51 vor Sankt Wendelin
Kyllburgweiler hat neben einer langen Geschichte auch eine lebendige Gemeinschaft: Fast die Hälfte der Dorfbewohner war dabei, als Fotograf Klaus Kimmling im Rahmen der TV-Dorffotoaktion in Kyllburgweiler Halt machte.
Kyllburgweiler. (kah) In der Ferne oberhalb von Kyllburgweiler drehen sich auf einem Höhenzug riesige Windräder. Langsamer als sie scheinen sich die Uhrzeiger in dem idyllischen Eifelörtchen zu bewegen: Die Dorfstraße ist gesäumt von vielen alten Bauernhäusern, die anders als andernorts weder verbaut noch abgerissen wurden. In einem bunten Bauerngarten leuchten Astern und Gladiolen in der Sonne. Am Zaun direkt davor liegt der Treffpunkt für die TV-Dorffoto-Aktion. Wie es scheint, ist das halbe Dorf auf den Beinen, um sich von TV-Fotograf Klaus Kimmling fotografieren zu lassen. Frauen, Männer, Alte, Kinder und sogar ein paar Hunde sind zusammengekommen - schließlich gibt es nicht alle Tage die Gelegenheit, sich mit seinen Nachbarn, Freunden und Verwandten porträtieren zu lassen.
Auch Peter Simon, der Bürgermeister des 130-Seelen-Ortes, ist dabei. Stolz erzählt er von den Besonderheiten seiner Gemeinde: eine der überaus wenigen, die sich rühmen kann, einen ausgeglichenen Haushalt zu haben. Dies verdanke man den 170 Hektar Wald, die erstaunlicherweise nicht zu St. Thomas gehören, das jahrhundertelang Grundherr der Gemeinde war, sondern zu Kyllburgweiler selbst. Auch die sich auf dem nahen Bergrücken drehenden Windräder tragen ihren Teil zum Wohlstand bei.
Stolz auf die eigene Kirche und die lange Geschichte
Zudem sei Kyllburgweiler eine der wenigen Gemeinden, die selbst Besitzerin einer Kirche ist. "Da sind wir stolz drauf", sagt Simon. Bei der Renovierung sei viel Eigenleistung dabei gewesen. Auch das Gemeindehaus habe man vor zwei Jahren überwiegend in Eigenleistung erneuert.
Und dann natürlich die Geschichte: Wer einen Blick in die Kulturdatenbank der Region wirft, wird mit Erstaunen feststellen, dass das kleine Kyllburgweiler über satte 26 Einträge verfügt. Zu den Sehenswürdigkeiten zählen neben der Filialkirche St. Wendelin und diversen alten Wegeskreuzen und Bauernhöfen auch römische Brandgräber, eine Langmauer oder der Torso einer Diana-Statuette. Denn der Ort hat Geschichte. Wie die Funde beweisen, haben bereits die Römer dort gesiedelt. Erstmals erwähnt wurde Kyllburgweiler unter dem Namen "Wilre" im Jahr 1224. Bis 1802 war das Kloster St. Thomas Grundherr des Ortes.
Doch es gebe auch Probleme, sagt Simon. Von den ehemals 17 landwirtschaftlichen Betrieben sind nur noch vier übrig geblieben - und so manches der alten Bauernhäuser steht heute leer oder könnte eine Renovierung gut gebrauchen.
Als der Fotograf Klaus Kimmling den Auslöser drückt, ist von Problemen jedoch nicht viel zu spüren. Warum auch? Zeigt doch die große Zahl der zusammengekommenen Menschen, dass der Ort zusammenhält, die Sonne scheint und der Bürgermeister lädt in der heimischen Wirtschaft zu einem Umtrunk ein.