30 neue Rotoren oder 90?

Prüm · Wie viele Windräder kommen in Zukunft zu den bereits vorhandenen 110 Stück in der Verbandsgemeinde Prüm? In einer Bürgerversammlung hat Reinhold Hierlmeier vom Büro BGH Plan aus Trier die sechs derzeit erwogenen Varianten vorgestellt, die zwischen 30 und 90 neuer Anlagen ermöglichen würden.

Prüm. Es ist eine wichtige Weichenstellung, die die Landschaft in der Verbandsgemeinde (VG) Prüm auf Jahrzehnte verändern wird: der neue Flächennutzungsplan, der festlegt, wo künftig weitere Windräder stehen. Am nächsten Dienstag, 1. Oktober, wird der VG-Rat Prüm (19 Uhr, Sitzungssaal der VG) zwischen sechs Varianten entscheiden. In einer Bürgerversammlung haben Bürgermeister Aloysius Söhngen und Reinhold Hierlmeier vom Büro BGH Plan aus Trier nun die Möglichkeiten vorgestellt. Die Bandbreite liegt zwischen einem und drei Prozent der VG-Fläche. Bereits jetzt ist ein Prozent der VG für Windenergie ausgewiesen. Die neuen Gebiete konzentrieren sich vor allem entlang des Schneifelrückens. Weitere liegen bei Auw in Richtung belgischer Grenze sowie nördlich der A 60 in Richtung Großlangenfeld (siehe Grafiken). Im Ergebnis bedeutet das, dass künftig zwischen 140 und 200 Windräder in der VG stehen könnten. Ganz aktuell gibt es einen neuen Windatlas der Landesregierung, der in der Verbandsgemeinde Prüm von etwas geringeren Windgeschwindigkeiten ausgeht. Diese Ergebnisse müssen noch in den neuen Flächennutzungsplan eingearbeitet werden und könnten geringfügige Änderungen ergeben.
Fundamentale Opposition kommt von keinem der rund 200 interessierten Bürger. Die Tatsache, dass künftig mehr Rotoren Strom erzeugen, scheint zumindest von den Anwesenden akzeptiert zu werden. Stattdessen dominieren praktische Fragen, beispielsweise ob sich die Windräder auf die geplanten LTE-Masten auswirken, mit denen einzelne Orte per Funk an das schnelle Internet angeschlossen werden sollen. Das, so sagt VG-Chef Söhngen, könne man derzeit noch nicht abschließend beantworten, aber die Telekommunikationsbetreiber würden im weiteren Verlauf des Verfahrens gehört und könnten ihre Einwände vorbringen - genau wie übrigens jeder andere Bürger.
Ebenso wird gefragt, was mit bereits vorhandenen Windrädern ist, die außerhalb der neu ausgewiesenen Flächen stehen. "Die genießen Bestandsschutz", sagt Söhngen. Ein Ausschlusskriterium gerät allerdings in die Kritik: Denn rund um Horste von Rot- und Schwarzmilanen sowie um die Nester von Schwarzstörchen gelten ebenfalls Sperrzonen. Das sei ja aber nur eine Momentaufnahme, beklagt ein Bürger. Schon ein Jahr später könnten sie woanders sein. Hierlmeier räumt diese Problematik ein, "das ist aber eine Vorgabe der Landesbehörden". Die Horste sollten dabei über einen Zeitraum von drei bis fünf Jahren beobachtet werden. Denn es komme immer wieder vor, dass einer mal ein Jahr nicht bewohnt sei, der Milan aber wieder zurückkomme. Insgesamt ist man seitens der Verwaltung aber zuversichtlich: "Wir versuchen, das rechtlich sauber hinzubekommen", sagt Söhngen. "Wir machen das ohne Eile, ohne Stress und richtig gründlich."Extra

Um die Flächen zu finden, auf denen künftig neue Windräder aufgestellt werden können, ist das Büro BGH Plan in mehreren Schritten vorgegangen. Nach und nach wurden die verschiedenen Ausschlusskriterien übereinandergelegt, beispielsweise der Abstand von 1000 Metern um Ortschaften, Wasserschutzgebiete oder Naturschutzgebiete. Die nun in Betracht kommenden sechs Varianten ergeben sich aus zwei Variablen, die der Prümer Verbandsgemeinderat festlegen kann: Die Mindestgröße der neuen Flächen zwischen 45 und 100 Hektar und der Windgeschwindigkeit zwischen 6,5 und sieben Metern pro Sekunde. ch