300 Nato-Fallschirmjäger trainieren auf dem Flugplatz Bitburg
Bitburg/Ramstein · Wie an einer Perlenschnur aufgereiht springen die Soldaten aus der Lockheed C-130 und schweben an ihren Fallschirmen langsam gen Erde. Sie landen auf dem Rasen des Bitburger Flugplatzes. 300 Fallschirmspringer aus 13 Ländern haben drei Tage an einer Übung unter Führung der United States Air Force teilgenommen. Das ist auch der Grund für den ungewöhnlichen Flugbetrieb über der Stadt.
Es ist ein ästhetisches Bild, das sich dem Betrachter von der Terrasse des Tower Bistros am Bitburger Flugplatz bietet.
Aus nur 380 Metern Höhe spuckt eine Lockheed C-130 der United States Air Force (Usaf) 15 Fallschirmjäger aus, die an ihren Fallschirmen auf den Bitburger Flugplatz schweben. Das Schauspiel wiederholt sich an jedem Tag der "International Jump Week" acht Mal.
An der Übung unter der Führung der US-Air-Force sind insgesamt 300 Fallschirmjäger aus 13 Nationen, Nato-Partner, und schwedische Einheiten beteiligt. "Dabei lernen die Fallschirmspringer unserer Verbündeten den Umgang mit dem amerikanischem Equipment", sagt Major Chris Murphy von der 435th Contingency Response Group der Usaf, die in Ramstein stationiert ist. In der Umgebung von Ramstein sollte die Übung eigentlich auch durchgeführt werden. "Aber dort stehen alle Felder voll Weizen. Da können wir derzeit nicht abspringen", erklärt Murphy. Deshalb habe man das Flugplatzgelände in Bitburg angemietet.
Zur Halbzeit der Übung ist auf der Terrasse des Tower Bistros schon mehr Betrieb als in der Luft. Nach ihrer Landung marschieren die Soldaten, den Fallschirm im Sack auf der Schulter, direkt ins Bistro. "Die Übung dient nicht nur zur Intensivierung der Zusammenarbeit, sondern auch der Freundschaft unter den Verbündeten", sagt Murphy. Bei strahlendem Sonnenschein lassen sich diejenigen, die bereits wieder sicheren Boden unter den Füßen haben, ein Bier schmecken. Die frisch gezapften Biere werden den durstigen Fallschirmspringern teils schon, bevor sie die Terrasse erreichen, über die Absperrung gereicht.
Polen, Engländer, Italiener, Esten, Amerikaner und Tschechen - das Publikum auf der Terrasse ist international - doch noch sind nicht alle Fallschirmjäger abgesprungen. Denn beide Transportflugzeuge, die in Ramstein mit jeweils 60 Fallschirmjägern an Bord gestartet sind, müssen den Flugplatz vier mal anfliegen. Bei jedem Anflug springen nur 15 Fallschirmjäger ab. Sechs Minuten später, nachdem die Maschinen eine Schleife über der Stadt gedreht haben, überfliegen sie den Flugplatz erneut, damit die nächsten Gruppen abspringen können.
Von der Terrasse beobachten und kommentieren die Soldaten die Flug- und Landetechniken ihrer Kameraden in der Luft. Als zwei Fallschirmjäger in der Luft zu kollidieren drohen, schreien die Zuschauer kurz auf. "Medic", schreit ein Soldat, der erkennt, wie in der Ferne auf dem Rasen des Flugplatzes ein Kamerad die Arme über dem Kopf schwenkt.
Seine Landung verlief unglücklich: "Er ist nicht auf den Füßen, sondern auf dem Hintern gelandet", kommentiert ein Militärangehöriger von der Terrasse das Geschehen. Sofort setzt sich ein Rettungswagen der Air Force in Bewegung.
Der Fallschirmspringer wird eingeladen und in ein Krankenhaus transportiert. "Es ist der einzige Unfall, den wir bei der Übung hatten", sagt Murphy. Ab Freitag ist es dann am Himmel über Bitburg wieder ruhiger. Die Fallschirmjäger treten ihre Rückreise nach Ramstein in Bussen an.