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50 Jahre Nabu: Warum der Naturschutzbund Südeifel wichtige Arbeit leistet

50 Jahre Nabu : Sie bewahren die große Artenvielfalt - Warum die Arbeit des Naturschutzbunds wichtig ist

Seit 50 Jahren setzt sich der Naturschutzbund (Nabu) Südeifel für die Vielfalt und den Erhalt von Tieren und Pflanzen ein. Es gibt viel Arbeit, einige Erfolge aber auch Rückschläge. Ein Blick hinter die Kulissen:

Es sind oft ganz abgelegene Ecken, an denen die Mitglieder des Naturschutzbundes (Nabu) tätig sind. So wie die Streuobstwiese in der Nähe bei Prümzurlay, die nur über einen Waldweg erreichbar ist. Im Jahr 2000 hat der Naturschutzbund Südeifel, der in diesem Jahr sein 50-jähriges Bestehen feiert, die Fläche angekauft und pflegt die Wiese und die Bäume seitdem.

Michael Hahn, der Vorsitzende des Nabu Südeifel, erklärt die Besonderheiten dieser Fläche. Er zeigt auf einige abgestorbene Bäume, deren kahle Äste in bizarren Formen weiterhin in den Himmel ragen. „Abgängige Bäume bleiben auf der Fläche stehen“, erklärt er. Denn diese böten viel Lebensraum für Kleinstlebewesen. Er nimmt ein Stück von der Rinde ab und darunter sind Spuren im Holz von einigen Insekten zu erkennen. Zum Beispiel könnten Tagfalter von solchen abgestorbenen Bäumen profitieren, sagt Hahn. Andere ebenfalls schon ältere Bäume auf der Fläche wurden durch Pflegemaßnahmen erhalten. Außerdem sind einige jüngere Bäume zu sehen, die hier erst kürzlich gepflanzt wurden und die Sortenvielfalt erweitern sollen.

Naturschutzbund will Lebensräume schützen

Neben den toten und natürlich den lebenden Bäumen ist auch wichtig, was sich am Fuße der Bäume befindet, nämlich eine artenreiche Blumenwiese. Um diese zu erhalten, muss sie ab und an auch gemäht werden. Das übernehmen dann aber keine lärmenden Rasenmäher, sondern Schafe und Ziegen. Sie sorgen dafür, dass die Fläche nicht verbuscht und sich dort ein neuer Wald bildet. Dass dies notwendig ist, zeigen die vielen kleinen Eichentriebe, die verteilt auf dem Gelände zu sehen sind.

Im Herbst ernten Nabu-Mitglieder das Obst, auf dieser Wiese sind es Äpfel, und lassen es zu Saft verarbeiten.

Diese Wiese bei Holsthum ist nur eine von vielen Flächen, auf denen der Nabu tätig ist. Das Hauptziel des Naturschutzbundes ist laut Michael Hahn das Erhalten, Schaffen und Verbessern von Lebensgrundlagen für eine artenreiche Tier- und Pflanzenwelt und der Schutz von Lebensräumen.

Dafür werden gegebenfalls auch Flächen gekauft. So gibt es im Eigentum des Nabu mittlerweile Biotopflächen unter anderem bei Birtlingen, Niederprüm oder Prümzurlay. In gemeinsamen Aktionen von Mitgliedern und Helfern werden hier Maßnahmen durchgeführt, um diese Biotope zu fördern und zu bewahren.

Allerdings hat die Corona-Pandemie auch den Naturschützern einen Strich durch die Rechnung gemacht, bedauert Michael Hahn. „Wir haben alle Exkursionen abgesagt.“ Obwohl die Arbeit auf großen Flächen an der frischen Luft nicht so viel Ansteckungspotenzial biete, seien die Auflagen, die dabei beachtet werden müssten, kaum einzuhalten.

Nabu-Mitglieder haben Spezialgebiete: Amphibien-Experte

Dabei schätzt er selber die Aktionen, bei denen gemeinsam etwas für den Naturschutz getan wird. Er habe schon als Kind bei seinem Vater geholfen und auch seine Kinder würde sich öfter daran beteiligen.

Sein Hauptinteresse liegt aber woanders: „Amphibien sind meine Leidenschaft“, sagt er. Auch damit habe er sich schon als Kind im Alter von sechs oder sieben Jahren befasst. Angefangen habe alles mit Kaulquappen. Mittlerweile kennt sich Michael Hahn bestens aus und ist Ansprechpartner für viele, wenn es um den Schutz dieser Tiere geht.

So wie er Experte für Amphibien ist, haben andere im Verein ebenfalls ihre Spezialgebiete. Geht es um Fledermäuse oder Biber, ist Peter Thies der richtige Ansprechpartner. „Unser Spektrum ist gemischt“, sagt Michael Hahn. Das mache die Stärke des Vereins aus.

Zum Schutz der heimischen Tierwelt gibt es weitere Aktionen wie zum Beispiel der Bau von Nisthilfen. Auch der Lebensraum  in Kirchtürmen und der Schutz des Steinkauzes gehören zu den Aufgaben des Nabu.

