juni wolle der Gemeinderat Angebote sichten und eine Entscheidung treffen. Ob das Geschäft viel einbringen wird, kann er noch nicht sagen. Doch Alternativen seien nicht in Sicht.

Sein Dorf zählt derzeit 32 Einwohner. Gewerbetreibende, die Steuern an die Kommune abführen müssten, gebe es keine. Bei den hohen Umlagen an die Verbandsgemeinde Süd­eifel und den Eifelkreis bleibe vom Haushalt wenig übrig, sagt Steins. Es sind Probleme, vor denen viele kleine Kommunen im Eifelkreis stehen. Doch im laufenden Jahr komme ein weiterer Posten hinzu, der die finanzielle Not verschärfe.

Der Grund, warum Steins vorsorgen will, ist der geplante Ausbau der Kindertagesstätte in Daleiden. Statt drei soll es dort in Zukunft vier Gruppen geben. Dafür werden neue Räume und neues Personal benötigt. Zudem soll das alte Gebäude saniert werden. Das Ganze wird laut Ortsbürgermeister Herbert Maus rund anderthalb Jahre dauern und anderthalb Millionen Euro verschlingen.

Den Großteil der Kosten übernehmen die Daleidener, als Träger der Einrichtung, selbst. Etwa 150 000 Euro Zuschuss kommt von Land und Kreis und nochmals 54 000 von der Verbandsgemeinde Arzfeld. Aber die Förderung reiche nicht aus, sagt Maus: Daleiden könne die Finanzierung der Arbeiten alleine nicht stemmen. Deshalb müssten die umliegenden Dörfer, die teils in der Verbandsgemeinde Arzfeld und teils in der Südeifel liegen, zuzahlen.

Zu denen gehört auch das etwa zehn Auto-Minuten entfernte Affler. Mit rund 30 000 Euro soll sich das Dorf im Neuerburger Land am Umbau der Tagesstätte beteiligen. Und das, obwohl dort derzeit nur ein einziges Kind lebt, das die Einrichtung besucht. Steins hofft zwar, dass es in absehbarer Zeit mehr werden. Es wohnten ja ein paar Jugendliche im Ort, die noch Nachwuchs bekommen könnten. Aber viel wird sich an der Einwohnerzahlwohl nicht tun. Laut Statistik gab es seit den Neunzigern zwar selten weniger, aber auch selten mehr als 30 Afflerer.

Ein Babyboom ist in Steins Kommune also nicht zu erwarten. Und damit profitieren die Südeifeler auch nicht vom geplanten Anbau. Zahlen müssen sie trotzdem – genau wie die Gemeinden Irrhausen, Dahnen, Dasburg und Preischeid. Auch diese Orte wachsen nicht gerade stark. Dass die Kita trotzdem ausgebaut wird, hat andere Gründe.
Seit 2010 kann man in Rheinland-Pfalz einen Kitaplatz für ein Kind zwischen zwei und sechs Jahren einklagen. Und auch die Betreuung von Jungs und Mädchen ab dem ersten Lebensjahr muss, wenn auch nicht beitragsfrei, sichergestellt sein. So will es der Gesetzgeber. Daher werden derzeit vielerorts Tagesstätten vergrößert – unter teils erheblichem Kostenaufwand für die Kommunen. Darüber ärgert sich Steins: „Da schafft der Bund einen gesetzlichen Anspruch, und bezahlen müssen dafür die Gemeinden und letztlich die Bürger.“

Auch Martin Klaesges, Dorfchef des Nachbarortes Preischeid, klagt über den geplanten Umbau: „Wir haben kein Geld dafür, kaum Einnahmen und nichts zu verkaufen.“ Weil das Dorf rund 120 Einwohner zählt, also etwa vier mal so viele wie Affler, müsse der Ort sich noch stärker an den Kosten für den Anbau der Tagesstätte beteiligen als die Südeifeler. Das bedeute, sagt Klaesgen: „Unser Schuldenberg wird weiter wachsen.“

Auch die Daleidener machen jährlich rund 50 000 Euro Defizit durch den Betrieb des Kindergartens, sagt Bürgermeister Maus. Und da sei die Investition in den Umbau nicht mal eingerechnet.

Auch er erwartet, dass sein Ort sich weiter verschulden wird. Gewünscht hätte er sich mehr Unterstützung von Land und Bund. „Wer fordern will, muss auch fördern“, findet Maus.

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