57. Bergrennen in Wolsfeld setzt neue Maßstäbe

Sport und Freizeit : Wolsfelder Bergrennen: Dröhnende Motoren, internationale Fans

Die 57. Auflage des Wolsfelder Bergrennens, ausgerichtet vom EMSC Bitburg, setzt wieder einmal Maßstäbe.

„P“ wie Pfingsten oder „P“ wie PS. Um den 16. Buchstaben des Alphabets dreht sich auch in diesem Jahr an den  Feiertagen wieder alles in der schmucken kleinen Südeifel-Gemeinde. Der Ausnahmezustand ist Normalität in diesen Tagen, wenn nicht nur der Heilige Geist, sondern auch die Motorsportler über den Ort herfallen. In diesem Jahr sind es noch mehr Teilnehmer*innen und damit ist es auch intensiver als sonst. Die 57. Auflage des Wolsfelder Bergrennens, ausgerichtet vom EMSC Bitburg, setzt wieder einmal Maßstäbe.

Um acht Uhr am frühen Sonntagmorgen setzt das Dröhnen der Motoren ausgangs des Dorfes Richtung Wolsfelderberg dieses Mal schon ein. Eine Stunde früher als sonst. 30, 40 Autos sind es mehr. Der ohnehin eng getaktete Zeitrahmen der Vorjahre ist damit Makulatur.

Für die Menschen im Dorf ist es egal. Jeder Quadratmeter Hofeinfahrt, jedes Stückchen Grund, eine Handvoll Bürgersteig: alles ist belegt. „Wir kennen das nicht anders. Ob die jetzt morgens um acht oder um neun anfangen, spielt keine Rolle. Die meisten kommen ja ohnehin schon ein oder zwei Tage früher“, sagt Werner Treinen. Zwischen vielen Fahrern und Anwohnern hat sich im Lauf der Jahre eine Freundschaft entwickelt. Schon am Sonntag, dem Trainingstag vor dem eigentlichen Rennen am Montag, ziehen die gut gelaunten Motorsportfans bei strahlendem Sonnenschein zu Hunderten mit „Sack und Pack“ hinauf auf die herrlich gelegenen Naturtribünen der Südeifel. Einzigartig ist dieses Panorama im Kalender der deutschen Rennsport-Meisterschaft.

Nick und Thierry sind aus dem luxemburgischen Cruchten nach Wolsfeld gekommen. „Die Atmosphäre hier ist wunderbar und die Leute sind sehr herzlich. Wir kommen schon seit vielen Jahren“ versichern die beiden jungen Leute.

Wolsfeld ist nämlich einer der wichtigsten Läufe im Kalender der Luxemburger Bergmeisterschaft. Jenseits der Grenze hat der Bergrennsport einen ganz großen Stellenwert.

Doch die Fahrerinnen, Fahrer, Fans, und auch die „normalen“ Pfingstausflügler, kommen von weit her. Sie setzen ausgerechnet an Pfingsten das um, was in der Heiligen Schrift steht: Alle, zumindest sehr viele, sprechen in verschiedenen Sprachen und verstehen sich doch: Eifeler, Schwaben, Bayern, Norddeutsche, Luxemburger, Belgier, Franzosen, und mittendrin der „Exot“ James Wilkinson aus dem britischen Huddersfield mit seinem Eigenbau Marke Reynard FVL. Dazu Österreicher und Schweizer. Ein wahrhaft babylonisches Sprachengewirr.

Und über allem wachen die vielen Helferinnen und Helfer der Vereinsgemeinschaft aus Wolsfeld, der Motorsportfreunde aus Bitburg, des DRK-Ortsvereins Südeifel, der freiwilligen Feuerwehr aus Wolsfeld. Viele haben einen Job, manche sogar mehrere.

Björn Hoffmann hat in der Vorwoche mit Traktor und Hänger noch verschwitzt im „Blaumann“ zweieinhalb Tausend Reifen heran gekarrt. An den beiden Renntagen fungiert er in schwarzer Hose und weißem Hemd gemeinsam mit Achim Tossing als Leiter der Streckensicherung. „Jede Hand wird gebraucht. Vorher, an Pfingsten und nachher“, wissen beide.

Ortsbürgermeister Heinz Junk ist stolz auf den Zusammenhalt in der Gemeinde. Und er weiß auch, dass es nicht unbedingt nur Freunde dieser lärmenden Veranstaltung gibt: „Wir müssen uns vor allem bei den Anliegern direkt am Ortsausgang, an der Rennstrecke und mitten im Dorf dafür bedanken, dass sie in jedem Jahr dafür Verständnis aufbringen.“

Viele wissen aber auch, weshalb sie das alljährliche Spektakel gut heißen oder zumindest akzeptieren. Schließlich ist das Bergrennen auch für die einheimischen Vereine eine willkommene Einnahmequelle. Und einen kostenlosen Sprachkursus gibt’s obendrein auch noch!

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