Dabei ist es den Mitgliedern des Nabu wichtig, bei jungen Menschen das Interesse für die Natur zu wecken. Deshalb gehen sie auch in Schulen und Kindergärten, um dort mit praktischen Arbeiten die Mädchen und Jungen für Tiere und Pflanzen zu begeistern. Dafür werden unter anderem auch Interessierte ausgebildet, die meist über 50 sind und neue Aufgaben suchen. Wie Michael Hahn sagt, arbeiten diese oft unabhängig von dem Verein als Naturtrainer, Kita-Naturbotschafter oder Wildkräuterpfleger, stehen aber für die Ziele des Naturschutzbundes. Die praktische Arbeit mit den jungen Menschen kann unter anderem daraus bestehen, dass mit den Kindern Gärten oder Biotope angelegt und gepflegt werden.

Nabu nimmt Einfluss auf Bauprojekte und Gesetzgebung

Die Arbeit des Naturschutzbundes spielt sich allerdings nicht nur in der freien Natur ab. Der Verband ist auch gefragt, wenn es um Planungen für Bauprojekte geht. Auch bei der Gesetzgebung machen die Mitglieder des Nabu ihren Einfluss geltend.

Nach 50 Jahren im Dienst für die Natur hat der Nabu Südeifel viel bewegen können: So konnte zum Beispiel der Schutz einzelner Arten wie zum Beispiel Wanderfalke, Steinkauz, Schleiereule, Europäischer Biber, Wildbiene, Fledermaus, Amphibien und Orchideen vorangebracht werden. Außerdem habe man durch die gemeinsamen Aktionen viele Menschen für die Natur begeistern können, sagt Hahn.

Doch es gibt auch Aspekte, die die Mitglieder des Nabu nicht zufriedenstellen. „Die Artenvielfalt schrumpft weiter“, sagt der Vorsitzende und es würden weiter Flächen für den Naturschutz verloren gehen. Außerdem seien die Lebensräume weniger vernetzt.

Und es gibt auch einige Hindernisse, die die Arbeit erschweren. Das sind nicht nur die Corona-Regeln, die vieles unmöglich gemacht hatten. Es sei auch immer ein Spagat zwischen Ehrenamt, Arbeit und Familie, und auch der gesellschaftliche Wandel mit Freizeitverhalten und Entwicklung der Arbeit sei nicht förderlich, so Michael Hahn. Zudem würden Ehrenamtler oft als Dienstleister gesehen und hätten zudem viele Verwaltungsaufgaben.

 Amphibien sind das Fachgebiet des Nabu-Vorsitzenden Michael Hahn. Foto: Michael Hahn
Amphibien sind das Fachgebiet des Nabu-Vorsitzenden Michael Hahn. Foto: Michael Hahn Foto: TV/Nabu Südeifel
 Nabu-Mitglied Helmar Schulz kontrolliert einen Nistkasten. Foto: Michael Hahn
Nabu-Mitglied Helmar Schulz kontrolliert einen Nistkasten. Foto: Michael Hahn Foto: TV/Nabu Südeifel
 Im Herbst wird das Obst auf der Streuobstwiese des Nabu geerntet. Aus den Früchten wird Saft gemacht. Foto: Berthold Frensch
Im Herbst wird das Obst auf der Streuobstwiese des Nabu geerntet. Aus den Früchten wird Saft gemacht. Foto: Berthold Frensch Foto: TV/Nabu Südeifel
 Solche kleinen Eichentriebe sind auf der Streuobstwiese nicht gewünscht. Sie werden später von Schafen oder Ziegen abgefressen. Foto: Nora John
Solche kleinen Eichentriebe sind auf der Streuobstwiese nicht gewünscht. Sie werden später von Schafen oder Ziegen abgefressen. Foto: Nora John Foto: TV/Nora John
 Die Streuobstwiese des Nabu bei Prümzurlay liegt recht abgelegen. Foto: Nora John
Die Streuobstwiese des Nabu bei Prümzurlay liegt recht abgelegen. Foto: Nora John Foto: TV/Nora John
 Insekten, wie hier auf einer Blüte der Wilden Möhre, sind ausdrücklich erwünscht. Foto: Nora John
Insekten, wie hier auf einer Blüte der Wilden Möhre, sind ausdrücklich erwünscht. Foto: Nora John Foto: TV/Nora John
 Der Fledermausexperte des Nabu Südeifel, Markus Thies aus Pronsfeld, hängt eine Nisthilfe für Waldfledermäuse auf. Ehrenamtlich kümmert er sich auch um die Kontrolle von Fledermausquartieren, pflegt verletzte Fledermäuse und untersucht die Entwicklung des Fledermausbestands.. Foto: NABU/Margot Liebel
Der Fledermausexperte des Nabu Südeifel, Markus Thies aus Pronsfeld, hängt eine Nisthilfe für Waldfledermäuse auf. Ehrenamtlich kümmert er sich auch um die Kontrolle von Fledermausquartieren, pflegt verletzte Fledermäuse und untersucht die Entwicklung des Fledermausbestands.. Foto: NABU/Margot Liebel Foto: NABU/Margot Liebel
 Bei Kindern soll mit verschiedenen Aktionen das Interesse an der Natur geweckt werden. Foto: Nabu
Bei Kindern soll mit verschiedenen Aktionen das Interesse an der Natur geweckt werden. Foto: Nabu Foto: TV/Nabu Südeifel

Mit Blick auf die nächsten 50 Jahre sagt Hahn, dass die Herausforderungen größer würden. Auch künftig, befürchtet er, werde es neben Erfolgen auch immer wieder Niederlagen geben. Dennoch wolle man vermehrt Interessengruppen und Arbeitskreise bilden, um die Interessen der Ehrenamtlichen inhaltlich und räumlich besser zu bündeln.